"F**k It"-Retreats in Italien – Atmen, Fluchen, Loslassen

Samstag, 08.05.2010

In sogenannten "F**k It"-Retreats lehrt John C. Parkin den Weg zu mehr Glück und Gelassenheit. Im fem.com-Interview erklärt der Brite, was dahinter steckt.

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Vor acht Jahren kündigte der Brite John C. Parkin seinen gut bezahlten Job in der Werbebranche und eröffnete mit seiner Frau Gaia in den Hügeln der italienischen Region Marken das paradiesische Retreatcenter "The Hill that Breathes". In  einwöchigen "F**k It"- ["Scheiss' drauf"]-Seminaren unterrichtet er seither dort die Lebensphilosophie, mit der ihm gelang, das Leben im Hamsterrad zu verlassen, seine Träume zu verwirklichen, und seine körperlichen Beschwerden zu überwinden. fem.com traf ihn zum Interview und forschte nach, was sich hinter dem provokanten Titel versteckt ...

Was ist die Essenz des "F**k It"-Ansatzes?

Das Anerkennen der Tatsache, dass die meisten von uns das Leben viel zu Ernst nehmen, dass wir viel zu vielen Dingen viel zu viel Bedeutung beimessen. Das hilft uns dabei, uns zu entspannen. Sobald uns bewusst wird, dass die Dinge viel unwichtiger sind, als wir geglaubt haben, merken wir, dass wir gar nicht mehr so krampfhaft an ihnen festhalten wollen. Die Tendenz des Lockerlassens führt dazu, dass unser Leben wieder mehr in den Fluss kommt. Die Aussage "F**k It" [Scheiss' drauf] steht dafür, dass unsere Sorgen gar nicht so schlimm sind, und dass wir uns jederzeit mit dieser Einstellung von ihnen distanzieren können.
Woraus genau besteht das Programm des einwöchigen Retreats? Stimmt es, dass auch Baum-Boxen auf dem Stundenplan steht? Was ist der Sinn dahinter?  

Unser Hauptanliegen ist es, den Teilnehmern einen Weg zu mehr Freiheit in ihrem Leben aufzuzeigen. Wir führen ihnen vor Augen, dass die meisten von uns sich zu Gefangenen der Konzepte und Erwartungen anderer Menschen machen – die wir verinnerlicht, also zu unseren eigenen gemacht haben. Wir erkunden gemeinsam, was es bedeutet, uns selbst endlich aufmerksam zuzuhören. Und diesen Botschaften zu folgen. Hierzu nutzen wir verschiedene Praktiken, wie zum Beispiel Qi Gong oder Meditation. Ja, manchmal schlagen wir auch Bäume, um in Kontakt mit unserer kraftvollen Seite zu kommen. Außerdem lachen, dösen und tanzen wir eine Menge … bis auch der Letzte die kräftige Brise von Freiheit und Befreiung spürt, die über diese Hügel weht.
Sie haben sich rund 20 Jahre mit dem Studium verschiedener spiritueller Praktiken und Ansätze beschäftigt – wohin hat Ihre spirituelle Suche Sie zum Beispiel geführt? Welcher Wendepunkt führte zu der Offenbarung, dass Der F**k It – Ansatz der für Sie richtige ist?
Ich habe mich über alles danach gesehnt, mich entspannt und friedlich zu fühlen. Ich habe Tai Chi und Qigong praktiziert, Ausbildungen zum Hypnosetherapeuten und schamanischen Heiler absolviert. Ich habe Erfahrungen in verschiedensten Heiltechniken gesammelt, etwa solchen, die gezielt mit der Atmung arbeiten. Ich habe Reiki ausprobiert und Yoga praktiziert. Ich habe Taoismus, Buddhismus und Advaita studiert, und bin im Laufe dieser Erfahrungen auf viele effektive Techniken und Ideen gestoßen. Nur um dann zu erkennen, dass ich in Stress-Situationen mit der "F**k It" –Einstellung genau die gleiche Wirkung erzielte. Zum ersten Mal merkte ich das, als ich in einer Londoner U-Bahn saß und weinte – und mir dank der "F**k It"-Einstellung zum ersten Mal ganz bewusst war, dass mir dadurch ziemlich egal war, was die anderen Leute wohl von mir dachten. Ein Schlüsselmoment meiner persönlichen Befreiung.


Wie hat sich Ihr Leben seither verändert?

Ich bin auf jeden Fall gelassener: Ich sorge mich weniger und vertraue darauf, dass die Dinge sich so entwickeln, wie sie sollten. Das ist die Essenz. Seit ich diese Einstellung lebe habe ich vieles erfahren, was mich darin bestätigt: Ich habe einen tiefgreifenden Heilungsprozess auf physischer Ebene durchlebt, bin zu mehr materiellem Reichtum gekommen, und habe einen gewissen Grad an beruflichem Erfolg erlangt. Alles in allem habe ich auf einer tieferen Ebene gelernt, dass wir vollständig loslassen können, und das, was wir uns im Leben wünschen, erreichen können.
Wie haben Sie das Anwesen, das heute den Namen "The Hill that Breathes" trägt, gefunden? Wie kamen Sie auf den Namen?

Meine Frau und ich packten im Jahre 2002 unsere Sachen, und fuhren mit unseren damals ein Jahr alten Zwillingen in einem Campingbus und nach Italien. Wir gaben uns sechs Monate Zeit, einen geeigneten Ort zu finden, an dem wir uns niederlassen konnten. Innerhalb von zwei Tagen fanden wir diesen Hügel hier. Wir hatten im Vorhinein eine sehr klare Vorstellung davon gehabt, wonach wir suchten, und dieses Anwesen entsprach dieser Vorstellung nicht nur, es übertraf sie! Wir hatten ein Paradies gefunden. Wir tauften es "The Hill That Breathes", weil das Land hier mit Pinienbäumen überzogen ist, die mehr "atmen", als jeder andere Baum. Genauer gesagt: Sie produzieren mehr Sauerstoff und "Chi" [Lebenskraft] als jeder andere Baum. Außerdem sind Atemtechniken integraler Bestandteil unserer Lehre, von daher fühlte sich dieser Name einfach stimmig an.
Was war die bahnbrechendste "F**k It-Situation" in Ihrem bisherigen Leben?

Vor sechs Jahren verabschiedete ich mich endgültig von der Überzeugung, dass ich nur dann vollständig glücklich sein konnte, wenn ich vollständig gesund bin. Ich sagte mir: "Scheiß' auf diesen ständigen Ehrgeiz, endlich geheilt zu sein." Sechs Monate später ging es mir besser, als in den gesamten vorherigen 20 Jahren.
Teilen Ihre Frau und Ihre Kinder Ihre Begeisterung für diese Lebensphilosophie?

Das "F**k It"-Konzept haben meine Frau Gaia und ich gemeinsam entwickelt. Es funktioniert für uns heute genauso gut wie vor sechs Jahren, als wir die Macht entdeckten, die darin verborgen liegt. Was unsere Kinder angeht: Sie waren sozusagen der Schlüssel der Idee: Kinder haben noch eine ganz natürliche "F**k It"-Grundeinstellung zum Leben – natürlich ohne dass sie darüber reflektieren, oder diskutieren.  Kinder machen einfach, wozu sie Lust haben, sie leben im Augenblick, sind in Verbindung mit ihren Gefühlen, nehmen die Dinge nicht so ernst, und es kümmert sie nicht sonderlich, was andere von ihnen halten. Kinder sind unsere Vorbilder. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unverfälschte Lebensenergie.
Was ist das Hauptproblem der Menschen, die Ihre Seminare besuchen?

Sie machen sich zu viele Gedanken.
Wenn Sie eine Sache in unserer Gesellschaft verändern könnten, was wäre das?

Alles ist genauso, wie es sein sollte.
Was ist die wichtigste Erkenntnis, die die Menschen während des Retreats haben?

Sie erinnern sich an ihre Träume, und sie realisieren, dass sie die freie Wahl haben, sie zu verfolgen und zu realisieren. Aber auch, dass sie glücklich sein können, indem sie still dasitzen und  einfach nur "sind".
In welchen Lebensbereichen nehmen die Teilnehmer nach ihrer Rückkehr die drastischsten Veränderungen vor?

Da gibt es wirklich dramatische Geschichten, die primär mit dem Arbeits- oder Beziehungsleben zu tun haben. Oft aber liegt die Veränderung erst einmal in einer Veränderung der grundsätzlichen Einstellung zum Leben, und damit einer Veränderung von Prioritäten und Herangehensweisen. Vielen Teilnehmern fällt es danach einfacher, entspannter und glücklicher zu leben.
Berichten Ihnen "Absolventen" manchmal ihre "Erfolgsgeschichten"?

Oh ja, viele. Eine Teilnehmerin erholte sich innerhalb dieser einen Woche vollständig von ihrer chronischen Erschöpfung; eine andere, die bis dato nur für ihren Job gelebt hatte, kündigte am Tag ihrer Rückkehr, um Südamerika zu bereisen. Natürlich gibt es auch die Geschichte der unterdrückten Ehefrau, die sich endlich von ihrem Mann trennte, oder die vom reichen Geizhals, der sich endlich einen Porsche gönnte.
Vor Kurzem haben Sie Pläne zu weiteren Workshops geäußert. Sie erwähnten "Fuck You", "Fuck You, Too", und "Can‘ t be Arsed" [Keinen Bock]-Workshops. Was ist aus diesen Ideen geworden?

Das habe ich im Scherz gesagt. Aber dass ich ein paar Ideen auf Lager habe stimmt – und auch, dass "umgangssprachliche" Ausdrucksweise darin eine gewisse Rolle spielt ...

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Weitere Informationen unter: www.thehillthatbreathes.com

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"F**k It"-Retreats in Italien - das steckt dahinter!

Einatmen, ausatmen, loslassen, loslegen. Während einer "F**k It"-Woche wird viel getanzt und geatmet - unter anderem im lauschig-luftigen "Dome".

 

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08.05.2010 17:00
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