Ist eine Hymen-Rekonstruktion frauenfeindlich?

Dienstag, 15.03.2016

Heutzutage ist es vielen Frauen in Deutschland weitgehend freigestellt, wie sie ihre Sexualität ausleben wollen und ob sie vor der Ehe Sex haben oder lieber bis danach warten wollen. Deshalb scheint eine Hymen-Rekonstruktion für viele auf den ersten Blick ein befremdlicher Gedanke zu sein. Fem.com hat sich einmal näher mit dem Thema befasst.

Die Hymen-Rekonstruktion ist von einem ethischen Standpunkt her sehr umstritten, da es sich dabei medizinisch gesehen um einen unnötigen Eingriff handelt. Manche Frauen ziehen ihn aber aus gesellschaftlichem und sozialem Druck durchaus in Betracht.

Gründe für eine Hymen-Rekonstruktion

Profamilia.de fasst auf ihrer Website eine niederländische Studie zusammen, die Frauen mit dem Wunsch nach einer Rekonstruktion des Jungfernhäutchens begleitet hat. Die meisten der Teilnehmerinnen gehörten dem Islam an, einige aber auch dem Christentum. Diese Verteilung ist nicht ungewöhnlich, auch die Gynäkologin Katrin Wolf, welche Hymen-Rekonstruktionen durchführt, berichtet gegenüber dem Online Magazin taz.de, dass es normalerweise junge Muslima seien, die kurz vor der Eheschließung stünden und sich deshalb für die Hymen-Rekonstruktion interessieren.

Der niederländischen Studie zufolge befürchteten die meisten Frauen, dass es für sie negative Folgen habe, wenn ihr zukünftiger Ehemann herausfände, dass sie keine Jungfrau mehr seien. Diese Sorge erwies sich als nicht unbegründet, da alle befragten Männer angaben, dass sie glaubten, es zu erkennen, wenn ihre Frau keine Jungfrau mehr sei und dies für sie ein Problem darstellen würde.

Abgesehen von dem sozialen Druck durch den zukünftigen Ehemann und Angehörige, war die Hymen-Rekonstruktion laut der Studie für manche Frauen auch ein Weg mit Missbrauchserfahrungen abzuschließen, die 48 Prozent der Studienteilnehmerinnen durchlebt hatten.

Ist die Hymen-Rekonstruktion eine Lösung?

Wie bereits erwähnt, war für die meisten Frauen der niederländischen Studie der Grund für die Hymen-Rekonstruktion, dass sie sich für ihre voreheliche sexuelle Aktivität schämten und in der Hochzeitsnacht ihre Jungfräulichkeit durch Bluten und vaginale Enge beweisen wollten.

Allerdings, wie von fem.com hier bereits berichtet, muss es beim ersten Geschlechtsverkehr nicht immer zu Blutungen kommen, weshalb eine Hymen-Rekonstruktion auch nicht als probates Mittel für die Blutung beim ersten Mal und somit als Beweis für die Jungfräulichkeit gelten kann.

Ist die Wiederherstellung des Jungfernhäutchens nun frauenfeindlich?

Grundsätzlich ist die Wiederherstellung des Hymens nicht frauenfeindlich, aber die Gründe, aus denen sich eine Frau dazu entschließt, haben häufig etwas mit der Unterdrückung weiblicher Sexualität aus religiösen und/oder gesellschaftlichen Gründen zu tun.

Trotzdem sind Frauen, die eine solche Operation in Erwägung ziehen oder vornehmen lassen, nicht vorzuverurteilen. Sie können schließlich nichts dafür, dass auch in der heutigen Zeit veraltete Vorstellungen in Bezug auf die Sexualität von Frauen teilweise immer noch existent sind.

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Angst vor der Hochzeitsnacht ist nichts ungewöhnliches.

Manche Frauen schämen sich für ihre voreheliche sexuelle Aktivität und wollen deshalb ihre Jungfräulichkeit wieder herstellen lassen.

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15.03.2016 16:00
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