Weibliche Ejakulation
Lustvolle Flüssigkeit
Auf dem höchsten Punkt der Lust können auch Frauen ejakulieren. Dass diese Tatsache bis heute im Bewusstsein vieler nicht angekommen ist, hat verschiedene Gründe.
Schon der Naturphilosoph Aristoteles und der Mediziner Hippokrates hatten sie entdeckt: die weibliche Ejakulation. Trotzdem ist der spezielle Flüssigkeitsaustritt während des Liebesspiels bis heute nicht abschließend erforscht. Erst seit der Frauenbewegung in den 1970er-Jahren wird dem Phänomen wieder verstärkt wissenschaftlich nachgegangen. Zuvor wurde es fast 150 Jahre lang komplett ignoriert. Aus diesem Grund ist das Wissen um die weibliche Ejakulation bis heute nur eingeschränkt verbreitet und noch immer sind viele Fragen ungeklärt. Fest steht allerdings: Die weibliche Ejakulation, auch Squirting genannt, ist kein Mythos!
Die weibliche Ejakulation im Detail
Noch immer glauben viele Männer und Frauen, bei der weiblichen Ejakulation handle es sich lediglich um Urin. Eine solche Meinung verwundert nicht, denn lange Zeit war diese Interpretation des flüssigen Ausstoßes der Frau weithin anerkannt. Frauen, die von dem Phänomen berichteten, wurden sogar mit dem Verdacht auf Inkontinenz behandelt. Die Folge: Viele Betroffene schämen sich noch heute für ihren „Freudenfluss“ und versuchen womöglich, ihre sexuelle Lust zu unterdrücken, um den Erguss zu verhindern. Tatsächlich ist das weibliche Ejakulat aber dem Sekret der männlichen Prostata, das Teil der männlichen Spermaflüssigkeit ist, sehr ähnlich. Es enthält unter anderem saure Prostata-Posphatase (PAP), Kalzium, Glukose und das Hormon Serotonin. Zudem berichten Frauen, die Erfahrungen mit Ejakulationen haben, dass die Flüssigkeit anderes rieche, schmecke und aussehe als Urin. Optisch erinnert das Ejakulat in vielen Fällen an eine wässrige Milchlösung. Sie kann – häufig während des höchsten Punkts der Lust – aus der Harnröhre heraustropfen, -laufen oder sogar -spritzen. Die Menge kann von Frau zu Frau erheblich variieren: Während einige nur wenige Tropfen ausstoßen, berichten andere von wahren Flüssigkeitsergüssen.
Blick in den Körper: Hier entsteht das Ejakulat der Frau
Doch wo kommt die Flüssigkeit her und was geht von ihrem Entstehen bis zum Ausstoß im Körper vor sich? Abschließend anatomisch geklärt ist das noch nicht. Allerdings wird davon ausgegangen, dass die Flüssigkeit in den paraurethralen Drüsen, nach ihrem Entdecker auch Skene-Drüsen genannt, gebildet wird. Bis zu 40 dieser Drüsen sitzen in einem schwammartigen Gewebe, dass die Harnröhre umschließt und an die männliche Prostata erinnert. Daher der Name: weibliche Prostata. Steigt das Lustgefühl einer Frau, schwillt dieses Gewebe stark an und kann sogar ertastet werden. Weithin bekannt ist dieser fühlbare Bereich unter dem Namen G-Punkt. Das Sekret kann nun von den Drüsen aus in die Harnröhre und zwei Kanäle gelangen, die zu beiden Seiten des Harnausgangs enden.
Offene Fragen zur weiblichen Ejakulation
Die Liste offener Fragen zum weiblichen Freudenfluss ist lang. Wie viele Frauen bekommen etwa eine Ejakulation? Studien gehen hier von wenigen Prozent bis zur Hälfte aller Frauen aus. Die Kölner Ärztin Sabine zur Nieden erhob in den 1990er-Jahren eine Studie zum Thema, der zufolge ein Drittel der Frauen Erfahrungen mit Ejakulationen gesammelt hat. Andere Studien gehen davon aus, dass jede Frau ejakuliert, die Mengen allerdings durch die Anzahl und Größe der Drüsen so gering sein können, dass es nicht bemerkt wird. Auch könnte der PC-Muskel des Beckens eine Rolle spielen, der sich während des Orgasmus mehrere Male ruckartig zusammenzieht und vermutlich die Flüssigkeit aus der Harnröhre herausdrückt. Statistisch nachgewiesen ist, dass dieser Muskel bei ejakulierenden Frauen besonders stark ausgeprägt ist.
Ungeklärt ist auch der Auslöser einer Ejakulation: Lange Zeit verbreitet war und ist zum Teil noch die Annahme, der Erguss würde durch die Stimulation des G-Punktes veranlasst. Dagegen spricht die Studie von Sabine zur Nieden: In der Befragung der Ärztin gaben nur elf Prozent der Frauen an, auf diese Weise zur Ejakulation zu kommen, 42 Prozent nannten die Stimulation der Klitoris.
Bei allen Fragen, ist eines jedoch klar: Schämen müssen sich Frauen für die Flüssigkeit in jedem Fall nicht. Allerdings sollte die Ejakulation auch nicht als höchstes Ziel sexueller Befriedigung angesehen werden – denn weder ist geklärt, ob eine Ejakulation beeinflussbar ist noch, dass das sexuelle Erleben durch sie gesteigert wird.
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Die weibliche Ejakulation ist kein Mythos! Dennoch wissen die meisten nur wenig bis gar nichts über den Erguss der Frau beim Liebesspiel.
Symbolbild: iStockphoto


















