Health-Food-Junkies – Neue Ess-Störung Orthorexie?

Mittwoch, 02.07.2008

Gwyneth Paltrow ernährt sich streng makrobiotisch - ist sie deswegen orthorektisch?


In den USA verhungerte sogar eine Frau, weil sie panische Angst vor fetten, schadstoffbelasteten und gentechnisch veränderten Lebensmitteln hatte. Wenn die gesunde Ernährung zur allgegenwärtigen Obsession wird, kann das tatsächlilch lebensbedrohlich werden. Viele sehen die Orthorexie als eine Vorstufe von Magersucht, andere erkennen die Esstörung als ernstzunehmende selbstständige Zwangserkrankung.
Das Thema "Gesunde Ernährung" ist ein modernes Sujet und wird in Zeitschriften, Fitnessclubs oder Fernsehserien vor allem der Frau von Welt mehr als genug eingetrichtert. Dass sich daraus eine krankhafte Esstörung entwickeln kann, bleibt für viele unverständlich: vegan, kalorienarm und bewusst zu essen klingt ja eher vernünftig. Gefährlich wird das gesunde Essen dann, wenn es zu Mangelerscheinungen und dem Abbruch von sozialen Kontakten kommt. Laut einer Studie neigen vorwiegend Frauen zwischen 20 und 40 Jahren dazu, alle "schlechten" Nahrungsmittel vom Teller zu verbannen. Die Betroffenen berechnen den Nährstoffgehalt der Lebensmittel, verfolgen akribisch ihre Herkunft und wägen mögliche Vor- und Nachteile ab.
Die Betroffenen der Orthorexie (griech.: orthos = richtig, orexis = Appetit) verlieren meist die Lust am Essen, weil in ihren Augen kaum ein Nahrungsmittel gesund genug ist. Starkes Untergewicht bleibt somit keine Seltenheit und kann in extremen Fällen auch zur Magersucht führen. Im Internet (www.orthorexia.com) kursiert ein alarmierender Bericht über mögliche Folgen der Orthorexie: Eine junge Frau aus Amerika ernährte sich über Jahre hinweg nur von rohem Obst und Gemüse und nahm drastisch ab. Sie starb schließlich an den Folgen ihres Untergewichts.
Ist die Orthorexie aber tatsächlich eine neue Krankheit? Da gilt zunächst einmal Entwarnung: Es gibt keine Zahlen, nicht einmal Schätzungen, wie viele Menschen betroffen sind. Bis heute ist die Orthorexie nicht im international gültigen Verzeichnis von Krankheiten (ICD) aufgeführt. Andreas Karwautz, Experte für Ernährungsstörungen an der Uniklinik Wien, sagt ganz klar: "Orthorexie ist keine Essstörung." Um eine Diagnose stellen zu können, müssten klare diagnostische Kriterien vorliegen. Die gibt es aber für die Orthorexie nicht. Und so lange Betroffene keinen Leidensdruck verspüren, gibt es keinen Grund für eine Behandlung.

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Neue Ess-Störung Orthorexie?
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