Brainfuck: Geschlechter-Rollen – Anne ist - der neue Mann

Montag, 09.03.2009

Frauen sind jetzt Männer und Männer Frauen. Nein, eigentlich sind die neuen Frauen jetzt die alten Männer und - der neue Mann ist die alte Frau.
Frauen und Männer gibt es also nicht mehr. Das ist erklärungsbedürftig und wohl die größte Geschlechterkrise seit der Rezession des Mannes. "Frauen sind die neuen Männer", singen die Prinzen auf ihrem letzten Album, "sie haben Geld und fahren schnelle Autos..." Weiter im Text: "Frauen haben keine Freude an der Monogamie und kommen auch im Bett zu früh."
Dass Frau so eine Art Mann geworden ist, ist keine Erfindung des Pop. Tatsächlich: Eigenschaften und Lebensweisen, die einst klar mit "männlich etikettiert wurden, treffen heute gleichermaßen auf Frauen zu.

Anne, der neue Mann

Mal sehen: Ich arbeite an einer Karriere und fahre einen Oldtimer, den ich liebe wie andere Frauen ihre Schuhe. Hierzulande könnte ich in den Krieg ziehen, darf ins Weltall fliegen und habe das Recht auf einen Orgasmus - egal wie früh. Ich könnte Bundeskanzlerin werden. Kurzum: Ich mache, was Männer schon die ganze Zeit tun. Als neue Frau kann ich auch Ernährerin einer Familie sein. So gesehen habe ich viel vom alten Mann.

Adam, die neue Frau

Der neue Mann dagegen ist weich und verständnisvoll. Ein richtiger Softie. Er schmiert sich Pflegeprodukte ins Gesicht und trägt, metrosexuell wie er ist, Handtaschen. Der neue Mann tritt beruflich zurück, um zu Hause bei den Kleinen zu bleiben. Er nimmt gerne Rücksicht auf die Karriere seiner Frau. Der neue Mann kann Hausmann sein ohne Komplexe zu bekommen. Er hat viel von der alten Frau, umsorgend wie sie eben war, bevor sie angeblich und rein sozio-kulturell zum Mann mutiert ist.

Geschlechter-Salat

Es wurde auch höchste Zeit. Wir haben lange genug Männlein und Weiblein akribisch voneinander getrennt. Wir haben ausreichend marode Klischee-Literatur wie "Warum Frauen nicht ... und Männer nicht..." oder das "Eva-Prinzip" gewälzt. Heute nähern sich Frauen und Männer eher an, als sich um jeden Preis voneinander zu unterscheiden.

Sicher, das gibt einen Geschlechter-Salat, den es erst zu verdauen gilt: Frauen marschieren in anthrazitfarbenen Business-Anzügen durch die Gänge der Bürotürme - wenn auch noch nicht durch die Vorstands-Etagen. Sie bedienen sich derselben Karriere-Mittel wie einst nur die Männer. Die Schürze umgebunden, rühren die jetzt auch mal mit der Rechten im Kochtopf, während im linken Arm das Neugeborenen schlummert.

Frau auf Jagd und Mann in der Höhle

Hinter dem Eindruck, dass Frauen die neuen Männer sind und Männer die neuen Frauen, steckt jedoch noch etwas anderes als Gleichberechtigung und Rollentausch: Es ist die Aufweichung der Klischees, die seit Anbeginn der Menschheit unsere Ideen von Geschlechtern prägen - und unsere Sexualität bestimmen.

Die Erotik-Bremse

Das Problem beginnt also erst nach Feierabend - nämlich dann, wenn sich die vom Tag in der Wildnis gestählte Frau an ihren häuslich wärmenden Mann kuschelt. Jetzt geht es nicht mehr um Gleichberechtigung, sondern um sexuelle Anziehung. Und da sollen Frauen bitte Frauen bleiben und  Männer unbedingt Männer.

Kein Wunder. Wir leben und paaren uns seit Tausenden von Jahren nach angelernten Kategorien, wie ein Mann oder eine Frau zu sein haben. Genau deshalb ist das Paar "Hausmann & Unternehmer-Amazone" auch noch eine Erotik-Bremse. Sowohl beim Mann als auch bei der Frau gibt es eine unsichtbare Grenze, wieviel an gegengeschlechtlichen Verhaltensmustern erträglich ist: eine Frau mit zu viel "Mann" drin und ein Mann mit zuviel "Frau" dran - im Bett sind beide echte Abturner.

Innovatives Klischeepaket

Aber auch aus dieser tiefen Krise wird sich die Zivilisation ihren Weg bahnen. Sicherlich nicht über Nacht. Schließlich gilt es, einen erheblichen Anteil der menschlichen Ideengeschichte hinter uns zu lassen. Im Idealfall gelingt es uns aber, ein Klischeepaket zu schnüren, das die steinzeitmäßigen Ideen von Unsexiness verabschiedet und neue, innovative Stereotypen auf den Markt bringt.

Dann finden wir ihn beim Stöbern im Kosmetikregal vielleicht genauso heiß wie beim Holzhacken. In jedem Fall steigen sie dann wieder, die Aktien der "neuen Frau" und des "neuen Mannes".

DIE AUTORIN VON BRAINFUCK:
Anne Probst ist ein mediales Multi-Talent. Sie arbeitet als Regisseurin, Fernsehkolumnistin und Autorin. Die studierte Philosophin hat lange in London gelebt und trägt nach eigenen Angaben ihr "Herz im Kopf". Klingt kompliziert? Ist es nicht: Annes journalistische Spezialgebiete sind Emo-Themen. "Eins plus eins ist nicht gleich zwei" sagt sie und geht dieser Ungleichung von Berufswegen auf den Grund. Wo sie ihr Wissen sammelt werden wir nie erfahren, dafür teilt sie ihre Erkenntnisse als Autorin mit fem.com.

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09.03.2009 17:00
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