Fundstücke des Alltags – Das Leben der Anderen

Mittwoch, 17.12.2008

Achtlos liegengelassene Zettel und Fotos sind die Leidenschaft zweier Amerikaner, die das Sammeln dieser unterhaltsamen Fundstücke im großen Stil betreiben.
Alles fing mit einem Zettel an, der sich hinter den Scheibenwischer von Davy Rothbars Wagen verirrt hatte. "Mario ich hasse dich", stand darauf geschrieben, "du hast gesagt, du müsstest arbeiten. Warum steht dann dein Auto HIER vor IHREM Haus? Du bist ein Lügner. Ich hasse Dich, Amber" Davy war entzückt, und präsentierte den niedergeschriebenen Wutausbruch zunächst seinem besten Freund Jason Bitner und dann dem gesamten Freundeskreis. "Die Resonanz war großartig, und das beste war, dass jeder eine eigene Geschichte über ein ähnliches Fundstück zu erzählen hatte."


"Wattestäbchen, Sex und Verständnis"
"Es war sonnenklar, dass Jason und ich nicht die einzigen waren, die von diesen Dingen fasziniert sind", erzählt Davy, "und so beschlossen wir beide, das Magazin 'Found' zu gründen, in dem all diese achtlos weggeworfenen Schätze der Öffentlichkeit präsentiert werden." Auf der dazugehörigen Webseite www.foundmagazine.com machten sie ihre Idee publik und präsentierten die besten Fundstücke der stetig wachsenden Fangemeinde. Im Jahr 2001 erschien die erste Ausgabe des Found Magazine - randvoll mit Einkaufslisten, Notizen, Briefen, verblichenen Polaroids, die private bis intime Einblicke in das Leben unbekannter Menschen liefern: "Was ich brauche: Teppichreiniger, Nagelknipser, Wattestäbchen, Sex und Verständnis, Öl, Gemüse, Reis, Warzenentf. + Heftpflaster."
"Wir lieben Schweinkram"
Auch vor nicht jugendfreiem Material schrecken die beiden Sammler nicht zurück. "Wir lieben Schweinkram", gesteht Davy, "zunächst packten wir alles in einen dicken geheimen Ordner, den wir nur für unsere engen Freunde öffneten." Heute sind die anzüglichen Perlen in den Sonderausgaben "Dirty Found" zu bewundern.


Grenzüberschreitende Sammel-Leidenschaft
Dem enormen Erfolg des Magazins folgten vor zwei Jahren zwei "Found"- Bücher, das erste entpuppte sich als nationaler Bestseller und ist neuerdings unter dem Titel "Absender unbekannt" (Verlag Kein & Aber, 14,90 Euro) auch auf deutsch erhältlich. Mittlerweile erreichen Fundstücke aus aller Welt die Redaktion in der kleinen Stadt Ann Arbor, Michigan. Sie erzählen vom Kampf gegen Falschparker, Zank mit Nachbarn, von entzündeten Herzen und vom Ringen gegen die eigene Vergesslichkeit. Auch die hiesigen Breiten hat die Sammelleidenschaft erfasst. Auf www.absender-unbekannt.de veröffentlicht der Schweizer Verlag Kein & Aber die unterhaltsamsten Funde des deutschen Sprachraums.

     

>> Klicken Sie sich durch eine Auswahl deutscher und amerikanischer Zettelfunde in der Gallery.

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Fundstücke des Alltags
Das Leben der Anderen
Achtlos liegengelassene Zettel und Fotos sind die Leidenschaft zweier Amerikaner, die das Sammeln dieser unterhaltsamen Fundstücke im großen Stil bet...
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