Katja Hofem-Best im Interview – "Ab Mitte 30 wird die Luft dünn"

Samstag, 07.04.2012

Katja Hofem-Best setzt sich für mehr Frauen in Führungspositionen ein - wir haben die sixx-Senderchefin zum Interview getroffen.

Katja Hofem-Best gilt nicht nur als eine der profiliertesten TV-Macherinnern Deutschlands, sondern sie setzt sich auch vehement für Chancengleichheit ein. Knapp zwei Jahre nach dem Sendestart des Frauensender sixx haben wir die 41-jährige zum Interview getroffen.

Frau Hofem-Best, Frauen an der Spitze eines TV-Senders gibt es in Deutschland nicht allzu viele; sind Sie und etwa RTL-Chefin Anke Schäferkordt der Beweis dafür, dass frau es jederzeit schaffen kann, wenn sie nur will, oder sind Sie einfach nur zwei Ausnahmen von der Regel, dass die TV-Welt männerdominiert ist?

Katja Hofem-Best: Vergleicht man die heutige Situation mit der von vor einigen Jahren, dann ist das Glas sicher halb voll. Legt man aber den Maßstab zugrunde, den andere Länder haben, wie etwa die skandinavischen Staaten oder die USA, dann ist das Glas noch halb leer. Jede Frau mehr an der Spitze eines Senders oder in einer Führungsposition eines großen Unternehmens ist ein wichtiger Schritt auf dem richtigen Weg. Ein Weg, auf dem wir aber noch ein ganzes Stück vor uns haben.

Es scheint nur logisch, dass der Frauensender sixx auch von einer Frau geführt wird; wäre ein Mann an der Spitze von sixx ein Affront für viele Frauen?

Katja Hofem-Best: So pauschal kann man das nicht sagen. Fernsehen machen ist ein Handwerk, also muss ein Fernsehmacher auch jede Zielgruppe bedienen können. Sonst wäre die Konsequenz, dass z. B. ein Kinder-Sender auch von einem Kind geführt werden müsste. Allerdings verlangt ein solcher Nischenbereich auch ein sehr großes Einfühlungsvermögen, und man sollte eine große Bereitschaft mitbringen, sich in die Zielgruppe hineinzudenken, wenn man nicht demselben Geschlecht angehört, wie die Zuschauer dieser Zielgruppe.

Trotzdem aber dürften Frauen doch besser wissen, was Frauen wollen?



Katja Hofem-Best:  Es stimmt, dass mir die Arbeit bei sixx vielleicht etwas leichter fällt, weil ich viele Dinge aus dem Bauch heraus entscheiden kann - was bei einer anderen Zielgruppe so vielleicht nicht möglich wäre.

Neben Ihrer Arbeit bei sixx sind Sie auch Mitglied der Managerinnen-Initiative Heiligendamm. Die fordert u. a. die Einführung einer gesetzlichen Frauen-Quote für Vorstände und Aufsichtsräte bis Ende 2012; glauben Sie, dass die Männer da mitspielen?

Katja Hofem-Best: Ich hoffe sehr, dass diese gesetzliche Regelung kommen wird. Aber ich weiß auch, dass das kein leichter Weg wird, vor allem auch deshalb nicht, weil wir in der Politik nicht sehr viele Mitstreiterinnen haben. Norwegen etwa ist in dieser Hinsicht viel weiter als wir. Dort ist es schon seit 30 Jahren selbstverständlich, dass Frauen die Chance haben, Führungspositionen zu besetzen. Denn dort gibt es eine andere Förderung und ein anderes Career Management. Die gesetzliche Frauen-Quote kann also nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer ähnlichen Entwicklung sein. Solange aber eine Managerin immer noch gefragt wird „Wie schaffen Sie das eigentlich bei drei Kindern?“, einem Manager diese Frage aber niemals gestellt würde, solange haben wir noch einen sehr weiten Weg vor uns.

Sie bemängeln die fehlende weibliche Unterstützung aus der Politik; tragen Frauen also auch selbst eine gewisse Schuld, weil Sie zu schnell mit zu wenig zufrieden sind?

Katja Hofem-Best: Das größte Problem ist, dass Frauen bis ca. Mitte 30  sagen: "Es läuft doch alles wunderbar, ich habe keine Probleme mit meiner Karriere". Bis zu diesem Zeitpunkt mag das auch stimmen. Ab einer gewissen langjährigen Karriere, wenn es um die Geschäftsführung oder einen Vorstandsposten geht, wird die Luft sehr dünn. Viele Frauen steigen dann aus ihrer Karriereplanung aus, weil die Art, wie man ab diesem Zeitpunkt Karriere machen kann, nur auf männliche Bewerber zugeschnitten ist. Hier müssen wir ansetzen und Alternativen wie Tele Working, Home Office und flexible Arbeitszeiten anbieten. Nur weil einer das Licht im Büro ausmacht und als Letzter geht, darf er nicht auch automatisch der Gewinner sein. Vielmehr darf nur das Ergebnis zählen. Hier bei ProSiebenSat.1 hat man das bereits erkannt. Im Vergleich zu anderen Medienunternehmen haben wir hier überdurchschnittlich viele weibliche Führungskräfte.

Worin unterscheiden sich überhaupt männliche und weibliche Führungskräfte?

Katja Hofem-Best: Frauen sind sehr sach- und lösungs-, aber weniger machtorientiert. Das steht ihnen beim Karrieremachen oft im Weg, weil es ihnen z. B. egal ist, ob sie einen Mercedes oder einen Smart als Dienstwagen haben. Das aber ist ein Fehler, weil das Auto in einer männlich dominierten Karrieregesellschaft ein wichtiges Statussymbol ist, an dem man auch gemessen wird. Selbstverständlich bringen Frauen auch eine emotionale Komponente ein. Wenn es z. B. im Unternehmen darum geht, dass 800 Mitarbeiter entlassen werden müssen, dann ist es meistens die Frau, die sich Gedanken darum macht, wie das kommuniziert werden und wie der Sozialplan aussehen kann. Der Mann dagegen denkt vor allem darüber nach, welches Einsparpotenzial die Entlassungen für das Unternehmen haben.



Sie selbst arbeiten schon wieder an einem neuen Sender, der sich an so genannte Best-Ager richten soll; können Sie für alle, die im Marketing-Englisch nicht so firm sind, kurz erklären, was Best-Ager meint?

Katja Hofem-Best: Das meint die Zielgruppe von 50 bis 65. Eine Zielgruppe, die einen großen Teil des Lebens bereits hinter sich hat, aber auch sehr geprägt ist von einem Freiheits- und Unabhängigkeitsgefühl. Diese Menschen, die sich etwas aufgebaut haben, wollen das Leben jetzt noch richtig genießen.

Danke für das spannende Gespräch, Frau Hofem-Best!

Interview: Andreas Kötter

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07.04.2012 13:00
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