Abtreibung in Chile legalisieren? Tausende demonstrieren

Freitag, 15.08.2014

In Chile ist die katholische Kirche gesellschaftlich recht mächtig – ein Grund, warum Abtreibungen dort gänzlich verboten sind. Tausende Demonstranten wollen das ändern.

Im südamerikanischen Chile herrschen gerade winterliche Temperaturen und trotzdem versammelten sich in dieser Woche mehr als 5.000 Demonstranten in der Hauptstadt Santiago de Chile, um das Recht auf kostenlose, legale und sichere Abtreibung einzufordern. Weil der Einfluss der katholischen Kirche in dem Land sehr stark ist, sind Schwangerschaftsabbrüche bislang verboten.

Unmengen an illegalen, unsachgemäßen Eingriffen

Wie AFP-Reporter laut dem "Donaukurier" über die Pro-Abtreibung-Demonstrationen berichten, gab es einen Fackelmarsch durch die Straßen der Hauptstadt. Parolen und Schilder der Menschen zielten vor allem auf die katholische Kirche ab. Unter anderem skandierten die vorwiegend weiblichen Teilnehmer "Nehmt eure Rosenkränze aus unseren Eierstöcken!".

Weil Abtreibungen in Chile verboten sind, kommt es zu zahlreichen stümperhaften Eingriffen. Rund 150.000 unsachgemäße Eingriffe würden laut dem Gesundheitsministerium jedes Jahr vorgenommen, um Schwangerschaften abzubrechen. Manchmal enden solche Abtreibungen tödlich. Auch die UNO ist bei der Frage schon aktiv geworden. Sie empfiehlt der Regierung, Abtreibungen bei Vergewaltigung und Inzest zu legalisieren. Denn selbst Minderjährige, die nach einer Vergewaltigung ein Kind erwarten, dürfen nicht abtreiben.

Abtreibungsverbot von Militärdiktatur eingeführt

Womöglich hat die Forderung der UNO Erfolg. "Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet von der Sozialistischen Partei hatte im Mai ihre Absicht kundgetan, die Debatte zum Thema wieder aufzunehmen", so der Bericht weiter. Noch vor Jahresende wolle sie erreichen, dass Abtreibungen per Gesetz erlaubt werden. Das Verbot gibt es übrigens erst seit 1990.

Bis 1989 waren "therapeutische Abtreibungen" im Fall von nicht lebensfähigen Föten oder bei Lebensgefahr erlaubt. Während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet kam es zu dem kompletten Verbot der Abtreibung, an dem sich bis heute nichts geändert hat.  Auch Scheidungen sind in dem Land mit rund 18 Millionen Einwohnern erst seit 2004 erlaubt. Das Thema Schwangerschaftsabbruch hatte sich im Wahlkampf zu einer heißen Debatte entwickelt. Auch die "Pille danach" ist in dem Land umstritten.

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In Chile ist die Abtreibung eines Ungeborenen bislang verboten.

Die strenge, katholische Kirche verbietet seit 1990 die Abtreibung bei Frauen in Chile. Die UNO und tausende Demonstranten kämpfen für das Recht der Schwangerschaftsabbrüche.

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