Abtreibung wegen Verhütungsunwissen?

Montag, 23.06.2014

Wie kommt es zu ungewollten Schwangerschaften? Das untersuchten Forscher, indem sie Interviews mit Frauen führten, die eine Abtreibung vornehmen ließen.

Die Entscheidung zu einer Abtreibung fällt selten leicht. Österreichische Forscher gingen in einer landesweiten Studie der Frage nach, wie es überhaupt zu ungewollten Schwangerschaften kommt und haben dafür ausführliche Fragebögen von Frauen ausgewertet, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden hatten. Das Ergebnis: Vor allem mangelnde Information in Sachen Verhütung und Probleme bei der natürlichen Verhütung führen zu nicht geplanten Schwangerschaften. Die vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebene Studie zog außerdem Abtreibungsexperten zu Rate.

Verhütung? Zu kompliziert.

Pille

"Diese aktuellen Daten und Fakten zu ungewollten Schwangerschaften zeigen einmal mehr, wie bedeutsam die Anwendung wirksamer Verhütung ist und wie hoch der Informationsbedarf diesbezüglich vor allem auch unter erwachsenen Frauen beziehungsweise Paaren mit Kindern ist", zitiert "salzburg24.at" die Gynäkologin Gerlinde Akmanlar-Hirscher bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Mehr als 500 Frauen, die zur Abtreibung in die Salzburger Universitätsklinik gekommen waren, hatten umfangreiche Fragebögen ausgefüllt. Zudem führten die Forscher Experteninterviews.

Auffällig sei, dass viele Frauen in der konkreten Situation, in der es zur ungewollten Schwangerschaft kam, nicht verhütet hatten, nämlich fast die Hälfte. "Von denjenigen, die verhütet haben, haben drei Viertel eine nur mäßig oder wenig wirksame Methode angewendet", heißt es weiter. Zu diesen Methoden werden Selbstbeobachtung, das Zählen der fruchtbaren Tage sowie Kondome gezählt.

Lassen sich Abtreibungen vermeiden?

Mehr als ein Drittel der abtreibenden Frauen gab an, grundsätzlich nur von Fall zu Fall zu verhüten. Sie haben also häufig ungeschützten Geschlechtsverkehr. Gleichzeitig gaben aber stattliche 87 Prozent der befragten Frauen an, dass sie keinen Kinderwunsch hatten und davon überzeugt waren, es bestehe kein Risiko einer Schwangerschaft. Das Forscherteam und die Auftraggeber der Studie sprachen daher von einer "Diskrepanz zwischen Verhütungswillen und Verhütungsrealität".

Vier Hauptgründe wurden für die ungewollten Schwangerschaften und vorgenommenen Abtreibungen identifiziert: Wissensmängel beim Thema Sexualität und Fruchtbarkeit, übertriebener Glaube an die Wirksamkeit von Verhütungsmitteln, Verhütungsunfälle sowie ein "Methodenvakuum": Weil Frauen Angst vor Nebenwirkungen haben und nicht wissen, welche Methode zur Empfängnisverhütung sie wählen sollen, verhüten sie gar nicht. Womöglich könnten durch bessere Information also viele Abtreibungen vermieden werden.

Führt mangelndes Wissen über Verhütung zu vermehrten Abtreibungen?

Viele Abtreibungen könnten verhindert werden wenn die Frauen besser über Verhütung informiert wären.

Weitere Artikel

article
38661
Abtreibung wegen Verhütungsunwissen?
Abtreibung wegen Verhütungsunwissen?
Wie kommt es zu ungewollten Schwangerschaften? Das untersuchten Forscher, indem sie Interviews mit Frauen führten, die eine Abtreibung vornehmen ließen.
http://www.fem.com/liebe-lust/news/abtreibung-wegen-verhuetungsunwissen
23.06.2014 14:00
http://www.fem.com/var/fem/storage/images/liebe-lust/news/abtreibung-wegen-verhuetungsunwissen/572750-1-ger-DE/abtreibung-wegen-verhuetungsunwissen_contentgrid.jpg
Liebe & Lust

Kommentare