Interview mit Freida Pinto – "Ich sage viel zu oft, was ich denke"

Mittwoch, 17.08.2011

Freida Pinto ist wieder in aller Munde. Wir trafen die 26-jährige Inderin und sprachen mit ihr über Schönheit, Sport und Chanel.

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Seit ihrem Durchbruch mit "Slumdog Millionär" ist in Freida Pintos Leben nichts mehr so, wie es vorher war: Die 26-jährige Inderin zählt bereits zu den gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods. Kein Wunder, sie hat Talent - und den richtigen Look: Immer wieder ist sie auf der Liste der schönsten Frauen der Welt zu finden.
Im Sommer-Blockbuster "Planet der Affen: Prevolution" spielt Pinto nun an der Seite von James Franco eine Primatenforscherin, die sich als Gegnerin von Tierversuchen plötzlich dafür einsetzen muss, einen gewaltigen Aufstand der Affen mit humanen Mitteln niederzuschlagen.
Im New Yorker Luxushotel Ritz Carlton sprachen wir mit der Schönheit über ihr neues Leben, Momente der Ausgeglichenheit und wieso ihr Beruf als Schauspielerin erst den Anfang ihrer Zukunftsträume markiert.


Ms. Pinto, welche Haltung haben Sie gegenüber Tierversuchen?
Es ist ganz schön schwierig, eine richtige Position zu beziehen. Einerseits bin ich mir der Grausamkeiten bewusst, die solche Versuche mit sich bringen, andererseits muss ich daran denken, wie jemand aus meiner Familie schwer krank werden könnte und ihm niemand helfen kann, einfach weil die richtige Medikation fehlt. Man ist also zwischen Eigennutzen und rationalem Denken hin- und hergerissen.
Es gibt also keine Lösung?
Ich habe große Hoffnungen: So wie unser Film keine realen Affen mehr benutzen musste, um diesen Film zu drehen, wird sich hoffentlich auch die Wissenschaft in eine Richtung bewegen, die keine Tierversuche mehr voraussetzt.

>> From Runway to Red Carpet: Freida Pinto

Sie werben für die Kosmetikmarke L'Oreal. Haben Sie sich schlau gemacht, ob dort noch an Tieren getestet wird?
Natürlich. Sie haben sich kürzlich dagegen ausgesprochen und umgeschwenkt. Laut meiner Informationen markiert das Jahr 2012 das Ende all ihrer Tierversuche. Wenn dies wirklich stimmt, macht mich das sehr glücklich.

Sie scheinen sozial überhaupt sehr engagiert zu sein. Für die Stiftung von Steffi Graf und Andre Agassi setzen Sie sich zum Beispiel stark für benachteiligte Kinder ein. Woher kommt Ihr Engagement in so jungen Jahren?
Es ist wichtig für mich, ein Teil meines Glücks zurückgeben zu können. Mir ist in den letzten Jahren so viel Gutes widerfahren, dass ich nicht alles für mich selbst behalten möchte. Egoismus ist deplaziert, wenn ich mit meinen Mitteln in der Lage bin, einem Kind seinen großen Traum zu erfüllen.
Ist die Sensibilisierung für ein gemeinsames Miteinander Teil der indischen Mentalität?
Es ist hoffentlich allgemein ein Teil der menschlichen Psyche. Viele denken ja ähnlich wie ich, und die, die es noch nicht tun, sollten schleunigst etwas an ihrer Einstellung ändern. Wir können die Welt so zu einem besseren Ort machen.
Sie gehören inzwischen zu Hollywoods gefragtesten Schauspielerinnen. Da verwundert es schon, dass Sie immer noch in Mumbai wohnen und nicht in Los Angeles. Wieso eigentlich?
Weil dort mein Herz liegt. Ich bin temporär auch nach London gezogen und liebe diese Stadt – aber wenn ich eine Pause brauche, um meine Batterien wieder aufzuladen, ist Indien der Ort, der mir als erstes in den Sinn kommt.
Auch welche Reaktionen treffen Sie dort? Immerhin gehören Sie inzwischen zu den prominentesten Gesichtern des Landes.
Ich werde sehr warm empfangen. Aber ich glaube nicht, dass ich wirklich schon zu den bekanntesten Schauspielerinnen Indiens zähle. Dafür müsste ich erst einmal einen Bollywood-Film drehen. Aber es stimmt schon: Meine Rolle in "Slumdog Millionär" wird mich vermutlich immer begleiten. Aber darüber bin ich nun wirklich nicht traurig.
Man feiert Sie seitdem als Schönheit. Was tun Sie, um dem gerecht zu werden?
Ich trinke viel Wasser. Ich habe das große Glück, von Natur aus eine gute Haut zu besitzen und muss nicht allzu viel dafür tun. Wichtig ist in meinen Augen, mental gesund zu bleiben, denn Stress zeichnet sich immer am Körper ab.


Meditieren Sie?
Ich finde Meditation verdammt schwierig, weil meine Gedanken dabei immer abschweifen. Alleine bekomme ich das einfach nicht hin, aber wenn ich es gemeinsam mit einem indischen Guru mache, fällt es mir unter dessen Anweisungen schon sehr viel einfacher. Meine Form der täglichen Meditation ist das Musikhören. Das führt dazu, dass ich sehr viel weniger über die Dinge nachdenke und mich auch entspannen kann.
Machen Sie Sport?
Ja, Pilates. Auch das ist für mich eine Form von Meditation. Für heftige Workouts ist mein Körper einfach nicht gemacht. Aber Pilates hat all das, was man in meinen Augen braucht: Es kräftigt die Gelenke und sorgt so für eine extrem gute Körperhaltung.
Vor Ihrer Schauspielkarriere waren Sie Model. Sind Sie froh, diese Welt inzwischen hinter sich gelassen zu haben?
Ich habe diese Zeit auch genossen. Das Problem war nur, dass es mich auf Dauer nicht voll befriedigt hat, weil der Job einfach nicht dafür gemacht ist, sein Potential voll auszuschöpfen. Aber ich habe dadurch wertvolle Erfahrungen gewonnen.
In der Schauspiel-Welt genießen Sie dadurch einen Ruf als stilprägende Frau. Welche Designer verkörpern Ihr Wesen am besten?
Ich habe so viele Favoriten! Vor allem aber liebe ich Lanvin und Chanel. Vor allem mit Chanel habe ich ein ganz besonderes Verhältnis, weil die an mich glaubten, als mich noch gar niemand kannte. Es sorgte für einigen Rummel, als ich bei der Premiere von "Slumdog Millionär" in Toronto plötzlich in Chanel über den roten Teppich lief – und sich jeder fragte, wieso sie gerade mich unterstützen. Mich hat das damals sehr glücklich gemacht.
Seit dem Film sind Sie auch mit Ihrem Co-Star Dev Patel liiert. Gibt es Pläne, wieder gemeinsam vor der Kamera zu stehen?
Die Erwartungshaltung ist seit "Slumdog Millionär" so hoch, dass es wohl schwierig für uns wäre, dem mit einem neuen Film gerecht zu werden. Aber wenn das Projekt in eine völlig andere Richtung ginge, wäre es durchaus vorstellbar. Eine düstere Komödie etwa wäre sicherlich spannend, weil nur wenige wissen, wie komisch Dev eigentlich ist. Er schafft es, mich den ganzen Tag zum Lachen zu bringen. Auch das gehört übrigens zu den Schönheitsgeheimnissen: viel lachen!
Wie kommen Sie mit dem wachsenden Interesse an Ihrem Privatleben zurecht?
Ach, in dieser Hinsicht muss ich noch viel lernen. Ich sage viel zu oft, was ich wirklich denke. Manchmal ist es als Schauspielerin nämlich besser, einfach gar nichts zu sagen. Aber ich bin ja nicht die erste Frau, die damit klarkommen muss. Das war schon so, bevor ich in die Branche kam und es wird auch in Zukunft so sein. Die Tatsache, dass es nicht nur mir so geht, finde ich sehr beruhigend.
Wie wichtig war es für Sie, dass Sie mit Dev Patel jemanden an Ihrer Seite hatten, der den sagenhaften Hype um Ihre Person nach "Slumdog Millionär" ebenfalls mitfühlen konnte?
Dev war in diesem Moment mein großer Rückhalt. Er war der einzige, der meine Situation perfekt verstehen konnte – und umgekehrt. Und wenn es mir mal schlecht ging, wusste er genau, wie er mich wieder aufheitern konnte.
Sie scheinen allgemein aber eine sehr positiv denkende Person zu sein.
Ich höre aber öfter, dass ich traurige Augen habe! (lacht) Ich bin in der Tat sehr optimistisch, doch auch ich habe natürlich meine Tiefpunkte.
Wie sehen Sie Ihre Zukunft? Als Mutter, Ehefrau, Schauspielerin?
Es wird hoffentlich der Tag kommen, an dem ich alle drei Dinge zur selben Zeit sein kann. Ich habe das Gefühl, dass der Beruf einer Schauspielerin nur halb so schwierig ist wie der einer Mutter. Ich weiß nur noch nicht, wann ich bereit für diesen Schritt bin.
Das Interview führte Johannes Bonke

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17.08.2011 12:37
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