Chronischer Scheidenpilz - Behandlung mit Borsäure?

Sonntag, 27.07.2014

Wer unter einem chronischen Scheidenpilz leidet, versucht oft alles, um das immer wiederkehrende lästige Jucken zu bekämpfen. Hilft die giftige Borsäure, dem Übel beizukommen?

Tritt die Infektion mit Scheidenpilz erstmals auf, ist der Pilz meist gut mit einem lokal wirksamen Antipilzmittel zu behandeln. Mittel wie Clotrimazol und Miconazol werden als Creme oder im Zäpfchenformat in die Scheide eingesetzt, erklärt die "Apotheken Umschau". Reicht eine solche lokale Behandlung nicht aus, verschreiben Ärzte Tabletten mit Wirkstoffen wie Fluconazol oder Itraconazol, die den Scheidenpilz zumeist zuverlässig bekämpfen. Jedoch verschwindet die Scheidenpilz-Infektion bei etwa zehn Prozent der betroffenen Frauen nicht ganz, sondern tritt immer wieder auf. Geschieht dies mehr als vier Mal im Jahr, wird von einem chronischen Scheidenpilz gesprochen.

Chronischer Scheidenpilz: Was hilft?

Kehrt der Scheidenpilz immer wieder, verschreibt der Arzt über längere Zeit hinweg ein Antipilzmittel. Hat sich die Infektion jedoch erst einmal etabliert, kann der Pilz bei chronisch Betroffenen aber trotz medikamentöser Behandlung noch zurückkehren.

Kein Wunder also, dass viele Patienten mit fragwürdigen Mitteln experimentieren, um den lästigen Pilz zu bekämpfen. In der deutschen Version von "vice.com" berichtet beispielsweise eine US-Redakteurin, die unter chronischem Scheidenpilz leidet, von ihren Therapie-Erfahrungen in New York. Erst hätten ihr von einer amerikanischen Gynäkologin verschriebene Borsäure-Zäpfchen geholfen, eine besonders schlimme Infektion in den Griff zu bekommen. Dann habe sie erfolgreich mit selbst gefertigten Zäpfchen experimentiert, die reines Borsäurepulver enthielten, das in den USA als Kakerlakengift verkauft wird. Und auch eine 2011 im "Journal of Women's Health" veröffentlichte US-Studie nennt Borsäure als hilfreichen Wirkstoff bei wiederkehrenden Scheidenpilz-Infektionen.

Risiko-Wirkstoff Borsäure

Auch wenn sie in den USA als Mittel bei chronischen Pilzinfektionen verschrieben wird – in der EU ist die giftige Borsäure nicht als Medikament erhältlich. Die Anwendung gegen Scheidenpilz ist hierzulande allein deshalb umstritten, weil nicht garantiert werden kann, dass der Organismus die toxische Substanz nicht aufnimmt und dadurch Vergiftungserscheinungen erleidet.

Schon 1983 machte das "Ärzteblatt" bekannt, das Borsäure-haltige Medikamente in Deutschland nicht mehr zugelassen sind. Auch in Österreich ist die Therapie mit Borsäurezäpfchen laut "netdoktor.at" aufgrund ihrer Toxizität nicht gestattet. 2008/09 trat eine internationale Verordnung in Kraft, nach der Borsäure als "reproduktionstoxisch" gekennzeichnet werden muss. Auch im Rahmen der Substances of Very High Concern (SVHC), einer Zulassungskategorie der Europäischen Chemikalienagentur, wurde Borsäure als negativ bewertet. Seit 2010 befindet sich das Mittel auf der SVHC-Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe.

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Jede zweite Frau leidet mindestens einmal in ihrem Leben an Scheidenpilz. Wenn die Erkrankung chronisch wird, greifen manche Frauen zur Linderung sogar zu einem toxischen Stoff...

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