Gebärdenkurse für Eltern und Kind – Babysprache ohne Worte

Sonntag, 14.09.2008

Das Baby verstehen, noch bevor es sprechen kann: Was unglaublich klingt, soll durch eine spezielle Gebärdensprache möglich sein.

Das erste Wort ihres Kindes sehnen Eltern herbei. Vielen kann es gar nicht schnell genug gehen. Sie wollen so früh wie möglich mit ihrem Nachwuchs reden - und nun können sie es auch: mit einer Gebärdensprache speziell für Babys.

Neuer Trend in Deutschland

In Deutschland ist der Markt für die Babyzeichensprache noch jung. Der Trend schwappte aus den USA nach Europa. Hier machte sich Vivian König schnell einen Namen, die das Unternehmen "Zwergensprache" gründete. "Ich hatte das Glück meinen Sohn Maximilian 2003 in England zu bekommen", erzählt sie, "dort war diese Art der Gebärdensprache schon weiter fortgeschritten."

Vivian König brachte sie mit aufs Festland und unterrichtet nun Kinder und Eltern in verschiedenen Kursen und Workshops. Da sie auch Kursleiter ausbildet, kann die Zwergensprache mittlerweile in 80 deutschen, 16 schweizerischen und sechs österreichischen Städten gelernt werden.

Einfache Zeichen

"Mich hat fasziniert, wie genau, bewusst und mit wie wenig Quengeln sich Kinder durch Gesten ausdrücken können", erklärt König, warum sie die Zeichensprache auf Grundlage der deutschen Gebärdensprache entwickelt hat. Es sei ein schönes und befriedigendes Gefühl, wenn man wisse, nach was ein weinendes Kind verlangt - auch für die Kleinen selbst. Sie fühlten sich ernst genommen und hätten ein erstes Erfolgserlebnis, wenn sie merken, dass sie aktiv am Leben teilnehmen können und eine Reaktion auf ihr bewusstes Handeln erhalten.

Mütter und Väter wissen jetzt: Die Faust vorm Oberkörper wie beim Melken einer Kuh auf und zu zu machen heißt "ich will Milch". Auf einen Hund aufmerksam machen kann das Kind, indem es die Hände flach vor den Körper hält, so, wie wenn ein Vierbeiner Männchen macht. Das Zeichen für Essen: die Hand zum Mund führen. Das ist sehr einfach und realitätsnah. Und darauf hat König bei der Sprachentwicklung Wert gelegt.

Stress fehl am Platz

Die "Zwergensprachen"-Gründerin ist allerdings auch Kritik ausgesetzt. Einige Pädagogen vermuten zu viel Lerndruck und Zwang hinter den Kursen. Das weist König von sich. Stress sei bei ihr fehl am Platz. Sie wolle, dass sich Eltern mit ihrem Kind auseinandersetzen - einen neuen Zugang auf einer anderen Ebene finden. Der Nachwuchs soll sich verständigen können, auch außer Haus.

König nennt zusätzlich zu diesem Hauptziel einige positive Nebeneffekte: Sie bemerkte, dass sich durch die Verständigung in Gebärdensprache die Beziehung der Familie intensiviert und dass die verbale Sprachentwicklung vorangetrieben wird.

Wissenschaft gibt grünes Licht

Claudia Thoemer vom Institut für Entwicklungspsychologie an der Universität München warnt Eltern allerdings vor zu hohen Erwartungen: "Einige Anbieter für Babygebärdensprache versprechen zu viel." Dass sich beispielsweise die Beziehung verbessert, sei noch nicht wissenschaftlich bestätigt - dass sich die Sprache besser entwickele hingegen schon. Solange von den Müttern und Vätern also kein Druck aufgebaut wird, gibt die Wissenschaftlerin grünes Licht für das Gebärdenlernen.

Vivian König kündigt an: Momentan gebe es zwar erst eine Studie in den USA zu dem Thema, Deutschland ziehe aber nach. Vergangenen Herbst habe sie sich an einer wissenschaftlichen Befragung beteiligt. Eine Veröffentlichung sei noch in diesem Jahr geplant.

Jennifer Töpperwein

Mehr Infos:
www.zwergensprache.de
www.babysignal.de
www.babysigns.com

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14.09.2008 18:02
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