Erotische Comics: Lost Girls – Sex im Wunderland

Donnerstag, 11.12.2008

Die Graphic Novel "Lost Girls" von Alan Moore und Melinda Gebbie ist Pornografie in Reinkultur. Doch sie hat mehr Tiefgang, als man vermuten würde.

Der preisgekrönte US-Comiczeichner Alan Moore hat in jahrelanger Feinarbeit eine dreiteilige Graphic Novel geschaffen, die es in sich hat. Das Meisterwerk "Lost Girls" - für das der heute 55-Jährige mit der Zeichnerin und Schriftstellerin Melinda Gebbie zusammenarbeitete, die er nach Abschluss des Projekts heiratete - ist ein künstlerischer Porno mit aufwändigen, bunten Bildern in Märchenoptik. Es handelt es sich hier um Erotik, an der sowohl Männer als auch Frauen Gefallen finden können. Die Handlung ist ebenfalls märchenhaft: Alice aus "Alice im Wunderland", Dorothy Gale aus "Der Zauberer von Oz" und Wendy Darling aus "Peter Pan" treffen sich als Erwachsene 1913 in einem österreichischen Hotel. Der Erste Weltkrieg wirft bereits seine Schatten voraus.

Sex-Spiele und Orgien im Hotel

Obwohl die drei Frauen sehr unterschiedlich sind, kommen sie sich immer näher und erzählen sich gegenseitig ihre erotischen Träume und Abenteuer. Diese Geschichten werden zu einer Stimulation für verschiedenste Sex-Spiele und Orgien, in die auch andere Gäste und Hotelangestellte einbezogen werden. Historische Ereignisse wie das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand werden ebenso in die Erzählung eingewoben wie pornografische Literatur und Kunst dieser Zeit. Jedes Kapitel präsentiert sich in dem Stil eines anderen Künstlers der Epoche: Oscar Wilde, Aubrey Beardsley, Alfons Mucha und Egon Schiele.
In den USA publizierte Moore Teile von "Lost Girls" bereits in den 1990er-Jahren - und sorgte für Kontroversen: So wurde er zum Beispiel beschimpft, die Unschuld von Peter Pan zu beschmutzen. Zu einer Zensur der Comics kam es jedoch nicht - und das, obwohl der Zeichner und sein Verleger fest damit gerechnet hatten.

Lost Girls: Pornografie oder Kunst?

Moore führt dies auf die Tatsache zurück, dass er sein Werk von Anfang an als "Pornografie" betitelte: "Hätten wir Lost Girls veröffentlicht und direkt gesagt 'Das ist ein Kunstwerk', hätten die Kritiker reflexartig erwidert 'Nein, ist es nicht. Das ist Pornografie!'. Da wir das Ganze aber von Anfang an als Pornografie bezeichnet haben, waren die Kritiker wohl überrumpelt und entgegneten stattdessen: 'Nein, das ist Kunst!'"

In Europa ist "Lost Girls" in diesem Jahr im Cross Cult-Verlag erschienen. Die dreiteilige Reihe kostet 75 Euro. Der Comic wurde bei amazon.com als eine der "10 besten Graphic Novels", von Village Voice als eines der "25 besten Bücher des Jahres" und von den Publishers Weekly als eine der "besten Graphic Novels des Jahres" ausgezeichnet.

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