Cyberchondrie, die neue Krankheit – Hypochonder im Internet

Samstag, 16.05.2009

Haben Sie schon mal Krankheits-Symptome gegoogelt? Falls ja, sind Sie in bester Gesellschaft - die Hälfte der Deutschen tut das. Aber Vorsicht: Es droht "Cyberchondrie".
Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Müdigkeit: Hinter solchen Symptomen kann ein harmloser Infekt stecken - aber theoretisch auch eine schlimme Krankheit wie Krebs.
Genau das ist das Problem der immer beliebter werdenden Eigen-Recherche nach gesundheitlichen Beschwerden im Internet: Es gibt Menschen, die die Suchergebnisse dermaßen verunsichern, dass sie sich nach dem Blick ins WWW sofort sterbenskrank wähnen. Experten sprechen in diesem Fall von "Cyberchondrie" oder "Google-Hypochondrie".

Laien sind schnell überfordert

Das Internet wird in medizinischen Fragen immer mehr zur Informationsquelle Nummer eins. Laut der Studie "E-Health Trends in Europe" beziehen bereits über die Hälfte der EU-Bürger medizinische Hinweise über Suchmaschinen. Kein Wunder: Das Netz macht nie Feierabend, ist schnell - und sehr ergiebig.
Allerdings kann die Internet-Recherche nach Krankheiten auch zu großen Verunsicherungen führen. Denn als Laie ist man mit der Vielzahl möglicher Diagnosen schnell überfordert. Hypochonder, die an einer übermäßigen Angst vor Krankheiten leiden, sind besonders gefährdet - sie gehen gern vom Schlimmsten aus.

Fachwissen hilft bei Einschätzung

"Die selbstständige Suche im Web nach einer möglichen Erklärung für Beschwerden kann bei Laien schnell zu Fehldiagnosen führen", meint auch Karin Koert-Lehmann von der Central Krankenversicherung. Der Internet-Nutzer finde etwa für das Stichwort "Kopfschmerz" neben Treffern wie "Migräneanfall" und "Stress" auch extrem beängstigende Ergebnisse wie "Hirnhautentzündung" oder gar "Hirntumor".
Nur Experten könnten die Flut an Ergebnissen im Netz fachgerecht einordnen. "Laien fehlt die medizinische Vorkenntnis", warnt Koert-Lehmann.

So vermeiden Sie Panik

Der Gang zum Arzt ist deshalb in den meisten Fällen sinnvoller als die Recherche im Internet. Wer sich dennoch gern vorher informiert, sollte beim Surfen ein paar Regeln beachten:

  • Der Austausch in Foren mit anderen Usern kann zwar hilfreich sein, man sollte aber von Einzelschicksalen nie auf sich selbst schließen: Jeder Krankheitsverlauf ist anders.
  • Bedenken Sie, dass eine Suchmaschine allein vielleicht nicht alle Informationen zu einem Thema bereithält. Nutzen Sie neben dem bekanntesten Anbieter Google auch andere wie Yahoo, Yasni oder MSN.
  • Achten Sie immer auf das Impressum, das auf jeder Internetseite vorhanden sein muss: Wer ist für die Inhalte verantwortlich? Stammen die Informationen von einem seriösen Absender, wie zum Beispiel einem wissenschaftlichen Institut, oder aus einer fragwürdigen Quelle (etwa von Privatpersonen oder Anbietern mit kommerziellen Interessen)?
  • Bei einer Erkältung können Sie sich ruhig im Internet über wirksame Hausmittel informieren. Halten die Symptome jedoch länger an, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.
  • Die endgültige Diagnose kann nur ein Mediziner stellen. Er kann Sie fachgerecht untersuchen und die Symptome richtig einordnen.
Schnell die Symptome in die Suchmaschine eingetippt - schon bekommt man eine Fülle an möglichen Krankheiten ausgespuckt. Praktisch - doch Experten warnen vor "Cyberchondrie".

Schnell die Symptome in die Suchmaschine eingetippt - schon bekommt man eine Fülle an möglichen Krankheiten ausgespuckt. Praktisch - doch Experten warnen vor "Cyberchondrie".

 

Weitere Artikel

article
10960
Cyberchondrie, die neue Krankheit
Hypochonder im Internet
Haben Sie schon mal Krankheits-Symptome gegoogelt? Falls ja, sind Sie in bester Gesellschaft - die Hälfte der Deutschen tut das. Aber Vorsicht: Es dr...
http://www.fem.com/lifestyle/artikel/cyberchondrie-die-neue-krankheit-hypochonder-im-internet
16.05.2009 14:14
http://www.fem.com/var/fem/storage/images/private/cyberchondrie-die-neue-krankheit-hypochonder-im-internet/149196-1-ger-DE/cyberchondrie-die-neue-krankheit-hypochonder-im-internet_contentgrid.jpg
Lifestyle

Kommentare