Hugh Jackman Exklusiv-Interview – "Meine Muskeln in der Duschszene sind echt"

Dienstag, 23.12.2008

Der "Sexiest Man Alive 2008" und "Australia"-Star Hugh Jackman hat sich mit fem.com-Autor Sven Schumann zum Exklusiv-Interview in Berlin getroffen.


Durch seine Performance als Werwolf in dem Megahit "X-Men" wurde Hugh Jackman zum internationalen Star. Seine Rolle in Baz Luhrmanns Liebesepos "Australia" soll diesen Status nun weiter festigen (Kinostart am 25. Dezember). fem.com wollte mehr wissen und traf den frisch gekürten "Sexiest Man Alive" im Berliner Nobelhotel Regent. Hugh Jackman über Australiens gestohlene Generation, seinen muskelbepackten Körper und die Frage, ob ihm seine Schönheit ab und zu zum Verhängnis wird.
Mr. Jackman, Sie überzeugten im Bühnen-Musical "The Boy from Oz" auf voller Linie. Hätten Sie denn in "Australia" nicht wenigstens ein bisschen singen können?
Hugh Jackman: Ein gestandener Mann wie mein Film-Charakter Drover trällert nun mal keine Lieder (lacht). Ich konnte es erst auch kaum glauben, dass ich in einem Baz Luhrmann-Film mitspielen werde, in dem nicht gesungen wird. Ich wollte schon immer in einem Musical-Film mitwirken, aber meine Figur in "Australia" kann ja nicht mal tanzen.
Wenigstens konnten Sie in "Australia" endlich mal Ihren heimischen Akzent präsentieren. Wie schwer ist es, immer wieder den Amerikaner zu mimen?
Jackman: Das ist kein Zuckerschlecken. Im Kindesalter fällt es einem noch leicht, sich an andere Akzente zu gewöhnen, aber als Erwachsener muss man konstant auf die Aussprache achten, um nicht unbewusst wieder in die alte Routine zu verfallen. Es ist fast so schwer, wie eine andere Sprache zu lernen. Für einen Schauspieler ist es sehr wichtig, dass er sich nicht zu stark auf seinen Text konzentrieren muss, damit er seine Aufmerksamkeit dem Spielen zuwenden kann. Aus diesem Grund habe ich lange mit einem hervorragenden Coach gearbeitet.
Der Film handelt von Australiens tragischem Phänomen der "gestohlenen Generation". Können Sie dies kurz erläutern?
Jackman: Die Leute glaubten früher daran, dass es der Menschheit schaden würde, wenn man verschiedene Rassen miteinander vermischt. In Australien wurden die Kinder, die sowohl ein weißes Elternteil, als auch eines vom Stamm der Ureinwohner besaßen, als "creamy" bezeichnet und ihren Eltern weggenommen, um sie in die westliche Welt einzubürgern. In Wirklichkeit wurden Sie aber einfach als Dienstboten für reichere Familien eingesetzt. Das Traurigste an der Geschichte ist, dass sich der Staat erst dieses Jahr offiziell für diese Grausamkeiten entschuldigt hat, obwohl die Gesetze bereits 1973 geändert wurden.
Wie weit verbreitet waren diese Methoden denn bei der Bevölkerung? Wann haben Sie das erste Mal davon gehört?
Jackman: Ich habe während meines Studiums das erste Mal von der gestohlenen Generation gehört und war total geschockt. Da ich aber auf einer politisch eher links ausgerichteten Universität war, dachte ich erst, dass diese Darstellungen vielleicht ein wenig überzogen waren. Je mehr ich mich aber damit beschäftigte, umso mehr realisierte ich, dass dies leider nicht der Fall war. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum dieses Thema während meiner gesamten Schulzeit nie angesprochen wurde.
Wann sind Sie das erste Mal wirklich mit den Uhreinwohnern Australiens in Kontakt getreten?
Jackman: Die Aborigines sind in Australien nicht so weit verbreitet wie etwa die Indianer in Amerika. Während meiner gesamten Schulzeit bin ich kein einziges Mal mit ihnen in Kontakt gekommen. Nachdem ich aber von der gestohlenen Generation erfahren habe, habe ich mich mit ein paar Kommilitonen ins Outback aufgemacht, um in einem Dorf der Ureinwohner ein Haus zu bauen. So habe ich mich das erste Mal mit Aborigines angefreundet. Danach hatte ich ein wesentlich besseres Verständnis für die grässlichen Umstände. Damit mein Sohn nicht genauso blind durchs Leben läuft, habe ich ihn während der Dreharbeiten zu "Australia" im Outback zur Schule geschickt.
Man sieht Sie im Film in allerhand heiklen Situationen. Wie viele der Stunts haben Sie wirklich selbst gemacht?
Jackman: So gut wie alle. Nur die Rodeo-Szene durfte ich nicht selbst drehen, da es sich dabei wirklich um ein wildes Pferd handelte und man sich sehr leicht schwer verletzen kann. Als ich herausfand, dass den Pferden an den Hoden gezogen wird, damit sie richtig aggressiv werden, war ich letzten Endes auch ganz froh darüber. Es kann sich schließlich jeder Mann vorstellen, wie unangenehm das sein muss. Die Pferde treten nicht aus, weil sie versuchen, den Reiter vom Rücken zu werfen, sondern weil ihnen gerade jemand in die Eier gezwickt hat.
Wie oft sind Sie bei den anderen Szenen vom Pferd gefallen?
Jackman: Ich bin mindestens ein Dutzend Mal heruntergefallen, aber in Australien gilt man ohnehin nicht als wirklicher Reiter, bis man zehn Mal von einem Pferd abgeworfen wurde. In Amerika geht das, glaube ich, schneller.
Apropos Unterschiede zwischen Amerika und Australien: Worin unterscheiden sich Ihre Dreherfahrungen in den beiden Ländern?
Jackman: In Australien herrscht am Set eine wesentlich familiärere Atmosphäre. Nicole Kidman und ich sind beide sehr bekannte Persönlichkeiten, doch in Australien werden wir trotzdem wie normale Menschen behandelt, was ich sehr schätze. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder am Set einen Teil dazu beiträgt, dass der Film letztendlich fertig wird. Natürlich ist der Regisseur der Anführer, aber warum ein Schauspieler wichtiger sein sollte als andere, ist mir unbegreiflich. In Australien werden Stars einfach nicht so vergöttert wie in den USA.
Sie wurden gerade vom amerikanischen People-Magazine zum "Sexiest Man Alive" gekürt.  Haben Sie ab und zu das Gefühl, dass Ihr Status als Sexsymbol manchen Rollen im Weg steht?

Jackman: Nein, nicht wirklich. Meine erste große Hollywood-Rolle erhielt ich in der gigantischen Comic-Verfilmung von "X-Men", womit ich nun wirklich nicht gerechnet hatte. Anfangs wurden mir dann viele Rollen angeboten, die mich stark an Wolverine aus "X-Men" erinnerten. Es hat eine Zeit gedauert, bis ich die Chance bekam, mich weiterzuentwickeln. In den letzten paar Jahren hat sich das aber gehörig geändert und ich hatte das Glück, mit Regiegrößen wie Christopher Nolan, Darren Aronofsky, Woody Allen und nun eben Baz Luhrmann zusammenzuarbeiten.
Während einer Duschszene in "Australia" sieht man Ihren durchtrainierten Körper im Detail. Wurden die Muskeln für diese Szene extra auf Ihren Rücken gemalt?

Jackman lachend: In dieser Szene wurde in der Tat viel Öl und Bräunungscreme verwendet. Wenn irgendjemand in der Nähe eine Zigarette geraucht hätte, wäre ich sofort in Flammen aufgegangen (lacht). Bei solchen Einstellungen wird natürlich spezielle Belichtung verwendet, die die Muskeln größer aussehen lassen, aber was man letztendlich sieht, ist selbstverständlich trotzdem mein Körper. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich für diese Rolle lieber ein bisschen schmaler gewesen, denn obwohl diese Kerle sehr stark waren, gab es damals nicht genug zu Essen, um so einen Körper zu bekommen. Da ich aber direkt im Anschluss anfing,  "Wolverine" zu drehen, musste ich aus gesundheitlichen Gründen bereits ein wenig muskulöser sein.
Sie sind nicht nur ein sehr erfolgreicher Schauspieler sondern auch zweifacher Vater. Haben Sie eine kleine Anekdote aus Ihrem Familienleben für uns?
Jackman: Wir spielen jeden Abend ein Spiel namens "Naked Time", bei dem meine Kinder Eva und Oscar sich für ein Bad fertigmachen. Um sie bei Laune zu halten, spiele ich während dieser Prozedur immer den albernen Besserwisser Bucky, der die Bälger in die Badewanne bringt. Wie Kinder so sind, hat Eva mich eines Tages anstatt Bucky Fucky genannt und wusste meiner Reaktion zu Folge sofort, dass es sich um einen lustigen Fehler handelte. Als wir also eines Tages im Park waren und ich sie dazu überreden wollte, nach Hause zu gehen, rief sie mir laut folgendes zu: "Papa, gehen wir jetzt nach Hause, weil bald Naked Time ist und du Fucky machst?" Jeder in diesem Park wusste, wer ich war - und mir war die ganze Geschichte natürlich extrem peinlich.


Mr. Jackman, danke für dieses Gespräch!



Interview: Sven Schumann


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