Beuys-Ausstellung in Berlin – Revolution mit Filz und Fett

Dienstag, 07.10.2008

Er verarbeitete Filz, Fett und abgeschnittene Fußnägel, erklärte jeden Menschen zum Künstler und motivierte seine Studenten zu politischem Aktionismus. Eine umfangreiche Retrospektive versucht, das Gesamtwerk des Künstlers zu ergründen.
Über die Besucher seiner Ausstellungen sagte Joseph Beuys einst: "Viele schreiben mir, manche beschimpfen mich. Aber sie kommen immer wieder." Der Mann mit dem Filzhut revolutionierte mit Installationen, Aktionen und Objekten und dem Einsatz unkonventioneller Materialien wie Fett, Filz, Hasenkadavern oder abgeschnittenen Fußnägeln den traditionellen Kunstbegriff wie kein anderer. Er konfrontierte und provozierte seine Zeitgenossen mit Kunst, die in ihrer schlichten Direktheit häufig nicht als solche akzeptiert oder erkannt wurde. So fiel beispielsweise die "Fettecke", eine Installation aus fünf Kilo Butter, die 1982 Beuys in drei Metern Höhe seines Ateliers in der Düsseldorfer Kunstakademie anbrachte, nach vier Jahren einer übereifrigen Reinigungskraft zum Opfer. Das Land Nordrhein-Westfalen wurde in einem Prozess zu einer Schadensersatzzahlung von 40.000 DM verurteilt. Ihr tragisches Ende verhalf der Fettecke jedoch zu ungeahntem Ruhm. Bis heute gehört sie zu Beuys' berühmtesten Werken.
Die großflächige Empörung von damals ist verflogen, doch auch heute noch polarisieren seine Arbeiten, noch immer dienen sie als Inspiration. Noch immer geben sie dem Betrachter Rätsel auf - trotz, oder vielleicht gerade wegen kryptischer Erklärungen des Künstlers selbst wie "Eine Fettecke ist ja nicht deswegen gemacht, um einen Tisch mit Fett zu beschmieren, sondern (...) um als Fettecke im Gegensatz zu stehen zu anderen Prozessen, die ein solches plastisches, anfälliges Material macht, in Raum und Zeit (...)."
20 Jahre nach der letzten umfangreichen Beuys-Retrospektive in Deutschland wagt sich nun bis zum 25. Januar 09 die Ausstellung "Beuys. Die Revolution sind wir" im Berliner Museum für Gegenwart an die Untersuchung des Beuys'schen Gesamtwerks in seinen vielfältigen Formen. Anhand von insgesamt 270 Zeichnungen, Skulpturen, Objekten, Installationen, Filmen und Spracharbeit zeigt die Schau die Auseinandersetzung des Künstlers mit Themenfeldern wie Arbeit, Denken, Demokratie, Pädagogik, Wirtschaft, Geld und Christentum. Ergänzt wird die Ausstellung von einem 408-seitigen Begleitbuch mit Texten, zahlreichen Abbildungen und wissenschaftlichen Essays (erschienen im Steidl-Verlag, Göttingen).
Weitere Informationen:
www.beuysinberlin.org
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Beuys-Ausstellung in Berlin
Revolution mit Filz und Fett
Eine umfangreiche Retrospektive versucht, das Gesamtwerk des kontroversen Künstlers zu ergründen.
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07.10.2008 16:17
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