111 Gründe, erwachsen zu werden – Nie wieder Schule!

Dienstag, 26.05.2009

Karsten Weyershausen hat Kindheit und Teenie-Zeit abgeschworen. In seinem Buch "111 Gründe, erwachsen zu werden" sagt er, warum. fem.com präsentiert exklusive Textauszüge. 

"Weil man nicht mehr zur Schule gehen will"
In meinen schlimmsten Alpträumen wandle ich auf der Suche nach meinem Klassenzimmer durch die langen Korridore meiner alten Grundschule. Nur ist das Schulgebäude verlassen. Bloß die Jacken der Schüler hängen an den Kleiderhaken. Dann, plötzlich, schrillt die Pausenglocke, und ich werde von einer aus dem Nichts auftauchenden riesigen Horde lärmender Schulkinder überrannt. Meist wache ich dann schweißgebadet auf. Das ist noch der angenehmste Traum in Sachen Schule. Heute kann ich mit Gewissheit sagen: Die Schule war ein einziger Betrug!

Enttäuschende Schultüte

Das fing schon mit der Schultüte an, die nur stinknormale Schokolade enthielt statt der ersehnten Actionfigur Big Jim. Zur Einschulung hörten wir ein Lied mit dem tiefsinnigen Refrain "Miehle, mahle, muhle, wir gehen jetzt zur Schule". Da ahnte ich bereits, dass nun schlechte Zeiten anbrachen…
So ging es munter weiter. Der Lehrkörper bestand entweder aus kauzigen Veteranen, die wahrscheinlich schon Hitler unterrichtet hatten, oder aus idealistischen Blumenkindern, die sich innerhalb eines Schuljahres in desillusionierte Zyniker verwandelten, die nur noch Dienst nach Vorschrift schoben. Oft lernten wir Dinge, von denen ich dachte, dass ich sie nie im Leben brauchen würde - und ich hatte recht!

Büffeln und schwänzen

Nicht nur, dass wir bei schönstem Sommerwetter in einem muffigen Klassenzimmer unserer besten Jahre beraubt wurden, wir mussten auch noch irrwitzige Theorien wie die Mengenlehre büffeln! Meine einzigen Waffen im Kampf gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit waren exzessives Schulschwänzen und die Simulation aller mir bekannten Kinderkrankheiten. In der Schule und im Krieg ist schließlich alles erlaubt.
Mein Sportlehrer war zum Beispiel früher Offizier bei der Bundeswehr und verhielt sich, als wäre der Sportplatz sein privater Truppenübungsplatz. Da ich schon früh überzeugter Pazifist war, schwänzte ich den Unterricht und ließ ihn ein ganzes Jahr ohne mich herumbrüllen.

Die Bronx der Kleinstadt

Es war jedoch nicht alles schlecht: Oft zeigte meine hübsche Englischlehrerin viel Bein, wenn sie mit ihrem Wickelrock auf dem Pult saß. Ein späterer Klassenlehrer holte dagegen seine Klampfe raus, wenn er von guter Laune überwältigt wurde. Er hatte schon ein schweres Leben, denn die Schule lag sozusagen in der Bronx meines verschlafenen Städtchens. Es gab Schüler, die durch die vielen Prügeleien auf dem Pausenhof bereits etwas langsam im Kopf waren. Deswegen trugen manche Lehrer ihre bloße Verachtung unverhohlen zur Schau. Wahrscheinlich sahen sie die meisten von uns ohnehin als Klebstoff schnüffelnde, transsexuelle Busfahrer enden.

Dummbatzen regieren

Meine Mitschüler waren leider auch nicht besser. Jeans von C&A oder ein uncooles Fahrrad genügten, um zur Persona non grata abgestempelt zu werden. "Die Unendlichkeit kann ganz schön lang sein, besonders gegen Ende hin", sagte Woody Allen einmal. Genauso fühlte sich meine Schulzeit an. Dann, ganz plötzlich, war sie vorbei, wie eine besonders hartnäckige Geschlechtskrankheit.
Was hatte ich in diesen Jahren gelernt? Dass aus netten Kindern langweilige Erwachsene werden. Die Bedeutung von Herdenmentalität, Intoleranz und Selbstverleugnung sowie die schlichte Erkenntnis, dass die größten Dummbatzen nicht nur den Schulhof regieren, sondern später auch die Erwachsenenwelt, …und wie man aus Sperrholz ein Vogelhäuschen baut.
Karsten Weyershausen

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In seinem Buch "111 Gründe, erwachsen zu werden" (Schwarzkopf &  Schwarzkopf, 9,90 Euro, bestellbar z.B. über www.amazon.de) schreibt der Autor, Cartoonist und Illustrator Karsten Weyershausen witzig und pointiert, warum er irgendwann der Kindheit abgeschworen hat.

Die Schulzeit war manchmal nur schwer zu ertragen - Karsten Weyershausen, Autor des Buches "111 Gründe, erwachsen zu werden", quälen noch heute Alpträume, die in der Schule spielen...

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26.05.2009 15:54
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