Javier Bardem zu "Eat Pray Love" – "Man ist nie zu alt für eine Krise"

Donnerstag, 23.09.2010

Javier Bardem spricht im Interview über Romantik, das Paradies und den Kampf mit sich selbst.

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Javier Bardem ist bekannt für seine Rollen als Bösewicht. Doch in "Eat Pray Love" darf er seine romantische und witzige Seite zeigen. fem.com führte mit dem sympathischen Schauspieler ein Gespräch über Vergebung, die Zusammenarbeit mit Julia Roberts und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen.

Haben Sie viel mit Felipe, den Sie in "Eat Pray Love" spielen, gemeinsam?
Felipe und ich sind uns nicht sehr ähnlich. Er fährt Auto und ich nicht, da fängt es schon an (lacht). Nein, im Ernst, wenn ich Felipe spiele, ist da etwas in ihm, das ich gerne übernehmen würde. Ich denke, es ist seine Art zu vergeben. Er ist im Reinen mit sich selbst und dem, was er ist. Er versucht nicht, jemand anders zu sein, für niemanden. Manche Menschen würden das egoistisch nennen, aber ich denke nicht so; um jemanden etwas zu geben, muss man lernen, sich zu vergeben.
Er hat sich ein wenig isoliert, weil sein Herz gebrochen wurde und er den Glauben verloren hat…
Ja, und ich denke, den Glauben zu verlieren, ist das Schlimmste, was passieren kann. Ich meine, wenn man einmal den Glauben verloren hat, dann ist da nichts mehr, denn dann ist da keiner mehr, der für einen kämpft. Man muss aufstehen und weiterkämpfen. Der härteste Kampf ist der gegen den schlimmsten Gegner, sich selbst. Wenn man in den Spiegel schaut und sagt: Ich kann nicht mehr.

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Sind Sie genau so emotional und romantisch wie Felipe?
Ich muss es sein. Bezüglich der Romantik bin ich nicht sicher, aber ich muss emotional sein, ansonsten ist es unmöglich, ein Schauspieler zu sein. Wenn man Schauspieler sein möchte, muss man wirklich offen sein, um andere Emotionen aufnehmen zu können. Es ist nicht sehr schwer; wir alle schauspielern die ganze Zeit. Der schwierige Part ist es, danach wieder zurück zu sich selbst zu finden, nachdem die anderen Emotionen in einem waren. Hier kommt der andere Part des Schauspielerns hinzu. Es ist wie Marlon Brando sagte: "Schauspielern ist einfach. Jeder tut es, um täglich zu überleben.“ Wenn man nicht schauspielert in seinem Job, wird man gefeuert. Man sagt: "Ja, das finde ich super“ und in Wirklichkeit denkt man: "Das ist bescheuert“ Wir alle schauspielern. Nur wenn man immer wieder schauspielern muss, kommt der wirkliche Schauspieler ins Spiel und sagt: "Okay, ich mach es noch mal.“
Glauben Sie, dass jeder einmal eine Auszeit von Arbeit und Familie braucht?
Natürlich, obwohl ich sagen würde, dass das Paradies da ist, wo man es haben möchte. Was ich damit meine ist, wenn man den Dingen Bedeutung zuschreibt, die am wertvollsten sind, dann kann man das Paradies im nächsten Raum finden. Für mich ist es, von den Menschen umgeben zu sein, die ich liebe, Freunde, die ich habe, seit ich zwölf Jahre alt war. Es ist egal, was wir machen, ich möchte einfach mit ihnen zusammensein, lachen und Witze über uns selbst machen und so tun, als ob alles unwichtig ist. Aber dann, am nächsten Tag, muss man wieder zurück in die reale Welt. Aber das ist doch das Paradies, über sich selbst zu lachen, non-stop, oder?
Warum ist "Eat Pray Love" Ihrer Meinung nach so populär?
Ich denke, wir haben alle ähnliche Krisen wie Liz Gilbert. Man ist nie zu alt für eine Krise, oder? Ich denke, jedes Alter hat seine eigenen Krisen und wenn ich sehe, was ich tat, als ich 20 war, dann denke ich: "Oh mein Gott, habe ich das wirklich getan?“ Aber später gewinnt es an Bedeutung, es war wichtig für mich, es zu tun, um etwas zu lernen. Ich denke, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Besitz nicht genug ist und wir manchmal zurück zu unseren Wurzeln müssen, um zu wissen, wie es ist, nichts zu haben, verloren zu gehen und mit den einfachen Sachen wieder in Kontakt zu kommen. Und die aller einfachste Sache sind wir selbst.
Sie reisten alleine, als Sie 20 waren, richtig?
Richtig, Ich plante den Trip über ein Jahr lang mit einem meiner besten Freunden und im allerletzten Augenblick, ich war schon am Flughafen, fertig, um an Bord zu gehen, war er nicht da. Ich rief ihn an und er sagte zu mir, er könnte nicht gehen, also ging ich alleine für zwei Monate in ein anderes Land. Es war furchteinflößend, alleine an einem Ort zu sein, wo man die Sprache nicht spricht, aber ich liebte es. Es war wunderschön und seitdem komme ich immer wieder zurück nach Brasilien. Und das ist auch einer der Gründe, warum ich "Eat Pray Love" gemacht habe: Um ein Brasilianer für einen Monat zu sein, ich meine nur für einen Monat, … um das Glück zu haben!
Waren Sie nervös mit Julia Roberts zu arbeiten?
Als ich ankam waren alle müde, aber Julia war noch voller Energie. Ich dachte: "Wow, sie ist wie ein Fußball-Trainer“, immer hieß es "Come on, come on, come on!“ Und für mich war es sehr hilfreich, da ich der Neue war. Manchmal wird man dann eingeschüchtert, aber wenn man Julia trifft, ist es genau das Gegenteil. Es hieß einfach: "Willkommen, es ist wie es ist, alles ist einfach. Lass uns Spaß haben“. Und von da an war alles sehr einfach. Und was man nicht sieht, wenn man den Film schaut, ist eine Schauspielerin, die die Energie von 350 Leuten hoch hält. Wenn der Hauptdarsteller untergeht, dann gibt es keinen Film. Wenn du der Hauptdarsteller vor der Kamera bist, dann brauchst du Energie und du brauchst Glauben.
Ist Felipe der netteste Typ, den Sie je gespielt haben? Zumindest annähernd, oder?
Hah! (lacht) Ich denke, er ist einer der Gesündesten, den ich je gespielt habe. Er ist an einem Ort, wo er mit sich im Reinen ist, was gut ist, und nachdem ich Biutiful gemacht habe, brauchte ich einen Ort, wo es heller war und ich wollte leichter spielen und ich wollte einen Brasilianer spielen – sie sind nicht so ernst wie die Spanier, wie ich, sondern softer, mehr wie der Wind (lacht). Und ich mochte es, ich brauchte es nach Biutiful, also ja, es war sehr toll für mich, diesen Film zu machen.


Drehten Sie "Eat Pray Love", bevor Sie Biutiful gedreht haben?
Nein, es war danach. Es waren zwei komplett verschiedene Filme, aber "Eat Pray Love" nach Biutiful zu drehen, war eine tolle Erfahrung, weil ich mich von der Arbeit an Biutiful erholen wollte; wenn man fünf Monate damit verbringt einen Charakter wie meinen in Biutiful zu drehen, braucht man wirklich einen Ausbruch, ansonsten zieht es dich runter. Ich sagte: "Okay, genug, Stopp, lass uns woanders hingehen“, und ich ging nach Bali für "Eat Pray Love".
Wie unterschiedlich ist das Filmemachen in Europa und Hollywood?
Ein Unterschied ist das Geld, denke ich. Man kann sehen, da ist mehr Geld für die Größe der Wohnwagen und für das Catering! Amerikanisches Catering ist verrückt. Es passieren viele Dinge dort, aber am Ende ist das alles gleich für mich. Sie sagen "Action" und "Cut" und in dem Moment dazwischen sind es die gleichen Ängste, die gleichen Bedürfnisse, die gleichen Befürchtungen und die gleichen Zweifel. Wenn ich in Englisch arbeite, ist es aber anders, weil ich eine fremde Sprache sprechen muss, mit der ich mich nicht so wohl fühle, also werd ich (schlottert …). Man tanzt mit den Wörtern, ich würde aber sagen, es ist das Gleiche, wirklich.
Wenn Sie in Spanisch arbeiten, haben Sie dann immer noch Ängste?
Ja, verschiedene Ängste, es ist, als ob man aussuchen kann, wo man die Angst hinverfrachtet. Wenn die Sprache ein Problem wird, packst du die Angst dorthin, wenn da viele andere Ängste sind, aber wenn ich in meiner eigenen Sprache arbeite denke ich: "Okay, welche Angst soll ich mir jetzt aussuchen?“ (lacht). Aber ich denke, Angst lässt einen motiviert sein: Wenn man sie nicht fühlt, dann ist etwas falsch. Wenn du etwas tust, das du tun willst, und dich unsicher fühlst, dann hält dich das alarmiert, das hält dich aufmerksam, das lässt dich leben.
"Eat Pray Love" – mit Julia Roberts und Javier Bardem - Ab 23. September 2010 im Kino! Videos, Film-Infos, Sudoku- & Wörter-Puzzle-Game, u.v.m. unter www.eatpraylove-derfilm.de!

"Eat Pray Love": fem.com hat Javier Bardem zum Interview getroffen.

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23.09.2010 16:06
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