Job-Beratung: Betriebsgeheimnis – Geheimniskrämerei!

Montag, 17.05.2010

In fast jedem Betrieb gibt es Geheimnisse. Wenn die Geheimniskrämerei allerdings überhand nimmt, sollten Sie darauf reagieren. Ein Psychologe gibt Tipps!

RTEmagicC_Buero-Wahnsinn_TB_01.jpg.jpg

In seinem Buch "Bin ich denn der einzige Normale hier" (Redline, 19,90 Euro, bestellbar z.B. über www.amazon.de) präsentiert der Psychologe Albert J. Bernstein 101 Lösungen, wie man mit vertrackten Situationen im Büro klar kommt.

fem.com präsentiert zehn dieser Lösungen in der neuen Serie "Büro-Wahnsinn".

Teil 4: Auf Geheimniskrämerei reagieren

DAS SZENARIO 
Die Aufträge vom zweitgrößten Kunden der Firma laufen plötzlich nicht mehr ein, und niemand scheint zu wissen, warum. Genau genommen ist es wohl eher so, dass diejenigen, die es wissen, nicht darüber sprechen. Es wird viel gemutmaßt, aber harte Fakten liegen nicht vor. Offenbar lag das Problem in der Führungsebene, denn sonst wären längst Köpfe gerollt.

Der Verlust dieses Kunden betrifft alle. Warum wird also ein Geheimnis daraus gemacht? Was sind die Geheimnisse an Ihrem Arbeitsplatz? Es könnten Gehaltsinformationen sein, der Finanzplan, der Schaltkreis für das neueste Produkt, Pläne für die nächste Umstrukturierung, die tatsächliche Höhe der Kostenüberschreitungen, die Schadstoffmessung an einer Ladung Abfall oder die Fehler und Kavaliersdelikte der Mächtigen.
Wenn Sie eine hohe Führungskraft befragen, warum über bestimmte Dinge nicht gesprochen wird, bezieht sich die Antwort wahrscheinlich auf den Schutz des Unternehmens vor Klagen, Industriespionage, unvorteilhafte Verhandlungspositionen oder einen Einbruch der auf Fehlinformationen basierenden Aktienkurse. Das ist ja alles schön und gut; das Geschäftsleben ist wie Krieg, also leuchtet es ein, Außenstehenden und potenziellen Feinden Informationen vorzuenthalten. Aber was, wenn die Feinde in der Tat sogar im Unternehmen selbst arbeiten?
Geheimhaltung ist eine Gratwanderung. Es kann Führungskräften leicht passieren, dass sie zuerst Informationen verbergen, die für das Unternehmen schädlich sein könnten, und dann auf diesem Weg abrutschen und Informationen geheim halten, die sich für sie selbst als unangenehm herausstellen könnten. Zunächst geschieht das unbewusst, wenn man es wohlwollend ausdrücken will, hier und da gibt es ein paar vertuschte Details. Später dann, wenn der Umstand, unangenehme Einzelheiten nicht erklären zu müssen, das Leben einfacher zu machen scheint, kann die Geheimhaltung zu einem festen Bestandteil der Managementphilosophie werden.
Diese Art von reflexartiger Geheimhaltung macht den Weg frei für alle möglichen Arten von Täuschung und Störung. Harmlose Schönrederei kann in ausgemachten Verfolgungswahn umschlagen, bei dem jeder, innerhalb wie außerhalb des Unternehmens, wie ein potenzieller Feind behandelt wird. Offensichtlich gibt es einige Unternehmen, in denen es bereits so weit ist. Wir werden diese in einigen der nächsten Szenarien besprechen. Die meisten sind allerdings noch nicht ganz so weit heruntergekommen. In solchen Unternehmen könnten Ihre Reaktionen auf Geheimhaltung vielleicht noch etwas bewirken.
DIE LÖSUNG

RTEmagicC_Geheimnis-im-Job.jpg.jpg

In den meisten Unternehmen gehört reflexartige Geheimniskrämerei noch nicht zu einem festen Bestandteil der Kultur. Führungskräfte und Berater bedienen sich ihrer nur hin und wieder. Wenn sie einen Vorteil dadurch erlangen können, werden sie damit fortfahren, ohne auf die Folgen zu achten. Sie müssen einen Gedankenprozess in Gang setzen, bevor es zu spät ist.

Wenn Sie am Arbeitsplatz auf Geheimnisse stoßen, müssen Sie in Erfahrung bringen, wie weit die Organisation bereits einem institutionellen Verfolgungswahn verfallen ist, ohne dass Sie selbst als Feind oder Aufrührer gebrandmarkt werden. Wenn die Dinge allzu schlecht stehen, können Sie vielleicht zu der treibenden Kraft werden, welche die Dinge in die entgegengesetzte Richtung anschiebt. Hier zwei einfache Ideen:
Fragen Sie: "Ist das ein Geheimnis?"
Man ahnt ja nicht, wie viele Führungskräfte sich nicht der Tatsache bewusst sind, dass Nichterwähnen das Gleiche ist wie Geheimniskrämerei. Das mag albern klingen, aber wir alle betrügen uns ständig selbst mit dieser Art von Semantik. Indem Sie fragen, ob eine bestimmte Information geheim ist, regen Sie bewusste Entscheidungen statt bloßer Reflexe an. Es ist viel leichter, etwas quasi versehentlich geheim zu halten, wenn man nicht eingestehen muss, dass es sich um Geheimnis handelt.
Wenn es ein Geheimnis ist, fragen Sie warum
Diese Frage kann zu Gedanken über die Auswirkungen von Geheimniskrämerei anregen, weshalb beispielsweise Menschen, die angeblich zum Team gehören, wie Feinde behandelt werden. Das kann nicht schaden, ganz im Gegenteil. Die jeweilige Antwort könnte Ihnen auch eine Vorstellung darüber vermitteln, wie weit Ihr Unternehmen bereits in den Teufelskreis von Geheimhaltung und Misstrauen verwickelt ist. Wie in allen Überlebensszenarien gilt auch hier: Gefahr erkannt - Gefahr gebannt.

Albert J. Bernstein, PhD, ist selbstständiger Psychologe, Bestsellerautor und Experte im Bereich der Konfliktlösung.

Mehr Infos: www.redline-verlag.de

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von fem.com: www.facebook.com/femcom

Geheimnisse im Berufsleben

In Ihrer Firma gibt's Geheimniskrämerei? Ein Psychologe sagt, wie man als Angestellter am besten damit umgeht.

 

Weitere Artikel

article
13299
Job-Beratung: Betriebsgeheimnis
Geheimniskrämerei!
In fast jedem Betrieb gibt es Geheimnisse. Wenn die Geheimniskrämerei allerdings überhand nimmt, sollten Sie darauf reagieren. Ein Psychologe gibt Ti...
http://www.fem.com/lifestyle/artikel/job-beratung-betriebsgeheimnis-geheimniskraemerei
17.05.2010 11:50
http://www.fem.com/var/fem/storage/images/private/job-beratung-betriebsgeheimnis-geheimniskraemerei/208758-1-ger-DE/job-beratung-betriebsgeheimnis-geheimniskraemerei_contentgrid.jpg
Lifestyle

Kommentare