Tantra-Massagen steuerfrei? Gericht entscheidet

Dienstag, 22.07.2014

Sind Tantra-Massagen auf sexuelles Vergnügen ausgerichtet oder nicht? Mit dieser Frage beschäftigt sich gerade ein Gericht in Baden-Württemberg. Es geht um Sexsteuern.

Wenn Monika Kochs ihre Kunden massiert, ist sie nackt. Die Tantra-Meisterin berührt ihre Kunden sinnlich, will ihr körperliches Wohlbefinden steigern – und vielleicht auch ihre Lust. Ein sexueller Höhepunkt oder die sexuelle Lust im Allgemeinen sei allerdings nicht Hauptzweck der Behandlung. Und deswegen will die Masseurin auch keine Sexsteuer zahlen, wie es die Stadt Stuttgart von ihr verlangt.

Tantra und Rotlicht

Die Inhaberin des Tantra-Studios "Dakini" kämpft seit Herbst vergangenen Jahres gegen die Stadt, wie der "Berliner Kurier" berichtet. Denn die Stadtverwaltung würde eine Vergnügungssteuer für Bordelle einfordern, ebenso für das Vorführen von Pornofilmen, für Sex-Auftritte und eben Behandlungen wie eine Tantra-Massage. Doch ihre Angebote hätten mit Rotlicht überhaupt nichts zu tun, so die Klägerin. Die Behandlung folge einem strengen Ritus und das Ziel sei "das ganzheitliche Wohlbefinden im Sinne der tantrischen Lehre – nicht das sexuelle Vergnügen", wie das Blatt schreibt.

In erster Instanz hat die Anbieterin von Tantra-Massagen bereits verloren. Sie war wegen eines Bescheids von 840 Euro zwei Monate lang vor Gericht gezogen. Dieses verglich die Tantra-Anbieter zwar weder mit Bordellen und deren Angestellten, noch mit Prostituierten – es sah das Ziel der Tantra-Behandlungen aber sehr wohl im sexuellen Vergnügen.

Image-Probleme der indischen Lehre

Es gehe bei der Anwendung auch um Therapie, so die Klägerin, etwa nach schweren Krankheiten wie Krebs oder nach sexuellem Missbrauch. Nicht selten würden bei den Behandlungen Tränen fließen, weil schmerzhafte Erinnerungen an die Oberfläche kämen, wie die "Stuttgarter Zeitung" die Frau zitiert, die vor ihrer Tantra-Ausbildung 20 Jahre lang Beamtin im öffentlichen Dienst war.
Im Zentrum steht also die Frage, ob die indische Tantra-Lehre auf sexuelle Lust ausgerichtet ist oder nicht. Michaela Riedl, Vorsitzende des Tantra-Massagen-Verbands (TMV), sieht den Prozess bereits ein Stück weit als Gewinn: "Es ist schon ein Erfolg, dass von öffentlicher Seite gesagt wurde, dass Tantra-Massage keine Prostitution ist."

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Sind Tantra-Massagen eine sexuelle Dienstleistung? Ein Gericht entscheidet jetzt, ob die Betreiberin eines Massage-Studios die sogenannte Sexsteuer zahlen muss.

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