Kickbox-Weltmeisterin im Interview – "Dem Schweinehund Paroli bieten"

Mittwoch, 25.08.2010

Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss macht im fem.com-Interview Lust darauf, die Boxhandschuhe anzuziehen ...

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Vor 23 Jahren begann Christine Theiss (30) mit dem Kickboxen. Inzwischen kann sie nicht nur auf zahlreiche Siege zurückblicken, sondern hält auch einen Weltmeistertitel inne. Den es am 4. September zu verteidigen gilt. Sat.1 überträgt den Kampf live ab 22.15. "Zum ersten Mal findet Kickboxen vor einem großen deutschen TV-Publikum statt", freut sie sich. fem.com traf die promovierte Spitzensportlerin zum Interview über nützliche Risikoblindheit, gerade Nasen und Training mit Jungs.

Gibt es bestimmte Charaktereigenschaften, die man für das Kickboxen mitbringen sollte?
Allzu zaghaft und zögerlich veranlagte Menschen werden bei diesem Sport vermutlich nicht glücklich. Zudem ist das Training körperlich sehr fordernd und man sollte schon bereit sein, seinem inneren Schweinehund ordentlich Paroli zu bieten.
In welcher Weise formt dieser Sport dann wiederum den Charakter?
Mich hat der Sport durchaus selbstbewusster und auch bestimmter gemacht. Jedes Sparring (Übungskampf) ist für sich eine neue Situation und Herausforderung, der man sich immer wieder stellen muss. Diese Einstellung hat sich bei mir auch in den Alltag übertragen: Je aufregender oder stressiger es beispielsweise in Prüfungssituationen wird, desto ruhiger werde ich. Außerdem lehrt einen das Training, sich durchzubeißen und nicht bei jedem kleinen Steinchen im Weg die Flinte ins Korn zu werfen.
Besonders Frauen fürchten beim Boxsport oft um ihre Nasen. Ihre ist auch nach 23 Jahren Kickboxen noch wunderbar in Form - wie das?
Eine gute Deckung und schnelle Reflexe sind die halbe Miete. Aber auch meine Nase war 2005 schon einmal gebrochen, aber wenn ein Fachkundiger das Nasenbein sehr schnell wieder an Ort und Stelle rückt, dann bleiben meist keine sichtbaren Schäden zurück. Je mehr Angst man vor einer Verletzung hat, desto eher tritt sie auf. Eine gesunde Risikoblindheit kann da ganz hilfreich sein.
Wo haben Sie momentan die meisten blauen Flecken?
Meist habe ich blaue Flecken am Schienbein, aber nicht etwa vom Kickboxen, sondern weil ich regelmäßig gegen unser Bett laufe. Ich bin im Training immer hochkonzentriert und ziehe mir selten Verletzungen zu. Dafür ist der Alltag bei meiner Schusseligkeit richtig gefährlich.
Was sind die Unterschiede zwischen der männlichen und der weiblichen Herangehensweise im Training?
Ich persönlich glaube, dass höchstens zu Beginn Unterschiede bestehen. Mädels fangen den Sport oft der Figur wegen oder aus Selbstverteidigungszwecken an. Männer hingegen suchen ihre Bestätigung in einem "typisch männlichen" Sport. Aber spätestens wenn es darum geht, Kickboxen wettkampfmäßig zu betreiben, gibt es keine unterschiedliche Herangehensweise mehr, dann sitzen alle im gleichen Boot.
Wie sieht Ihre Ernährung aus?
Abwechslungsreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, hochwertigem Fleisch und Gemüse, vor dem Kampf keine Süßigkeiten und kein Alkohol. Wenn ich abnehmen muss, reicht es bei mir zum Glück meist aus, dass ich auf eine reichhaltige Kohlenhydratzufuhr am Abend verzichte. Ich nehme vor einem Kampf langsam über Wochen ohne Hungerkuren ab, zum einen würde mich das zuviel Substanz beim Training kosten und zum anderen verhindere ich auf diese Art und Weise den typischen Jojo-Effekt.
Was sagen Sie Leuten, die glauben, Kickboxen wäre nur ein stumpfer "Haudrauf-Sport"?
Meistens werfen die Leute ihre Vorurteile über Bord, wenn sie mich kennenlernen. Den besonders hartnäckigen unter ihnen, die tatsächlich glauben, ich wäre ja nur eine Ausnahmeerscheinung in diesem Sport, versuche ich klar zu machen, dass genau dies nicht der Fall ist. Mittlerweile bilden Kickboxer einen ganz normalen Querschnitt durch die komplette Bevölkerungsstruktur und ich persönlich mag diese Vielfältigkeit.
Wie sieht Ihr Trainingsplan momentan aus?
Ich trainiere eigentlich immer zweimal am Tag bei einem Ruhetag in der Woche. Allerdings ändern sich Trainingsintensität und -inhalte, je näher ein Kampf rückt. Während der Aufbauphase ist das Training allgemein gehalten, Kraft- und Konditionseinheiten stehen hier im Vordergrund. Je fortgeschrittener die Phase ist, desto mehr Wert legt mein Trainer Mladen Steko auf Technik- und Taktikschulung sowie ein spezifisches, auf den Kampf abgestimmtes Konditionstraining. Außerdem mache ich natürlich in den letzten Wochen viele Runden Sparring, hierbei wird der Wettkampf simuliert.
Wie kam es dazu, dass Sie schon mit sieben Jahren mit dem Kickboxen angefangen haben? In diesem Alter wissen viele Mädchen noch nicht einmal, dass es das überhaupt gibt.
Ich wusste das auch nicht. In Bayreuth wurde im dortigen Kickboxverein eine Kinderabteilung gegründet und eine Klassenkameradin von mir wollte da unbedingt hin, traute sich aber alleine nicht. Also bin ich mit und weil es Spaß gemacht hat, bin ich geblieben.
Vermutlich waren und sind Sie im Training meist die einzige Frau unter Männern - gibt es diesbezüglich Vor- oder Nachteile?
Das stimmt gar nicht, es ist eher die Ausnahme, dass ich alleine unter Männern bin, weil wir relativ viele Frauen im Team Steko im Wettkampftraining haben. Ich finde es gut, dass ich die Geschlechter durchwechseln kann. Meist ist es keine Frage, welches Geschlecht ein Gegner hat, sondern welches Gewicht. Ein guter Kickboxer, der 20 Kilo mehr wiegt als ich, sollte mir in der Regel überlegen sein, das ist einfache Physik. Wenn derjenige aber mit seiner Kraft vernünftig umzugehen weiß, dann kann so ein Sparring durchaus seinen Reiz haben. Zum Glück haben wir im Kampfsportzentrum Steko einen so großen Pool an Wettkämpfern, dass eigentlich immer jemand mit meinem Gewicht dabei ist.

Weitere Informationen zu Christine Theiss unter: www.christinetheiss.de.

Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss im Interview.

Zwei Mal am Tag Training und das sechs Mal die Woche. Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss ist topfit.

 

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25.08.2010 18:14
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