Kaiserschnitt – Too Posh to Push?

Dienstag, 12.08.2008

Immer mehr Babys kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Ist sich die Frau von heute zu fein zum pressen oder gar zu ängstlich? Was steckt wirklich hinter diesem Trend?

1991 waren es 15 Prozent, 2002 schon 24 und im ersten Halbjahr 2008 waren es sogar 32 Prozent aller Neugeborenen, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind - das berichtete die BKK von seinen 14 Millionen Versicherten. Wie kommt es zu der stetigen Zunahme von sogenannten Sectio-Geburten? Ist die Frau von heute vielleicht ängstlicher? Oder ist sie gar so manipuliert und bequem, dass sie sich von den Berichten über ach so unkomplizierten Kaiserschnittgeburten der weiblichen Prominenz derart beeinflussen lässt?
Der Gedanke ist nicht schlecht: An einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Zeit im Krankenhaus einchecken, in kürzester Zeit das Kind bekommen und das Ganze auch noch ohne Schmerzen - welche Frau wünscht sich das nicht?
Tatsächlich planen aber nur 3,8 Prozent der werdenden Mütter eine Sectio schon lange Zeit vor der Geburt. Das zeigt eine Studie der Universität Osnabrück mit 366 Erstgebärenden. Zunahme der Wunschkaiserschnitt-Rate: Fehlanzeige!
Vielmehr wurden 60 Prozent der Kaiserschnitte vorher vom behandelnden Arzt empfohlen, so eine andere Untersuchung einer Ersatzkasse aus dem Jahr 2006. Und natürlich geschieht dies oft vor dem Hintergrund einer medizinischen Indikation: Die Babys von heute sind bei der Geburt größer denn je, die Becken der Frauen gleichzeitig aber schmaler als noch vor 50 Jahren. Außerdem werden die Erstgebärenden gerade in den alten Bundesländern immer älter. Eine Erstgeburt ab 35 auf natürlichem Weg birgt, rein statistisch gesehen, größere Risiken in sich, zudem steigt die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsgeburten - alles gute Gründe für einen Kaiserschnitt.
Dennoch besteht der Verdacht, dass Frauen aus einem anderen Grund zur Sectio Ceasarae umgestimmt werden: Ein bestimmter Teil der Frauen ist nämlich schlichtweg verunsichert durch die Schauergeschichten von 48-Stunden-Geburten, die sich in Freundeskreisen immer wie ein Lauffeuer herumsprechen. Dazu kommt die Angst, dass durch eine natürliche Geburt der Beckenboden überdehnt werde, was Folgen auf die Kontinenz und das Sexualleben haben soll. Ein Irrglaube: Das Risiko solcher Nachwirkungen einer Schwangerschaft wird laut neuester Studien durch einen Kaiserschnitt nicht verringert!

Anstelle aber solche Unsicherheiten mit klärenden Gesprächen aus der Welt zu räumen, scheinen Ärzte immer öfter die Gebärenden von einem Kaiserschnitt zu überzeugen. Zum Vorteil der Krankenhäusern. Die nämlich kassieren beim Kaiserschnitt doppelt soviel wie bei einer vaginalen Geburt - und das auch noch bei einem geringeren zeitlichen Aufwand.
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12.08.2008 14:31
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