111 Gründe, erwachsen zu werden – Händchenhalten!

Samstag, 30.05.2009

Karsten Weyershausen hat der Kindheit abgeschworen. In seinem Buch "111 Gründe, erwachsen zu werden" sagt er, warum. fem.com präsentiert exklusive Auszüge.


"Weil Händchenhalten plötzlich wieder cool ist"

Zu den erfreulichsten Dingen, die man im Stadtpark zu sehen bekommt, gehören alte Paare, die Hand in Hand durchs Grüne schlendern. Es ist schön, die Verbundenheit zu sehen, die durch ein gemeinsames Leben geformt wurde.
Als Kind wäre es dagegen das absolute Todesurteil gewesen, händchenhaltend mit einem Mädchen erwischt zu werden. Mädchen waren schließlich doof. Damals fand ich Darth Vader weitaus anziehender als jedes weibliches Wesen. Mädchenspiele waren total langweilig und endeten meist mit Geheule, wie zum
Beispiel, als ich die Haare einer Barbie abfackelte. Dabei wollte ich nur sehen, ob sie brennen.

Feuchte Hände bei Ute

Die Einsicht, dass Mädchen doch ganz annehmbar waren, verdankte ich Ute, die eines Tages in unsere Nachbarschaft zog. Ute war witzig und sehr frech. Sehr, sehr frech sogar. Das mochte ich. Außerdem hatte sie rote Locken. Da wir den gleichen Schulweg hatten, holte ich sie jeden Morgen ab. War sie mal krank, kam mir der Weg doppelt so lang vor.

Ich erinnere mich noch, dass ausgerechnet sie neben mir stand, als wir uns bei einer Schulaufführung an den Händen fassen sollten. Plötzlich war ich so aufgeregt, dass ich ganz feuchte Handflächen bekam. Was konnte das nur sein? Ute jedenfalls schien es nicht zu stören.

Von den anderen ausgelacht

Danach hielt ich auf dem Schulweg öfter ihre Hand. Es gab jedoch ein paar Jungs in meiner Klasse, die uns auslachten, wenn sie uns so sahen. "Ihr armen Deppen!", dachte ich nur, während ich schnell meine Hand in die Hosentasche steckte.

Trotz solcher Vorfälle war die Zeit mit Ute wunderschön. Damals hatte ich von der Liebe nicht die geringste Ahnung. Doch das war nicht schlimm. Mir reichte es vollkommen, nur ihre Hand zu halten.

Händchenhalten gehört einfach dazu

Es gibt nichts Schöneres, als frisch verliebt und händchenhaltend durch die Stadt zu spazieren. Schließlich demonstriert man damit der ganzen Welt, dass man zusammengehört. Paare, die so etwas peinlich finden, habe ich nie verstanden. Wer wirklich verliebt ist, dem macht es nichts aus, sich ein wenig lächerlich zu machen. Gerade das gehört zur Liebe dazu. Auch dies ist eine der vielen schönen Seiten des Erwachsenwerdens. Und wenn es wirklich wahre Liebe ist, stört es nicht weiter, wenn einer von beiden feuchte Hände bekommt.

Karsten Weyershausen

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In seinem Buch "111 Gründe, erwachsen zu werden" (Schwarzkopf &  Schwarzkopf, 9,90 Euro, bestellbar z.B. über www.amazon.de) schreibt der Autor, Cartoonist und Illustrator Karsten Weyershausen witzig und pointiert, warum er irgendwann der Kindheit abgeschworen hat.

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