Pille danach: Nun doch bald rezeptfrei?

Mittwoch, 27.08.2014

Die Union und viele Ärzte wollen weiterhin an der Rezeptpflicht der Pille danach festhalten. Doch die europäische Arzneimittelagentur setzt nun eines ihrer Argumente außer Kraft.

Dass die Pille danach in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern immer noch von einem Arzt verschrieben werden muss, liegt vor allem daran, dass sich die Union bislang weigert, das Notfallverhütungsmittel aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Die Argumente bestehen in erster Linie aus möglichen Risiken, die die Einnahme der Pille danach mit sich bringen kann und über die Frauen von einem Arzt aufgeklärt werden sollen. Dazu gehört beispielsweise die Annahme, höheres Körpergewicht könnte zu einer verminderten Wirkung des Notfallverhütungsmedikaments führen. Der "Ärztezeitung" zufolge teilt die europäische Arzneimittelagentur EMA diese Einschätzung aber offenbar nicht – und untermauert damit die Forderung nach einer rezeptfreien Ausgabe der Pille danach.

Pille danach: Bei Übergewichtigen wirkungslos?

Sowohl der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) als auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) führten erst kürzlich bei einer Anhörung des Bundestags-Gesundheitsausschusses an, dass die Pille danach bei übergewichtigen Frauen problematisch sei. Sowohl Medikamente mit dem Wirkstoff Levonorgestrel als auch Präparate auf Ulipristalacetat-Basis seien bei Frauen ab einem gewissen Körpergewicht wirkungslos, so die Meinung der Mediziner.

Im November letzten Jahres war aufgrund dieser Annahme etwa die Packungsbeilage von NorLevo, ein in der Schweiz erhältliches Medikament mit dem Wirkstoff Levonorgestrel, überarbeitet worden. Sie erhielt den Hinweis, dass das Präparat ab einem Körpergewicht von 75 Kilogramm nur eingeschränkt und ab 80 Kilogramm sogar gar nicht mehr wirksam sei.

EMA sieht beeinträchtigte Wirksamkeit nicht bestätigt

Die europäische Arzneimittelagentur EMA teilt diese Einschätzung jedoch nicht. Sie empfiehlt, den entsprechenden Eintrag wieder aus dem Beipackzettel der Pille danach zu entfernen. Es habe zwar in einigen Studien Hinweise auf eine beeinträchtigte Wirksamkeit gegeben – in anderen Studien hingegen sei dies aber nicht der Fall gewesen. Die Empfehlung soll außerdem an die Europäische Kommission weitergeleitet werden, die eine für alle EU-Länder einheitliche Entscheidung fällen soll.

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Mechthild Rawert zeigt sich bereits zuversichtlich, dass die Pille danach zukünftig auch in Deutschland rezeptfrei sein könnte: "Den Ablehnern der Rezeptfreiheit der Pille danach und einer Beratung durch die Apotheker gehen immer mehr die sachlichen Gründe aus".

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Wird die Pille danach nun auch in Deutschland rezeptfrei?

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