E-Mail an Gott: dear-god.net – Beten 2.0

Montag, 17.11.2008

Haben Sie etwas zu beichten, ein Problem oder wollen Sie "dem da oben" einfach mal Danke sagen? Ein neues Internetprojekt präsentiert sich als direkter Draht zu Gott.
"Lieber Gott, heute möchte ich sterben", schreibt ein anonymer User von den Philippinen. Mehr nicht - keine Begründung, kein Hinweis darauf, ob er ernsthaft mit Selbstmordgedanken spielt oder nicht.
Über ein Dutzend Menschen haben den Satz kommentiert. Ein Mann, der sich Frank nennt, fragt: "Warum willst du das tun? Du wirst wiederkommen und von vorne beginnen müssen. Fang besser an zu leben. Dein Leben zu beenden wird deine Probleme nicht lösen." "Du solltest wissen: Egal, wie wolkig es am Himmel ist, die Sonne scheint immer. Warte einfach ab, bis die Wolken sich verzogen haben und du wirst wieder die Sonne spüren", rät eine Frau namens Monique.

Online-Gebet

Die gesamte Korrespondenz findet online statt. Auf einem Web-Portal, das seit Frühjahr 2008 online ist: www.dear-god.net. Schöpfer des ungewöhnlichen Projekts ist der Australier Bill Tikos. Der Enddreißiger aus Sydney bezeichnet sich sich zwar als gläubig, betont aber, dass er weder einer Kirche, noch einer anderen religiösen Vereinigung angehört. "Diese Webseite ist komplett unabhängig und nicht konfessionell. Wir sind keine religiöse oder spirituelle Organisation", heißt es auf der Page. dear-god.net soll ein globales Projekt sein, ein Portal, auf dem  Menschen aus der ganzen Welt ihre tiefsten Hoffnungen und Ängste äußern können - und zwar in Form von Gebeten.

Überkonfessionell und unkompliziert

"Es ist egal, an welche Version Gottes du glaubst ... Jesus, Allah, Buddha oder an eine spirituelle univerale Energie", schreibt Tikos. "Zu einer höheren Kraft zu beten, beruhigt und heilt - Menschen, die beten, sind gesünder, glücklicher und belastbarer."
Wer mitmachen möchte, kann seine persönlichen Worte an Gott anonym oder unter richtigem Namen per Online-Formular an die Betreiber der Seite mailen. Wenn möglich mit einem thematisch passenden Foto. Jedes Gebet wird von der Dear-God-Redaktion einer von 17 Kategorien zugeordnet, die von "Beichte" über "Humor" bis hin zu "Geld", "Liebe" und "Sex" reichen.

Probleme, Ängste, Wünsche

Ebenso vielfältig sind die Themen, mit denen sich die Gebete auseinandersetzen: Jim aus San Diego ist verheiratet, Papa von drei Kindern - und hat heimlich Sex mit Männern auf öffentlichen Toiletten. Cynthia verlor ein Kind und hatte zwei Fehlgeburten. Nun bittet sie Gott, ihr nicht auch noch das Baby in ihrem Bauch zu nehmen. Marcella aus Brasilien wünscht sich eine Arbeit für ihren Vater.
Die Webseite wird sehr gut angenommen, allein innerhalb der ersten Woche nach ihrem Launch schauten mehr als 63.000 User vorbei. Offenbar haben viele gläubige Menschen das Bedürfnis, ihre Gebete nicht nur im Stillen zu Hause oder in der Kirche zu sprechen, sondern sie auch anderen zugänglich zu machen. Oder sind es letztendlich die Ratschläge der zahlreichen Kommentatoren, von denen sich Dear-God-Besucher Hilfe versprechen?
Mehr Infos: www.dear-god.net
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Beten 2.0
Haben Sie etwas zu beichten, ein Problem oder wollen Sie "dem da oben" einfach mal Danke sagen? Ein neues Internetprojekt präsentiert sich...
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17.11.2008 14:23
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