Kaufsucht: Hilfe & Infos – Süchtig nach Shopping

Freitag, 29.01.2010

Immer mehr Menschen in Deutschland sind kaufsüchtig. Doch selbst ihre engsten Angehörigen wissen oft nichts davon. fem.com sagt, was Betroffene tun können.

Sie sind keine Schnäppchenjäger, denn der Preis spielt keine Rolle. Sie sind gierig danach, teure Klamotten, Schuhe, CDs, Bücher oder Möbel zu kaufen. Die Rede ist von 800.000 Kaufsüchtigen in Deutschland. 

Sieben Prozent aller Erwachsenen gefährdet
Kaufsucht ist in allen westlichen Industrienationen ein weit verbreitetes Phänomen, das in den letzten zehn Jahren spürbar zugenommen hat. Nach Angaben der "Techniker Krankenkasse" gelten etwa sieben Prozent aller Erwachsenen als kaufsuchtgefährdet - das sind allein in Deutschland rund vier Millionen.

"Kaufsucht ist eine unauffällige Sucht. Sie kommt schleichend und wird immer massiver", so Ulrike Fieback, Sprecherin der TK Niedersachsen. Es ist der Drang, Dinge zu kaufen, die man nicht benötigt. Oft landen die Sachen unausgepackt in überquellenden Schränken und werden vor der Familie und Freunden versteckt oder sogar weggeworfen. Kaufsucht ist ein Ersatz für Anerkennung, für fehlende Liebe, ein Füllen von innerer Leere, ein Trostpflaster, ein Partnerersatz.

Frauen erkranken häufiger

Kaufsucht geht oft mit Depressionen und Essstörungen einher. Frauen sind stärker betroffen als Männer - und was auffallend ist: Im Winter ist die Kaufsucht stärker ausgeprägt als im Sommer.

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Kaufen löst ein unglaubliches Glücksgefühl aus", weiß Sieglinde Zimmer-Fiene, Leiterin der seit sieben Jahren bestehenden Selbsthilfegruppe "Kaufsucht und 'trockene' Kaufsüchtige" in Hannover. "Meine Streicheleinheiten holte ich mir von den Verkäufern in unzähligen Kaufhäusern, Geschäften und Boutiquen. Doch die innere Leere wird nur kurz befriedigt. Dann geht die Gier wieder von vorne los und der Drang des Kaufens wird noch größer", so Zimmer-Fiene weiter. Betroffene Männer kaufen vor allem technische Artikel, Auto- und Computerzubehör, Frauen dagegen Kleidung, Schuhe, Schmuck und Kosmetik.

Aggressivere Verkaufsangebote
"In den letzten Wochen haben sich bei mir so viele Verzweifelte wie noch nie gemeldet", erzählt Zimmer-Fiene. Den Grund sieht die Selbsthilfegruppen-Leiterin darin, dass der Konsum immer aggressiver angeboten wird.  "Auch die Verkäufer werden besser geschult und in immer mehr Geschäften wird mit psychologischen Mitteln wie beispielsweise Düften gearbeitet", so Zimmer-Fiene.
Die Sucht zerstört wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenzen ganzer Familien in Form von Überschuldung, Insolvenz und Abrutschen in die Kriminalität. Ein psychischer Zusammenbruch ist oft die Folge.

Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen
Kaufsucht, auch Oniomanie (griechisch "onios" = zu verkaufen) genannt, ist eine psychische Störung. Sie äußert sich in zwanghaftem Kaufen. Wird der Betroffene am Kaufen gehindert, entwickelt er Entzugserscheinungen, die sich zum Beispiel in Herzrasen, Schweißausbrüchen und innerer Unruhe äußern.

Betroffenen und ihre Angehörigen sollten sich unbedingt an eine Beratungsstelle, Selbsthilfegruppe oder einen Facharzt wenden. Durch eine Psychotherapie kann Shoppingsüchtigen frühzeitig geholfen werden.
Erste-Hilfe-Strategien:

  • ehrlich zu sich sein: das Problem erkennen und mit einer Vertrauensperson darüber sprechen
  • alle Kreditkarten zurückgeben
  • nur mit Bargeld zahlen und mit einem festgesetzten Betrag in der Woche auskommen
  • den kompletten Garderobenbestand und das Wohnungsinventar auflisten und die Liste immer bei sich tragen
  • nicht im Internet oder in Katalogen bestellen
  • Shopping-Kanäle im Fernsehen meiden
  • bewusst nicht in "Outlet-Center" fahren

Mehr Infos: www.kaufsuchthilfe.de

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29.01.2010 17:49
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