Beauty-Trends international – Mastkur & Gesichtsgürtel

Freitag, 27.02.2009

Begeben Sie sich mit fem.com auf die Reise und erfahren Sie, mit welchen Mitteln Frauen anderer Kulturkreise welchen Schönheitsidealen nacheifern.

Das Streben danach, einem Schönheitsideal zu entsprechen, ist in den meisten Kulturkreisen erkennbar, nur was darunter verstanden wird, und mit welchen Mitteln frau versucht, sich ihm anzunähern, unterscheidet sich mitunter sehr. Dass das, was wir hierzulande als attraktiv bewerten, kein unumstößliches Konzept ist, wird wohl besonders deutlich am Beispiel des westafrikanischen Landes Mauretanien. Schlank, blond und toplastig sind dort Eigenschaften, mit denen äußerliche Schönheit eher selten in Verbindung gebracht werden. In Mauretanien gilt die Devise: "The bigger the better". Ein Ideal, dass das Leben der Frauen allerdings in keinster Weise erleichtert.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde jedes dritte Mädchen bereits im Kindesalter zwangsgemästet. Obwohl diese Praktik inzwischen von Regierungsseiten offiziell missbilligt wird, und nach und nach an Popularität verliert, muss sich noch immer eines von zehn Mädchen drakonischen Mastkuren unterziehen lassen. Besonders in ländlichen Gegenden verbringen kleine Mädchen nicht selten täglich Stunden damit, sich gigantische Mengen an fetthaltiger Kamelmilch, Datteln und Couscous einzuverleiben. Dicke Fesseln, Arme und ein ausladendes Hinterteil gelten im Rahmen des traditionellen Schönheitsideals als die attraktivsten Körperpartien einer Frau. Auch Dehnungsstreifen oder eine Reihe an Scheidungen erhöhen die Chancen bei den Männern, gelten sie doch als Beleg dafür, wie gefragt eine Frau beim anderen Geschlecht ist.


Brasilien: Obsession Barbie-Ideal

Das diametral entgegengesetzte Schönheitsideal ist in Brasilien zu finden. Der perfekte Beachbody hat hier schon seit Längerem beachtlichen Stellenwert, inzwischen hat sich jedoch das Streben nach einem artifiziellen Barbie-Ideal mehr und mehr zur nationalen Obsession der weiblichen Bevölkerung entwickelt. Die Folgen: Das Durchschittsgewicht einer Brasilianerin liegt bei etwa 60 Kilo, in keinem Land der Welt ist der Konsum an Diätpillen so hoch wie hier. Was die Quote an plastischer Chirurgie anbelangt, liegt Brasilien weltweit auf dem zweiten Platz - hinter den USA. Die Fixierung auf ein Stringtanga-taugliches Hinterteil verlagert sich – ganz nach dem Vorbild des Spitzenreiters der Disziplin – mehr und mehr auf Brustvergrößerungen, weiß die BBC-Reporterin Ileana Rehavia, eine gebürtige Brasilianerin.

Was die Haartracht angeht, ist unter den überwiegend dunkelhaarigen Brasilianerinnen in wachsendem Maße blond und glatt gefragt. Unter großem Aufwand, und dem Einsatz eines wahren Arsenals an Chemikalien werden schwarzbraune Haare aufgehellt, und Naturkrausen geglättet. Der selbst auferlegte Druck ist so enorm, dass selbst Armut nicht daran hindert, den Drang nach optischer Perfektion zu vernachlässigen. Dass eine Frau annähernd die Hälfte ihres Einkommens in ihre Erscheinung investiert, ist keine Seltenheit. "Das Aussehen steht an erster Stelle", sagt Ileana, "selbst in den ärmsten Slums gibt es nicht weniger Schönheitssalons als in reicheren Gegenden."


Pfirsichhaut dank Rindersehnen und Gesichtspflege aus Vogelkot

In Japan gilt Essen als Weg zum optischen Optimum. Allerdings nicht, um die Körperformen zu beeinflussen, sondern vielmehr, um die Textur der Haut zu optimieren. "Helle, zarte Haut ist der Schlüssel zur Schönheit", sagt Miki Okae, eine der bekanntesten Beauty-Expertinnen des Landes. Während hierzulande Kollagen direkt in die Haut injiziert wird, favorisieren die Japanerinnen die Aufnahme über den Speiseplan. Kollagenreiche Ernährung – etwa der Verzehr von Rindersehnen - ist Teil des Schönheitsregimens vieler Frauen. Inzwischen sind künstlich mit Tierkollagen angereicherte Nahrungsmittel oder Tee der Renner in Japan. Und das, obwohl eine Wirkung bisher nicht nachgewiesen werden konnte.

Ein anderes – Jahrhunderte altes – japanisches Schönheitsrezept bedient sich einer noch weniger appetitlichen Zutat: Nachtigall-Kot. Dieser wird zu Pulver verarbeitet und anschließend, mit Seife vermischt, zur Gesichtsreinigung verwendet. Für den angestrebten Porzellan- Teint kommen in zunehmendem Maße Bleichcremes zum Einsatz, skurrile Erfindungen wie der "Face Slimming Belt" sollen gezielt das Gesicht verschlanken. Und während Haarglättung  in Brasilien noch eher ein neuer Trend ist, hat das Ausmerzen von Wellen und Naturkrausen in Japan schon lange Tradition. Tatsächlich wurde diese Art der Haarbehandlung in Japan erfunden und bedient sich seit jeher der Wirkung bestimmter Chemikalien und dem Einsatz von Glätteisen.


Iran: geschätzte 60 000 Nasen-OPs pro Jahr

Selbst im Iran, wo die meisten Frauen nur großflächig bedeckt das Haus verlassen, brummt das Geschäft mit der plastischen Chirurgie – allerdings mit einem anderen Fokus als in Brasilien. Geschätzte 60 000 Nasen-OPs werden hier jährlich vorgenommen.  Immerhin ist das Gesicht der einzige Teil des Körpers, der unverhüllt gezeigt werden darf. Die kostenintensiven Nasen-OPs gelten inzwischen so sehr als Statussymbol, dass die Nasenbandagen selbst noch dann getragen werden, wenn der Eingriff längst verheilt ist, und fast schon einen höheren Stellenwert erlangt haben, als die neugeformte Nase selbst. Den Aussagen von Apothekern zufolge kaufen und tragen mehr und mehr Frauen, die sich keine OP leisten können, wenigstens ersatzweise die Bandagen…

Spieglein, Spieglein... die Schönste im eigenen Land zu sein, bedeutet noch lange nicht, diesen Status auch in einem anderen Land für sich beanspruchen zu können.

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