Aufklärung über Intersexualität – Gesetz schützt vor Zwangs-OP

Montag, 11.11.2013

Zum 1. November trat ein neues Gesetz in Kraft, nach dem Intersexuelle bei der Geburt nicht mehr einem Geschlecht zugeordnet werden müssen. Doch noch immer ist viel Aufklärung nötig.

Intersexuelle sind Menschen, die Anlagen beider Geschlechter aufweisen. Noch immer fehlt es zu diesem Thema an Aufklärung, aber ein neues Gesetz, das zum 1. November 2013 in Kraft tritt, soll helfen, Intersexuelle besser zu schützen. Ab jetzt ist es möglich, ein Kind im Geburtenregister nicht mehr als männlich oder weiblich, sondern auch ohne Geschlechtsangabe eintragen zu lassen.

Intersexualität: Bisher wurde fast immer operiert

RTEmagicC_Rueckenschmerz-schwanger-Fotolia_TB.jpg.jpg

Mit dem neuen Gesetz soll verhindert werden, dass Kinder mit intersexuellen Anlagen gleich nach der Geburt operiert und auf Zwang einem Geschlecht zugeordnet werden. Bisher rieten Ärzte den Eltern von intersexuellen Kindern massiv zu dieser Operation – auch wenn keinerlei gesundheitlicher Grund dafür vorlag. 

Meistens werden betroffene Kinder zu Mädchen operiert, da es für Chirurgen einfacher ist, eine Vaginalöffnung zu schaffen, als einen Penis aufzubauen. Oft werden die Keimdrüsen entfernt, sodass die Betroffenen ihr Leben lang Hormone nehmen müssen, um das Defizit auszugleichen. Ein gesundes Kind mit intersexuellen Anlagen ohne Operation aufwachsen zu lassen, wird von ärztlicher Seite meist nur nach starkem Drängen der Eltern gewährt.

Noch immer zu wenig Aufklärung über Intersexualität

Schon 2011 ergab eine Umfrage des Deutschen Ethikrats unter Intersexuellen, dass die Betroffenen vor allem öffentliche Aufklärung und Enttabuisierung wünschten. Hinsichtlich der Festlegung des Geschlechts nach der Geburt forderten nur 43 Prozent eine Beibehaltung der Männlich-Weiblich-Dichotomie. 36 Prozent wünschten eine andere Lösung und 22 Prozent eine dritte Kategorie. 2012 schrieb eine Gruppe Betroffener einen offenen Brief an die Hamburger Universitätsklinik und forderte Aufarbeitung und Aufklärung zum Thema Intersexualität und Zwangsgeschlechtszuweisung. 

Aber das neue Gesetz schafft noch kein "drittes Geschlecht". Als dritte Möglichkeit wird im Geburtenregister nicht "anderes", sondern nur "nicht zugeordnet" eingetragen – ein kleiner aber relevanter Unterschied. Ein Schritt zur Akzeptanz von Intersexualität und Abschaffung des Operationszwangs ist jedoch getan. Auch die öffentliche Thematisierung hilft, für Aufklärung zu sorgen und die Akzeptanz von nicht-binären Geschlechteridentitäten zu fördern.

Aufklärung über Intersexualität Gesetz schützt vor Zwangs-OP

 

Weitere Artikel

article
19312
Aufklärung über Intersexualität
Gesetz schützt vor Zwangs-OP
Zum 1. November trat ein neues Gesetz in Kraft, nach dem Intersexuelle bei der Geburt nicht mehr einem Geschlecht zugeordnet werden müssen. Doch noch...
http://www.fem.com/liebe-lust/news/aufklaerung-ueber-intersexualitaet-gesetz-schuetzt-vor-zwangs-op
11.11.2013 13:36
http://www.fem.com/var/fem/storage/images/liebe-lust/aufklaerung-ueber-intersexualitaet-gesetz-schuetzt-vor-zwangs-op/369849-1-ger-DE/aufklaerung-ueber-intersexualitaet-gesetz-schuetzt-vor-zwangs-op_contentgrid.jpg
Liebe & Lust

Kommentare