Bildband: Malende Dichter – Wenn Worte nicht reichen...

Mittwoch, 04.02.2009

Pinsel statt Feder: Ein Bildband gewährt Einblicke in die oft unbekannte Passion zahlreicher weltbekannter Literaten.
"Nicht, dass ich mich für einen Maler hielte, aber das Malen ist wunderbar. Man hat nachher nicht, wie beim Schreiben, schwarze Finger, sondern rote und blaue" Hermann Hesse
1916 erlitt Hermann Hesse in der Folge traumatischer Kriegserlebnisse einen Nervenzusammenbruch und begab sich in therapeutische Behandlung. Sein Analytiker empfahl ihm, seine Träume bildlich darzustellen und weckte so die Passion des Schriftstellers für Aquarellmalerei. Im Laufe seines Lebens schuf Hesse über 3000 Bilder. Besonders angetan war er von Landschaftsmalerei mit leicht abstraktem Touch. Die Leidenschaft für Pinsel und Palette war mehr als schlichter Zeitvertreib:"... es ist so, dass ich längst nicht mehr leben würde, wenn nicht in der schwersten Zeit meines Lebens die ersten Malversuche mich getröstet und gerettet hätten", erklärte der Schriftsteller 1925 in einem Brief.
Friedrich Dürrenmatt: Fabelwesen statt Granny Smith
Nicht ganz so existentiell, aber nicht weniger leidenschaftlich gestaltete sich Friedrich Dürrenmatts Beziehung zur Malerei. Ehe er den Weg des Schriftstellers einschlug, bewarb er sich an der Berner Kunstakademie. Die Aufnahmekommission wies Dürrenmatt mit dem harschen Rat ab, er solle erstmal lernen, richtig Äpfel zu zeichnen. Der dachte gar nicht daran, sondern tauschte den Traum vom Kunststudium gegen ein ganz reales Literatur- und Philosophiestudium. Und malte einfach weiter - statt Äpfeln schmiss er expressive Fabelwesen aufs Papier. Oder an die Wände seiner Studentenunterkunft. Auch als erfolgreicher Schriftsteller griff er weiterhin zum Pinsel. Seine gemalten Werke beschrieb er als "Schlachtfelder, auf denen meine literarischen Kämpfe, Abenteuer, Experimente und Niederlagen stattfinden."

200 Werke abtrünniger Literaten
Hesse und Dürrenmatt waren nicht die einzigen abtrünnigen Literaten. Zahlreiche andere Wortkünstler wählten die bildende Kunst zur zweitliebsten Ausdrucksform. Ganze 115 malende Schriftsteller hat der amerikanische Ex-Anwalt Donald Friedman für seinen Bildband "Und ich mischte die Farben und vergaß die Welt - Malende Dichter" zusammengetragen. Dieser präsentiert rund 200 grafische Werke weltbekannter Autoren wie Aldous Huxley, Sylvia Plath und Franz Kafka und erzählt - sehr lesenswert - deren Weg und Beziehung zur künstlerischen Alternativ-Disziplin.

"Und ich mischte die Farben und vergaß die Welt - Malende Dichter" von Donald Friedman (Elisabeth Sandmann Verlag, 39,90 Euro). Erhältlich z. B. über Amazon.de.
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Bildband: Malende Dichter
Wenn Worte nicht reichen...
Pinsel statt Feder: Ein Bildband gewährt Einblicke in die oft unbekannte Passion zahlreicher weltbekannter Literaten.
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04.02.2009 11:23
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