Fünf Tipps vom Experten – Schöner streiten

Freitag, 05.09.2008

Wenn jede kleinste Meinungsverschiedenheit im Fiasko endet, ist es höchste Zeit, etwas zu ändern. Fünf Regeln, mit denen es sich als Paar konstruktiver streitet.


Wenn ein Paar oft streitet, lässt das nicht unbedingt darauf schließen, dass es große Beziehungsprobleme hat. Vielleicht sind beide einfach temperamentvoll und schlucken ihren Frust nicht stillschweigend herunter.

Beim Streiten kommt es sehr stark auf das "Wie" an. Wer es richtig macht, dessen Meinungsverschiedenheit kann man kaum als Streit bezeichnen. Eher als Diskussion. Dass es dabei heiß hergehen kann, ist allerdings nicht ausgeschlossen.

Fünf Tipps fürs richtige Streiten:

1. Schweigen = passives Streiten
Was zu lange verschwiegen wird, sammelt sich an. Ein Turm von stillen Anschuldigungen, gekränktem Stolz, verdrängtem Ärger, der immer höher wächst und irgendwann umfallen muss.

Es ist wissenschaftlich erwiesen: Paare, die Meinungsverschiedenheiten als natürlich akzeptieren, erholen sich leichter davon und finden schneller wieder zu einem harmonischen Miteinander, als solche, die Streits mit aller Kraft zu vermeiden versuchen. Das A und O ist, selbst im Eifer des Wortgefechts dem anderen weiterhin zu vermitteln: "Auch wenn wir gerade anderer Meinung sind, respektiere und schätze ich dich."
2. Die gängigsten Fehler vermeiden, die da wären

  • den Anderen zum Schweigen bringen (z. B., indem man mitten im Gespräch die Flucht ergreift)
  • Verallgemeinerungen (das verbotene Wort: "immer")
  • Anklagen, die Schuldgefühle erzeugen sollen ("Du gehst schon wieder in die Garage? Du liebst dein Auto mehr als mich!")
  • Hobby-Therapeut spielen und dem Partner eine problematische Störung attestieren ("Das liegt alles an deiner verkorksten Kindheit!")
  • Salz in die die wunden Punkte des Partners streuen (z. B. an Fehler der Vergangenheit erinnern)

3. Um was geht's wirklich?
Oft geht es bei einem Streit gar nicht so sehr um die Sache an sich. Dann liegt unter dem vordergründigen Stein des Anstoßes der wahre Grund begraben.

Ein Partner, die sich an einer Eigenschaft oder einem aktuellen Verhalten des Anderen stört, sollte die so genannte Sachebene von der Beziehungsebene unterscheiden. Um welche dieser Ebenen geht es mir gerade? Geht es tatsächlich darum, dass mein Partner den Müll mal wieder nicht herunter getragen hat? Oder sehe ich diesen Umstand nur als Symptom dafür, dass ich ihn allgemein für einen Versager halte? 

Meistens sind Sach- und Beziehungsebene verknüpft. Frustrierte suchen regelrecht nach einem Anlass, ihrem Ärger Luft zu machen. Dann ist es an der Zeit, nach den tieferen Gründen für die eigene Unzufriedenheit zu suchen. Und diese dann dem Partner mitteilen. Allerdings nicht in Form einer Schuldzuweisung - die würde den Anderen nur in eine lähmende Verteidigungshaltung zwingen. Sondern als Bekenntnis zu einem Gefühl: "Ich bin traurig, weil…" Im Anschluss bietet sich die Frage an: "Wie geht es eigentlich dir damit?"

4. Immer nur ich, ich, ich!
Jahrzehntelang hat man uns eingebläut, nicht immer von sich auszugehen, nicht immer nur an sich zu denken und von sich zu reden. Bei einem Streit allerdings ist genau dieser Ansatz das Richtige. Statt seine Wünsche in Form von Vorwürfen zu formulieren, sollte der Unzufriedene die Perspektive auf sich lenken, von seiner Befindlichkeit sprechen.

Ein Satz wie "Du bist immer so unaufmerksam" wirkt wie ein Vorwurf. Genau genommen vereint er sogar zwei Vorwürfe zu einem besonders schweren Geschütz, was dem Partner vor den Latz geknallt wird. Verallgemeinerungen wie "immer" sollten unterlassen werden, denn sie unterstreichen das Vorwurfsvolle der Aussage. Statt "Du bist immer so unaufmerksam" sollte man also sagen: "Als du heute Abend auf den Fernseher gestarrt hast, während ich mit dir reden wollte, habe ich mich unbeachtet gefühlt. Das hat mich traurig gemacht."

Hier ist sogar noch "Feintuning" möglich. Indem man beispielsweise hinzufügt, warum einen das Verhalten des Partners verstimmt hat: "Weil ich mich immer gleich viel besser fühle, wenn du mir zuhörst." Statt "Ich erwarte von dir" sollte der Appell als Wunsch formuliert werden: "Ich wünsche mir…" Was für einen Weihnachtswunsch gilt, gilt auch für alle anderen Wünsche: Sie werden erfüllt oder auch nicht. Das nimmt dem Anderen den Erwartungsdruck.
 
5. Wünsche in Geschenkpapier verpacken
Auch bei Kritik sollte die Wertschätzung, die man für seinen Partner hat, noch durchscheinen. Wer merkt "Mein Partner schätzt mich wert und ihm ist an der Beziehung gelegen", kann Kritik leichter annehmen. Betonen Sie das Positive! Keine leichte Aufgabe, wenn man gerade stinksauer ist. Der Trick ist, bei der Formulierung des Veränderungswunsches die Stärken des Partners zu loben - beziehungsweise sein Potential.

Einem zur Melancholie und Nachdenklichkeit neigenden Menschen könnte der Partner offenbaren: "Es tut mir unheimlich gut, wenn du so fröhlich bist wie gestern beim Picknick."

Einem eher introvertierten Partner könnte man sagen: "Du warst so charmant und witzig auf der Party am Samstag. Weißt du eigentlich, wie sexy und cool du in so einer Situation bist?"

Einem Spaßvogel, der ständig Scherzkekse zu knabbern scheint, könnte signalisiert werden: "Ich amüsiere mich über deine schrägen Ideen, aber weißt du eigentlich, dass ich deine ernsten Seiten auch sehr mag?"

Zu einem sonst eher zu Unterkühltheit neigendem Menschen könnte man sagen: "Es hat mir sehr gefallen, wie einfühlsam du mit Tante Hilde gesprochen hast, an dem Tag, als sie so aufgelöst war. Du hast ihr mit deinen Worten viel Kraft gegeben."

Michael Eichhammer
BUCHTIPP

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Diese und andere Tipps für ein harmonischeres Miteinander finden Sie in dem Buch "Der verletzte Mann. Was ihn kränkt, was ihn tröstet" (Heinrich Hugendubel Verlag, 16,95 Euro). Die Autoren Michael Eichhammer und Peter Thiel wenden sich mit handfesten Ratschlägen und einer Prise Humor an Frauen, die ihre Partner besser verstehen wollen – und natürlich auch an Männer, die sich selbst besser verstehen möchten.


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