Haushalt: Männer verstehen – "Er hilft überhaupt nicht"

Mittwoch, 05.01.2011

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.
Thema heute:
"Er hilft nicht mehr im Haushalt"

Die Frage:
"Mein Mann und ich sind vor einem halben Jahr Eltern geworden und seitdem bin ich in Elternzeit. Vorher haben wir uns den Haushalt relativ gerecht aufgeteilt, seitdem mache ich natürlich mehr, weil ich ja sowieso den ganzen Tag bei unserer Tochter zuhause bin.

Das Problem: Mein Mann rührt seitdem keinen Finger mehr im Haushalt. Wenn er aus der Arbeit kommt, setzt er sich an den gedeckten Tisch und danach geht's vor den Fernseher, wenn er nicht mit Freunden verabredet ist.

So kommen wir natürlich auch nicht dazu, uns mal richtig zu unterhalten. Ich habe ihm schon gesagt, dass es auch anstrengend ist, sich um unserer Tochter zu kümmern, und dass ich mehr Unterstützung von ihm brauche, zum Beispiel beim Staubsaugen und Wäschewaschen, weil mich das echt anstrengt.

Aber da wurde er patzig und meinte, ich hätte ja wohl auch ein bisschen mehr Zeit und er hätte schließlich einen krassen Job ...

Ich verstehe einfach nicht, was mit ihm los ist. Vor der Geburt unserer Kleinen war er anders. Können Sie mir helfen? Was kann ich tun? Mein Mann nimmt übrigens keine Elternzeit, weil sein Chef das nicht mitmachen würde." Christiane, 31

Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Christiane, Sie schildern eine Situation, wie sie ganz häufig bei Paaren vorkommt, die gerade Eltern geworden sind. Es gibt wohl wenige Einschnitte ins Beziehungsleben mit ähnlicher Tragweite wie die Geburt eines gemeinsamen Kindes.

An Sie als junge Eltern werden große Anforderungen gestellt: Jeder muss sich neu positionieren und mit seiner zusätzlichen Rolle anfreunden.

Neben aller Freude über das Kind - die Gefahr, dass die Partnerschaft zu kurz kommt, ist groß. Erschwerend kann hinzukommen, dass unterschiedliche Auffassungen über die Aufgabenverteilung bestehen - häufig mit ausgelöst durch die frühere Rollenverteilung bei den eigenen Eltern (die Frau kümmert sich um die Kinder, der Mann verdient das Geld).

Kurz gesagt: Bei allem Glück und aller Freude ist die Beziehung vielen Einflüssen ausgesetzt, jeder hat seine Vorstellungen, Rollen müssen gefunden und akzeptiert werden und die Nächte können mühsam werden.

Umso wichtiger ist, dass Sie gerade in dieser sensiblen Phase miteinander sprechen. Sie sollten klären, wer von Ihnen welche Vorstellungen hat.  Was erwarten Sie von Ihrem Mann, was erwartet Ihr Mann von Ihnen? Männern ist oftmals nicht klar, dass auch der Alltag mit einem Kleinkind ein 'krasser Job' sein kann.

In Ihrem Fall könnte es hilfreich sein, dass Ihr Mann mal einen kompletten Tag mit der Tochter verbringt - das könnte die Augen öffnen und zu mehr Verständnis führen. Ich wünsche Ihnen alles Gute." Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.

Die Männer-Antwort:
"Liebe Christiane, das klingt fast so, als hätte sich Ihr Traummann über Nacht zum Pascha verwandelt. Im Grunde haben Sie schon getan, was ich Ihnen raten würde: mit Ihrem Mann gesprochen.

Nun weiß ich nicht, wo er arbeitet und wie anstrengend sein Job tatsächlich ist. Ganz sicher aber ist Ihr Job mindestens genauso 'krass'.

Vielleicht sollte Ihr Partner einfach mal am Wochenende Ihre Aufgaben übernehmen, um zu erfahren, was Sie tagsüber so leisten. So kann er erkennen, für was Ihre Zeit draufgeht und wie nervenaufreibend einer Ihrer Arbeitstage in der Regel ist. Machen Sie ihm auf jeden Fall klar, dass Sie die Arbeit im Haushalt nicht allein schaffen können.

Hoffentlich zeigt er sich einsichtig: Wenn es geht, sollten Sie sich darauf einigen, nur am Wochenende groß sauberzumachen und die Arbeiten dann fair unter sich aufzuteilen. So bleibt Ihnen beiden genug Zeit, die sie mit Ihrer Tochter verbringen können.

Und sollte all das nicht helfen, schalten Sie seine Mutter und Schwiegermutter mit ein - gemeinsam werden Sie ihn sehr schnell zur Vernunft bringen." Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Foto: Miss X / photocase.com

Haushalt in Elternzeit

Seit die 31-jährige Christiane in Elternzeit ist, rührt ihr Mann keinen Finger mehr im Haushalt. Was kann sie tun, damit er sie mehr unterstützt?

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