Heike Martens vermittelt Affären – "Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht"

Donnerstag, 23.10.2008

Die Besitzerin einer Affärenagentur über Diskretion, Auswahlkriterien und Moralvorstellungen.

Früher gab's Heiratsvermittler, heute lernt man sich über Partnerbörsen im Internet kennen. Die Hamburgerin Heike Martens hat sich in diesem Segment auf eine ganz besondere Nische spezialisiert: Seit März 2006 betreibt sie die Online-Affärenagentur elbfreuden.de. Im Interview mit fem verrät Martens, wie sie anonym Affären vermittelt, was Freunde und Familie zu ihrem Job sagen und wie sie selbst zum Thema Fremdgehen steht.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Affärenagentur zu gründen?


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Heike Martens: Ich war gerade von Köln nach Hamburg gezogen und wollte den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Ideen gab es viele, aber irgendwie war ich nie wirklich überzeugt. Dann sah ich im Fernsehen einen Bericht über eine Seitensprungagentur. Total peinlich und auch der Internetauftritt der Agentur war eine Katastrophe - ich habe mich gefragt, wie die Frauen ins Boot bekommen. Und weil ich mich beruflich zuvor sechs Jahre lang mit dem Thema Kundenbeziehungs-Management beschäftigt hatte, dachte ich mir: "Heike, das kannst du besser!"
Was ist für Sie der Unterschied zwischen Affäre und Seitensprung?


Wir sprechen ganz klar Menschen an, die auf der Suche nach einer längeren erotischen Beziehung sind und nicht nur Ausschau nach dem Kick für eine Nacht halten.
Glauben Sie, dass für eine Affäre andere Eigenschaften wichtig sind, als wenn man online nach einem festen Partner sucht?
Auf jeden Fall! Bei uns reden Mann und Frau nicht um den heißen Brei herum - schließlich geht es um Sex und nicht um ein Date im klassischen Sinne. Die optischen Reize spielen da eine größere Rolle als Charakter oder Beruf. Wobei es unseren Kunden auch wichtig ist, dass sie sich außerhalb des Bettes gut verstehen - vielleicht will man ja mal zusammen essen gehen. Alter, Familienstand und Kinder spielen bei der Auswahl kaum eine Rolle.



Nach welchen Kriterien wählen Sie den passenden Affären-Partner aus?
Wir - zwei Männer und zwei Frauen - setzen uns alle zwei Wochen im Team zusammen und diskutieren, wer zu wem passen könnte. Das dauert meist ein paar Tage.



Wer sind Ihre Kunden?
Das Durchschnittsalter der registrierten Männer ist 40, das der Frauen 35. Unter den Männern gibt es viele Geschäftsleute, die ständig unterwegs sind und häufig in Hotels absteigen. 90 Prozent unserer Kundinnen und Kunden sind verheiratet oder leben in einer festen Beziehung.



Es heißt, absolute Diskretion sei bei elbfreuden.de Standard. Wie wird die gewährt?
Der Kunde kann sich völlig anonym mit einem Pseudonym auf unserer Homepage anmelden. Sogar die Bezahlung kann er per Baranweisung veranlassen. Es gab auch schon Leute, die mir das Geld im Umschlag geschickt haben. Entscheidet sich jemand für Lastschriftverfahren oder Überweisung, kann er zu 100 Prozent davon ausgehen, dass die Daten niemals nach außen gelangen werden - dafür stehe ich persönlich gerade. Auch meine Mitarbeiter haben sich selbstverständlich schriftlich dazu verpflichtet, Kundendaten nicht an Dritte weiterzugeben - aber wie gesagt, sensible Angaben liegen sowieso nicht vor.



Wie nehmen zwei vermittelte Kunden Kontakt auf?
Wenn wir der Meinung sind, dass zwei Menschen zusammenpassen könnten, dann schicken wir dem Mann - er ist der, der zahlt, Frauen können sich kostenlos vermittlen lassen - unsere Vorschläge. Er erhält eine Nachricht per Mail und kann sich das Kurzprofil der Dame anschauen. Wenn er sie kennenlernen möchte, klickt er auf den dafür vorgesehenen Button und erhält eine Nachricht mit den Zahlungsformalitäten. Wenn die Buchhaltung grünes Licht gibt, bekommt der Mann die E-Mail Adresse der Frau zugeschickt - und sie seine. Ob die Beiden sich mögen, sich jemals treffen werden oder eine Affäre anfangen, steht in den Sternen - das werden wir nie erfahren.



Gibt es witzige Anekdoten aus zweieinhalb Jahren Affärenagentur?
Es gäbe einige lustige Dinge zu berichten, aber da halten wir uns sehr zurück. Wir möchten nicht, dass sich ein Kunde wiedererkennt oder das Gefühl hat, wir machen uns über ihn lustig. Erzählen kann ich aber dies: Es gibt einige Kunden, die mein Foto auf der Homepage ganz ansprechend fanden und mich anschrieben, ob ich denn auch für eine Affäre zur Verfügung stehen würde...



Und, und wie stehen Sie persönlich zum Fremdgehen?
Ich würde niemals nie sagen, aber ich werde bald 41 Jahre alt und bin noch nie fremdgegangen. Ich lebe in einer festen Beziehung und habe einen Sohn.



Haben Sie manchmal ein schlechtes Gewissen wegen Ihres Berufs?
Nein, für mich ist das ein Geschäft. Ich stelle die Plattform zu Verfügung und mehr nicht. Wenn jemand in die Suchmaschine "Affäre" eingibt und bei elbfreuden.de landet, dann hat er sich doch gedanklich schon längst dafür entschieden, fremdzugehen.



Wie reagieren Menschen, wenn Sie von Ihrem Job erzählen?
Meist erzähle ich nur, dass ich eine "Partnervermittlung" habe. Freunde und Familie wissen natürlich, womit ich mich beschäftige. Die meisten Menschen gehen recht offen mit dem Thema um und finden es in der heutigen Zeit fast normal, dass es solche Agenturen gibt. Dann gibt's natürlich auch die Moralapostel. Aber mit denen braucht man gar nicht erst zu diskutieren - das bringt nichts. Als ich elbfreuden.de gründete, musste ich einige Freundschaften aufgeben. Interessanterweise haben sich ausschließlich solche Menschen über meine Idee aufgeregt, von denen ich wußte, dass sie selber schon mal eine Affäre hatten...

Mehr Infos: www.elbfreuden.de


Web-Tipp: Wo beginnt Untreue?
Gehört Sex dazu oder kann man auch auf anderer Ebene fremdgehen? Darüber haben Männer und Frauen verschiedene Ansichten. Lesen Sie mehr auf der fem-Partnerwebseite Liebe ART


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23.10.2008 11:13
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