Hilfe, holt mich hier raus! – Alltagsfallen gekonnt meistern

Dienstag, 26.08.2008

Wer bringt es schon übers Herz, die anhängliche Partybekanntschaft einfach so stehen zu lassen? Elegante Lösungen für diese und andere Herausforderungen.

1. Das einschläfernde Partygespräch
Dieser Typ textet Sie nun schon seit einer geschlagenen Stunde zu und sie haben einfach keinen Bedarf an noch mehr Infos über das Laichverhalten seiner Goldfische? Denken Sie sich eine plausible Ausrede aus und machen Sie sich davon. Nach einer Stunde haben Sie ein gutes Recht dazu.
Mindestens sieben oder acht Minuten Konversation gehören zum guten Ton, auch wenn Sie Ihr Gegenüber schrecklich langweilt. Anschließend sind auch 08/15-Entschuldigen wie "Sorry, aber ich muss mir jetzt mal was zu trinken holen" oder "Mensch, ich glaube, die Tina ist ganz schön überfordert mit dem Sekteinschenken. Ich helfe ihr mal" völlig in Ordnung. Allerdings gehen Sie damit das Risiko ein, dass Ihr Gesprächspartner seine Chance wittert und einfach mitkommt.
Um das zu vermeiden, müssen Sie schon zu etwas perfideren Mitteln greifen. Bei der Clubparty könnten Sie zum Beispiel einfach in die Menge winken und sagen: "Oh, da drüben steht eine enge Freundin von mir, ich muss mal rüber". Noch besser: Schnappen Sie sich den nächstbesten Bekannten, stellen Sie ihn dem Langweiler vor, weisen Sie auf eine Gemeinsamkeit hin ("Der Tristan interessiert sich auch für Tiere") und sehen Sie zu, dass Sie Land gewinnen.

2. Das falsche Restaurant
Von Außen sah der Italiener so nett aus, und dann das. Sie haben sich bereits an einem Tisch niedergelassen, der Kellner hat Brot gebracht. Nun sitzen Sie vor der Speisekarte - und wollen nur noch weg. Gigantische Preise, rein gar nichts Vegetarisches im Angebot...
Jetzt einfach aufstehen und gehen? Wenn es sich nicht zufällig um das Restaurant Ihrer Cousine zweiten Grades handelt, dürfen Sie das ruhig tun. Allerdings nicht, ohne ein kleines Trinkgeld zu hinterlassen - zumindest dann, wenn Ihnen bereits Brot gereicht wurde.
Schaut der Kellner verdutzt, so erklären Sie sich. Selbstverständlich mit einem Lächeln auf dem Gesicht: "Vielen Dank, aber ich war auf der Suche nach einem vegetarischen Gericht." Niemand wird Ihnen Ihren etwas zu kurz geratenen Besuch übel nehmen. Es sei denn, der Kellner entpuppt sich als der neue Freund Ihrer Cousine zweiten Grades...

3. Der nervige Werbeanruf
Am besten zieht hier immer noch ein freundlich-bestimmtes "Danke, ich habe kein Interesse." Lässt sich der Anrufer nicht abwimmeln und unterbreitet Ihnen trotz Ihrer Absage konkrete Angebote, so sagen Sie nochmal in einem netten Tonfall "Nein, danke. Löschen Sie bitte meine Daten" und legen Sie auf.
Wichtig zu wissen: Mitarbeiter in Callcentern arbeiten meist mit einem Skript, auf dem sie Antworten auf die häufigsten Ausreden ihrer "Opfer" bereithalten. Versuchen Sie's mit einem lahmen "Das kann nur mein Freund entscheiden", so wird der Anrufer sofort nachhaken und fragen, wann Ihr Freund denn zu erreichen ist. Hmm, das wüssten Sie auch gern - nur leider haben Sie ihn schon vor zwei Jahren vor die Tür gesetzt.

4. Die knifflige Frage
Das Vorstellungsgespräch ist bisher gut gelaufen - warum muss diese blöde Personalfrau jetzt unbedingt Ihre Kenntnisse zum Netzwerkmanagement mit Objektmodellen testen? "Weiß ich nicht" geht auf keinen Fall. Schließlich würden Sie sich damit als komplette Blöfferin outen... Naja, man muss es ja nicht so direkt formulieren: "Das ist eine gute Frage. Ich werde darüber nachdenken und darauf zurückkommen." Klingt doch schon viel professioneller! Im besten Fall vergisst die Personalfrau Ihr Versprechen.
Das ist Ihnen zu unsicher? Kommunikationsprofis raten hier zu der so genannten "Kennedy-Strategie". Sagen Sie: "Das ist eine gute Frage, aber eine noch viel interessantere Frage ist..." und reden Sie über ein Thema, mit dem Sie sich bestens auskennen. Es muss sich dabei ja nicht gerade um die Farbe Ihres Lieblings-Lippenstiftes handeln.

5. Das unerwünschte Wiedersehen
Da wollten Sie nur mal kurz zum Supermarkt und plötzlich steht Enno vor Ihnen. Klar, Sie kennen Enno schon seit der Grundschule - waren aber nicht traurig, als sich Ihre Wege nach dem Abitur getrennt haben.
Lassen Sie sich auf keinen Fall auf eine Verabredung ein, wenn Sie weder Lust noch Zeit dafür haben. Auch, wenn es nett ist, bei der Begrüßung etwas Enthusiasmus zu zeigen: Ein freundliches "Schön dich zu sehen" ohne weitere Verbindlichkeiten reicht erstmal völlig aus.
Drängt Ihnen Enno ein Treffen auf und lässt sich auch von einem "Du, ich habe momentan wirklich kaum Zeit, mein Job hält mich total in Atem" abbringen, geben Sie zumindest Eckdaten vor, mit denen Sie leben können: Bestehen Sie auf einem Treffpunkt in der Nähe Ihrer Wohnung (kurze Anfahrt). Beteuern Sie, lediglich ein Stündchen Zeit zu haben. Sagen Sie vorab, auf welche Themen Sie überhaupt keine Lust haben ("Aber wir reden dann nicht den ganzen Abend über unsere ehemaligen Klassenkameraden, ja?").
Und dann? Gehen Sie zu dem vereinbarten Treffen. Im besten Fall ist aus "Enno, dem Streber" "Enno, der smarte Steuerberater" geworden, der Ihnen anbietet, ab sofort kostenlos Ihre Steuererklärung zu machen. Ist das Treffen der befürchtete Reinfall, sollten Sie sich auf keinen Fall verpflichtet fühlen, Enno jemals wiederzusehen.

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26.08.2008 12:02
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