Chlamydien-Test: Wer bezahlt ihn?

Samstag, 26.07.2014

Um die Ausbreitung von Chlamydien eindämmen zu können, empfehlen Ärzte gezielte Screenings. Doch die Krankenkassen wollen die Kosten für die Untersuchung nicht übernehmen.

Allein in Deutschland infizieren sich Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge jährlich bis zu 300.000 Menschen mit Chlamydien. Das Heimtückische an der Geschlechtskrankheit: Sie verursacht in der Regel keinerlei Symptome und bleibt dadurch häufig unbemerkt. Dementsprechend schwierig ist eine Eindämmung der Krankheit.

Früherkennung von Chlamydien wichtig

Weil eine Infektion mit Chlamydien allerdings schwerwiegende Folgen haben kann, ist es wichtig, sie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Denn während Chlamydien zu Beginn noch ganz einfach mit Antibiotika therapiert werden können, kann eine Infektion im späteren Verlauf unbehandelt zu Unfruchtbarkeit führen. Ist eine schwangere Frau unwissentlich mit Chlamydien infiziert, erhöht sich das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden. Außerdem kann es passieren, dass sie das Baby bei der Geburt ansteckt. Wie "abendblatt.de" berichtet, kann die Geschlechtskrankheit auch bei Männern zu weiteren Erkrankungen führen, beispielsweise zu schweren chronischen Entzündungen des Darms.

Kostenloses Screening nur bis 25 Jahre

Seit 2008 übernehmen die Krankenkassen bei Frauen bis zu einem Alter von 25 Jahren die Kosten für ein Chlamydien-Screening. Alle Frauen, die älter sind, müssen die Untersuchung jedoch selbst bezahlen.  Das finden mehrere Fachärzteverbände allerdings überhaupt nicht nachvollziehbar. In einem gemeinsamen Statement bezeichneten sie die gesetzte Altersgrenze als "willkürlich und angesichts der zunehmenden Anzahl von Schwangerschaften bei Frauen jenseits von 30 Jahren nicht zu vertreten".

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) verweist jedoch auf eine Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses, der über Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen entscheidet. "Der Gemeinsame Bundesausschuss hat den Nutzen eines Chlamydien-Screenings bewertet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sexuell aktive Frauen unter 25 Jahren von einer Früherkennungsuntersuchung profitieren können", so eine Sprecherin des GKV-SV.

Dass die Kosten für das Chlamydien-Screening nicht auch für Frauen über 25 Jahre übernommen werden, ist aber vor allem unter dem Aspekt nicht nachzuvollziehen, dass die Erkrankungen unbehandelt zu hohen Folgekosten führen können. Außerdem belaufen sich die Kosten für eine Fruchtbarkeitstherapie, der sich viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch unterziehen, auf rund 80.000 Euro pro Patientin. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe geht davon aus, dass in Deutschland etwa 100.000 Fälle von Unfruchtbarkeit auf Chlamydien zurückzuführen sind.

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