Buchtipp: Aufstand der Rabenmütter – Raus aus der Gewissensfalle!

Mittwoch, 29.10.2008

Baby-Yoga, Early-Chinesisch, PEKiP - die Liste der Frühförder-Angebote für Kleinkinder ist lang. Eine Autorin fordert: Schluss mit der Mütterbeschäftigung!

"Deutschland ist kein kinderfeindliches Land - es leidet an Übermütterlichkeit", lautet eine der Kernthesen Jutta Hoffritz', Journalistin bei der Wochenzeitung "Die Zeit" und Mutter eines Sohnes und zweier Stieftöchter. In ihrem Buch "Aufstand der Rabenmütter" (Droemer Knaur, 8,95 Euro) plädiert Hoffritz gegen das deutsche Mutterideal der "Vollzeit-Glucke", die ihre Kinder von einer Aktivität zur nächsten schleppt und mit anderen Eltern Wettbewerbe um das am weitesten entwickelte Kind aufnimmt. Immer in der Angst, den neuesten Baby-Mode- oder Ernährungs-Trend zu verpassen, nicht pädagogisch genug zu handeln oder dem Kind trotz eines bereits vollen Terminkalenders nicht ausreichend Vorteile im späteren Leben zu verschaffen.

Erfahrungsbericht aus erster Hand
Hoffritz erlebte die "Mütterbeschäftigungsindustrie" am eigenen Leib, als sie vor drei Jahren Mutter wurde. Sie informierte sich - und stieß auf eine schier endlose Auswahl an Kursen zur Babyfrühförderung: Early-Englisch und -Chinesisch, PEKiP (das "Prager Eltern-Kind-Programm", mit dem vor allem die Kommunikation zwischen Säugling und Eltern gefördert werden soll), Massagen, Baby-Yoga, Säuglingsschwimmen, musikalische Früherziehung und viele mehr.

Aktive Vollzeitmamas

Hoffritz' Beobachtungen nach sind es meist Vollzeitmütter, die mit ihren Kindern entsprechende Angebote wahrnehmen. Frauen, die nach der Geburt schnell wieder ins Berufsleben einsteigen, schaffen es nämlich schon aus zeitlichen Gründen kaum, ihr Kind von A nach B zu karren und Stunden in tropisch beheizten Kursräumen mit Dutzenden von nackten Säuglingen und ihren schwitzenden Eltern zu verbringen. Doch wer sich gegen die neuesten Baby-Trends auflehnt und es wagt, sein Kind einfach Kind sein und obendrein noch fremdbetreuen zu lassen, steht hierzulande schnell unter dem Generalverdacht der Vernachlässigung.

Hemmt das Bild der Übermutter die Geburtenquote?
"Rabenmutter ist ein deutsches Wort", erklärt die Autorin bereits im ersten Kapitel - und weist darauf hin, dass in Ländern mit höheren Geburtenquoten wie Frankreich eher die Angst vor Überbemutterung denn vor Vernachlässigung existiert: Dort gilt es als normal, dass Mütter schon wenige Monate nach der Geburt wieder ihrem Beruf nachgehen und ihr Kind in eine Ganztagskrippe geben - nachweislich ohne Nachteile für den Nachwuchs.

Entspannt nein sagen
Und weil Hoffritz der Überzeugung ist, dass die hohen Ansprüche an Eltern und speziell Mütter hierzulande die Geburtenstatistik nicht gerade verbessern, ruft sie junge Frauen dazu auf, "aufzustehen, die Wahrheit auszusprechen und es ganz entspannt anders zu machen".
"Aufstand der Rabenmütter" ist ein leidenschaftlich geschriebenes, amüsantes und provokantes Buch, das einige Menschen verärgern, aber vielen Frauen aus der Seele sprechen wird. Denn fest steht: Ein Kind wird auch ohne Baby-Yoga glücklich. Wussten Sie eigentlich, dass Raben ganz besonders vorbildliche Vogelmütter sind?

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Zur Autorin
Jutta Hoffritz ist studierte Volkwirtin und gelernte Journalistin und arbeitet seit fast zehn Jahren für die Wochenzeitung "Die Zeit". Sie hat einen dreijährigen Sohn, zwei Stieftöchter und ist bekennende Rabenmutter (Foto: Die Zeit).

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