Club-Tipp: Berghain, Berlin – "Der beste Club der Welt"

Donnerstag, 08.04.2010

Außen pfui - innen hui: Das Berliner Berghain hält trotz wenig aparter Fassade seit Jahren die Stellung als angesagtester Elektro-Club der Nation.

Gut fünf Jahre ist der Club Berghain alt und schon jetzt legendär. Das hat verschiedene Gründe - einer davon ist mit Sicherheit die bange Frage, die sich jeder vor einem Berghain-Besuch stellen muss: Komme ich überhaupt rein?
Die Jungschriftstellerin Helene Hegemann sorgte zuletzt dafür, dass das Berghain in die Schlagzeilen geriet. In ihrem Debütroman "Axolotl Roadkill" erzählte sie von ausschweifenden Partynächten in dem Berliner Club. Dann stellte sich heraus, dass sie viele ihrer Passagen von dem Blogger Airen abgeschrieben hatte. Der Medienrummel kochte hoch, der Plagiatsvorwurf machte die Runde, letztendlich einigten sich Autorin und Blogger friedlich.

Hässlicher Betonklotz ist "Bester Club der Welt"

Die exzessiven Partys gibt es natürlich im Berghain, das ist bekannt. Aber die damals siebzehn Jahre alte Hegemann hätte sie mit Sicherheit nicht miterleben können: Neben der Feierkultur ist das Berghain - vergangenes Jahr vom britischen DJ Mag zum "Besten Club der Welt" gekürt - auch für seine strikte Türpolitik berühmt. Von außen sieht der Club unspektakulär aus: Groß und grau wie ein Betonklotz steht er in der Nähe des Ostbahnhofs unweit eines Bau- und Lebensmittelmarkts. Trotzdem: Am Wochenende sind die Schlangen vor dem ehemaligen Heizkraftwerk immer lang. Dass Feierwillige hier zwei Stunden anstehen, auch im bitterkalten Berliner Winter, ist normal. Wenn man Glück hat, dauert’s vielleicht auch nur eine halbe Stunde, bis man vor dem Eingang steht. Und dann muss man nochmal Glück haben.
Die Tür: Keine Diskussion, bitte!
Für viele endet der Abend bereits hier. Wer keinen Einlass bekommt, sollte nicht das Diskutieren anfangen, es ist zwecklos. Nach welchen Kriterien die Türsteher aussieben, ist nicht ganz klar. Angeblich sind größere Gruppen nicht gerne gesehen, genauso wenig wie zu junge Leute oder Schicki-Micki-Tussis. Letztere hätten wahrscheinlich ohnehin keinen Spaß im Berghain: In dem ganzen Club gibt es keinen einzigen Spiegel. Hier soll gefeiert werden, äußere Schönheit dabei keine Rolle spielen. Auch Foto- und Videoaufnahmen sind verboten. Oft wird im Zusammenhang mit dem Club der Satz zitiert: Was im Berghain passiert, bleibt auch im Berghain! Diese Mystifizierung ist Teil des Erfolgsrezepts. Der Club möchte aber auch die Privatsphäre seiner Gäste schützen - und seine eigene.


Darkroom- und Separée-Sex
Hat man die Türhürde genommen, muss man noch eine akribische Abtast-Prozedur über sich ergehen lassen, bevor man den Club von innen erleben kann. Mit dem Mainfloor Berghain, der Panoramabar und dem Lab.oratory gibt es drei Tanzbereiche, wobei letzterer meist nur für sehr freizügige, homosexuelle Motto-Partys geöffnet wird. Trotz der Größe des Clubs erinnert hier allerdings nichts an Großraumdisco. Dazu sind Licht, Interieur und Personal zu stilvoll ausgewählt. Wie man seine Nacht im Berghain verbringt, bleibt einem selbst überlassen. Heteros und Homos, die den berauschenden Kick oder auch das schnelle Abenteuer suchen, gibt es hier natürlich, sie gehören zur Clubatmosphäre dazu. Zu sexuellen Stelldicheins fordern die verschiedenen Separées oder auch der Darkroom ausdrücklich auf.
Im Electro-Himmel
Das Berghain ist aber auch einfach ein fantastischer Club für Kenner und Freunde der elektronischen Musik, so wie es die Besitzer sind - dafür sprechen die liebevoll ausgewählten Line-Ups. Bekannte Techno- und House-Größen finden sich da genauso wie Newcomer, die gerade dabei sind, sich einen Namen zu machen. Als einer der ersten größeren Clubs widmete das Berghain vor knapp zwei Jahren der minimalistisch-basslastigen Musikrichtung Dubstep eine eigene Partyreihe. Für viele Musikliebhaber gilt Dubstep produktionstechnisch und als Hörerlebenis als unglaublich kreativ und innovativ, den breiteren Geschmack trifft die Musikrichtung mit Sicherheit jedoch nicht. Dennoch, die "Sub:stance"-Reihe hat sich längst etabliert und ist regelmäßig sehr gut gefüllt. Qualität hat im Berghain Priorität. Das merkt man auch an der "Function One"-Anlage. Ihr Sound ist fantastisch und glasklar und entführt in eine Welt jenseits der Realität. Da kann man gar nicht anders als Tanzen, vielleicht bis zum nächsten Morgen, vielleicht aber auch länger.

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Weitere Informationen unter: www.berghain.com


Außen pfui - innen hui: Das Berliner Berghain hält trotz wenig aparter Fassade seit Jahren die Stellung als angesagtester Elektro-Club der Nation.

What happens in Berghain, stays in Berghain. Im Club Berghain ist fotografieren strengstens verboten. Deshalb kann man sich ruhig trauen, sich beim Abfeiern richtig daneben zu benehmen. Auf dem Dancefloor, im Darkroom, oder in den Separées.

 

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