Wie viel Aufklärung muss sein? Sexualkunde in der Kritik

Mittwoch, 16.07.2014

Aufklärung ist wichtig, vor allem in der Schule. Derzeit herrscht in Deutschland allerdings Streit darüber, wie viel Toleranz Sexualkundeunterricht tatsächlich vermitteln soll. Und wann.

Aufklärung und Sexualkundeunterricht in der Schule sind wichtig, darüber dürften sich die meisten Pädagogen einig sein. Viel weniger klar dagegen ist der richtige Zeitpunkt, um damit zu beginnen, sowie der Umfang. So haben in Baden-Württemberg nun einige Eltern mittels einer Petition gegen einen neuen Landesbildungsplan mobil gemacht. Und auch in Brandenburg wird heiß diskutiert: Sexualkunde im Kindergarten – fortschrittlich oder total unangebracht?

Aufklärung im Kindergarten?

"Es ist eine Tatsache, dass bereits in der Grundschule viele Kinder Pornofilme auf ihren Handys haben. Die Pädagogen müssen Wege finden, damit umzugehen", zitiert die "Schweriner Volkszeitung" auf ihrer Homepage Michael Rump-Räuber vom Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM). Vor allem auch, weil Eltern anders informieren würden als die Schule. Aufklärung im frühen Alter sei demnach eine Notwendigkeit.

Ähnlich sieht es in dem Artikel auch eine Sexualpädagogin von Pro Familia, Sandra Schramm. Die Expertin betont im Gespräch mit "svz.de", dass Aufklärung stets altersgerecht sein müsse, aber ruhig früh angesiedelt werden darf. Sexuelle Vielfalt als Thema im Kindergarten? Ihre Antwort lautet eindeutig Ja. Schließlich gäbe es dort auch Kinder, die von zwei Vätern oder zwei Müttern erzogen werden.

Toleranz als Normalfall

Die Herangehensweise ist entscheidend für den Erfolg und das Interesse am Aufklärungsunterricht.  Schwierig werde es zum Beispiel, wenn junge Mädchen und Jungs dazu angehalten werden, vor der Gruppe über ihr erstes Mal zu sprechen. Auch die Konfrontation mit Sexspielzeug sei eine heikle Angelegenheit.

Eine weitere Expertin von der Evangelischen Schulstiftung erklärt in dem Bericht zu Sexualerziehung: "Das Ziel ist, Vorbehalte gegen Menschen mit anderen Vorlieben gar nicht erst entstehen zu lassen." Denn schon bei Grundschülern seien massive Vorurteile im täglichen Umgang miteinander erkennbar. Erkennbar unter anderem daran, dass der Ausdruck "schwule Sau" eines der am häufigsten gebrauchten Schimpfwörter auf dem Schulhof sei. Wenn Aufklärung früh stattfinde, werde Toleranz zur Selbstverständlichkeit.

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Welches Maß an Aufklärung ist kindgerecht und wann fangen Eltern damit an? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit Pädagogen und Eltern.

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