Geldprobleme: Männer verstehen – "Er schmeißt Geld raus"

Mittwoch, 27.10.2010

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.
Thema heute:
"Er schmeißt unser Geld raus"
Die Frage:
"Mein Mann scheint gerade in der Midlife-Crisis zu sein und schmeißt unser Geld zum Fenster hinaus. Vor wenigen Wochen stand er mit einem neuen Sportwagen vor der Tür, für den er mal eben einen Kredit aufgenommen hatte. Ohne davor mit mir darüber zu sprechen!

Natürlich weiß er, dass ich dem Kauf nie zugestimmt hätte. Wir haben drei Kinder im Schulalter und müssen wohl auf unseren diesjährigen Winterurlaub verzichten, weil einfach kein Geld mehr dafür da ist.

Vor dem Sportwagen hat sich mein Mann schon oft sehr teure Kleidung und Elektronik-Equipment gekauft. Auch da musste ich immer sehr schlucken, weil ich persönlich sehr aufs Geld achte. Aber ich verdiene in meinem Halbtagsjob natürlich auch nicht so viel wie er in seinem Full-Time-Job …
Auch sonst läuft es in unserer Partnerschaft gerade nicht so toll. Wir sehen uns wenig und kommen nicht oft dazu, in Ruhe miteinander zu reden, weil immer jede Menge los ist und die Kinder so viel Zeit einfordern. Einer Eheberatung würde mein Mann niemals zustimmen, so etwas findet er 'peinlich'. Ich bin echt verzweifelt und wäre sehr dankbar für ein paar Tipps!"  Renate, 43, per E-Mail

Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Renate, von Ihrer speziellen Situation mal ganz abgesehen, sorgt das Thema Geld in vielen Beziehungen für Zündstoff - und steht in der Rangliste der häufigsten Trennungsgründe ziemlich weit oben. Hauptgrund dafür ist, dass darüber einfach zu wenig geredet wird: Scheinbar passt für viele Menschen das rational-nüchterne Thema 'Geld' oftmals nicht in eine Partnerschaft - und wird eher gemieden.
Geld kann zudem mit vielen Gefühlen in Verbindung gebracht werden - auch mit Macht und Verantwortung. Ganz besonders in einer Partnerschaft und noch viel mehr, wie in Ihrem Fall, wenn gemeinsame Kinder mit im Spiel sind. Ihr Mann scheint sich, ohne Rücksicht auf Verluste und auf Kosten der restlichen Familie, mit seinem Konsumverhalten eine Ersatzbefriedung zu verschaffen - warum, vermag ich von hier nicht zu beurteilen.
Es ist unerheblich, wer wie viel verdient: Sie leben zusammen als Familie und das bedeutet, auch in finanziellen Angelegenheiten gemeinsam und verantwortlich zu handeln. Deshalb gibt es in meinen Augen nur eine Lösung: Ihr Mann sollte sich, am besten mit Hilfe von außen, darüber klar werden, was die Ursache für sein Verhalten ist und wo ihm auf anderem Gebiet eventuell etwas fehlt.

Ich empfehle Ihnen beiden ebenfalls eine Paar-Beratung, um Ihre Situation zu klären und herauszubekommen, welche tieferliegenden Ursachen die finanziellen Alleingänge Ihres Mannes haben.

Wenn Ihr Partner nicht bereit zu diesen Schritten ist, sollten Sie ihm zunächst deutlich machen, dass es Ihnen sehr ernst und wichtig ist - dann aber auch über mögliche Konsequenzen nachdenken und diese ansprechen. Ich wünsche Ihnen alles Gute."
Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.

Die Männer-Antwort:
"Liebe Renate, was Ihrem Mann sein Sportwagen ist, sollten Ihnen die 37 Paar Schuhe sein! Halten Sie sich nicht zurück, nur weil Ihr Mann über Ihre Verhältnisse lebt. Deshalb vorweg: Gönnen Sie sich auch mal etwas, Sie haben es sich mehr als verdient!
Denn: Sie schreiben mir, dass Sie 'nur' einen Halbtagsjob haben, ihr Mann aber einen Full-Time-Job. Nur, die übrige Zeit des Tages kümmern Sie sich um die Kinder und den Haushalt. Wenn, dann haben Sie einen Overfull-Time-Job und das sollte entsprechend gewürdigt werden. Dass Ihr Mann das meiste Geld nach Hause bringt, sollte dabei keine Rolle spielen.
Man spürt, dass Sie sehr wütend sind. Also bitte, stecken Sie die Wut nicht in einen Brief an uns, sondern lassen Sie Ihren Mann spüren, was in Ihnen vorgeht. Und natürlich haben Sie Recht: Sie scheinen die Finanzen viel besser im Blick zu haben als ihr Mann, der das Geld in vollen Zügen ausgibt. Rechnen Sie ihm vor, wieviel Geld er im Monat verpulvert und dass diese Summe in keinem Verhältnis zu den Einnahmen steht, für die er sorgt. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie deutlich mehr am Tag schuften müssen, als ihr Mann, der vermutlich im Bürostuhl sitzt und ab und an mal 'ja' oder 'nein' sagt.
Lassen Sie sich das nicht bieten, erklären Sie Ihrem Pseudo-Rockefeller, dass er dabei ist, die Familie arm zu machen. Nutzen Sie deutliche Worte und machen Sie Ihren Standpunkt klar, denn: Sie streiten für vier, Ihr Mann offensichtlich nur für sich und den kleinen imaginären Jungen, der er in ihm steckt.

Erklären Sie ihm auch, dass eine Eheberatung nicht nur sinnvoller wäre als so manches teure technische Highlight in Ihrer gemeinsamen Wohnung - sondern dass sie sicher auch angenehmer ist, als irgendwann Besuch von Peter Zwegat oder einem seiner Kollegen zu bekommen. Vielleicht wird er dann verstehen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und vor allem einen verständnisvollen Mann!" Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Foto: Miss X / photocase.com

Geldprobleme in der Partnerschaft

Die 43-jährige Renate ist wütend auf ihren Mann, weil der hohe Summen ausgibt, ohne sich mit ihr abzusprechen. Was kann sie tun?

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27.10.2010 13:54
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