Junge Designer: Rag*Treasure – Recycling-Couture

Mittwoch, 15.10.2008

Zerrissene Gitarrenseiten als Träger für ein Sommer-Top, eine Mütze aus Kassettenbändern oder ein Gürtel aus einem alten Fahrradschlauch.  Rag*Treasure macht Recycling-Couture.
Das Erstaunliche daran: An ihre eigentliche Funktion erinnern die Materialien und Stoffe nicht mehr, wenn sie RAGarella mit ihrer Nähmaschine in extravagante Mode verwandelt hat.
"Rag" ist Englisch und heißt Lumpen. "Treasure" bedeutet Schatz. Rag*Treasure ist ein Münchner Mode-Label, das genau diese beiden Elemente miteinander verbindet. Dahinter steckt eine Münchner Designerin. Steffi Müller. RAGarella, das ist ihr Künstlername. Denn wann immer sie Zeit hat, "jagt" die 28-Jährige Stofffetzen, Tücher, Fundstücke oder Alltagsgegenstände durch ihre Nähmaschine, entwirft T-Shirts, Röcke, Kleider, Hosen oder Taschen.
Möglichst ausgefallen soll es sein, mit bunten Farben und schräg-verspielten Nähten. "Ich nehme alles, was anderen Leuten nicht mehr gefällt", sagt Steffi Müller. Und das kann tatsächlich alles sein: von ausrangierten Kleidern bis hin zu Filmbändern oder Fahrradschläuchen. Daraus macht sie einfach etwas Neues. Sie entreißt die Dinge ihrem Kontext und gibt ihnen eine andere Bedeutung. Mode als Statement.
Hausfrauen-Mikrofasertücher arbeitet Steffi einfach zu engen, aufreizenden Unterhosen um und aus einer Handtuchrolle - in öffentlichen Toiletten zu finden - näht sie ein Hochzeitskleid. Es ist die Freiheit den eigenen Ideen keine Grenzen zu setzen, Dinge zu kombinieren, die man zunächst nicht in Verbindung bringt. Und das hat einen erstaunlichen Charme. "Do-It-Yourself" ist das Motto. Jedes Teil ist ein Unikat, genäht, gestickt, gestrickt oder arrangiert hat es die 28-Jährige selbst.
Eine Designer-Schule oder Schneider-Ausbildung hat sie nie gemacht, aber vielleicht ist genau das das Geheimnis. "Ich habe kein Diplom und keine Zeugnisse. Aber ich habe sehr viel Eigeninitiative. Und Mut", sagt Steffi Müller. Sie probiert einfach - und improvisiert. 2004 luden sie die Kuratoren des "Forum junges Design" als eine der 20 Nachwuchskünstler zu einer Ausstellung in München ein, zu der eigentlich nur Kunststudenten zugelassen sind. Eine Voraussetzung, die Steffi Müller nicht erfüllte. Sie reichte trotzdem den Entwurf für eine Textil-Sound-Installation eines begehbaren Rocks ein - und wurdegenommen.
Auf der "Baltic Fashion Show" gewann sie 2005 den internationalen Publikumspreis. Selbst die Organisatoren der "Swatch Alternative Fashion Week" in London überzeugten ihre Kollektionen. Und erst vor wenigen Wochen wurde ihr "Coeur-á-porter", ein Kleid, das sie aus Metall gestrickt hat, für die "Metallic Recycling Fashion Show" in Monte Carlo ausgewählt.
Teuer ist ihre Mode trotz all des Erfolges nicht. Die Röcke, Kleider, Hosen und Shirts sollen die Menschen auch tragen, das ist Steffi wichtig. Ihre ausgefallenen Kreationen entwirft die Künstlerin in einem kleinen WG-Zimmer-Atelier in der Münchner Hohenzollernstraße. Wer Lust hat, kann sie dort besuchen oder ein Kleidungsstück im Internet bestellen. Dann lässt RAGarella ihre Kunden sich selbst beschreiben, lässt sich Fotos schicken und Maße geben.
Ein Label oder klassische Größen, das passt nicht in das Konzept. Ihre Mode ist individuell und eben keine Massenware, die sich in S bis XL pressen lässt. Rag*treasure basiert auf Interaktion - zwischen der Künstlerin und dem Kunden, zwischen Materialien, Formen, Farben und Ideen. Was dabei rauskommt, ist immer ein kleines Experiment, und ein wunderbarer Schatz aus Lumpen.
Katrin John
Mehr Infos: www.ragtreasure.de
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15.10.2008 12:10
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