Warum Männer sich verschließen – "Ich mache alles alleine"

Sonntag, 13.11.2011

Die 32-jährige Lena fühlt sich allein gelassen - ihr Partner kümmert sich weder um den Haushalt, noch um das gemeinsame Baby. Was kann sie tun?

"Warum Männer..." heißt die neue Ratgeber-Kolumne auf fem.com, in der Leserinnen Beziehungsfragen stellen und die Paartherapeuten und Beziehungscoachs von ElitePartner.de antworten.



Thema heute: "Warum Männer sich verschließen?"
"Mein Mann und ich haben vor eine Jahr eine kleine süße Maus bekommen. Er hat mich in der Schwangerschaft viel allein gelassen, ich dachte, wenn die Kleine da ist, wird alles anders. Die ersten Wochen waren super, danach kam der Alltag und er geht wieder jeden Abend mit seinen Kumpels auf ein Bierchen los. Den Haushalt mache ich komplett alleine, was mich sehr stört. Wir streiten mindestens zwei Mal die Woche. Er sagt, dass er hart arbeitet und am Wochenende seine Ruhe braucht. Ich würde mich eigentlich freuen, wenn wir Zeit zu dritt verbringen würden. Was kann ich tun, damit er mir im Haushalt hilft und mehr auf mich eingeht?"
Lena, 32
Die Experten-Antwort:


Beziehungsexpertin Lisa Fischbach

Lisa Fischbach

"Hallo liebe Lena,
Sie beschreiben eine aktuell sehr unausgeglichene Partnerschaft. Mir drängt sich deshalb die Frage auf, ob Ihr Partner damit umgehen kann, nun Vater zu sein. Er verhält sich anders. Zudem scheint er für sich eine klare, unabgesprochene Rollenaufteilung zu leben, die er rücksichtslos durchzieht: Sie sind die Hausfrau und er verdient das Geld. Aber wenn Sie zukünftig arbeiten wollen, muss ihm klar sein, dass das so nicht geht. Will er also Vater sein? Für Sie war der Übergang vom Paar zur Familie durch die Schwangerschaft und Geburt klar wahrnehmbar. Männer begreifen oft nur langsam, dass nun ein völlig neues Leben beginnt oder flüchten sich in das 'alte'. So verpassen sie unwiederbringliche Momente, aber auch das bemerken sie manchmal erst, wenn ein patziger Teenager klarmacht, dass sich Papa jetzt auch zum Teufel scheren kann!
Ihr Partner will Freiheit, Sie Verlässlichkeit. Wären Sie nur als Paar zu zweit, wäre keines der Bedürfnisse besser oder schlechter. In Ihrem Fall gibt es aber jetzt eine Notwendigkeit zur Verlässlichkeit: Ihre kleines Baby! Es bindet Sie aneinander und begrenzt Ihrer beider Freiheiten. Viele Männer mit Kindern glauben leider, dass sie ihre Partnerin 'sicher' haben und bemerken den Ernst der Lage erst, wenn sie verlassen wurden. Alles vorher wurde als kurzes Gemecker abgetan.
Mein Rat: Konfrontieren Sie ihn mit Ihren Wünschen und den Konsequenzen, die Sie ziehen, wenn er nicht bereit ist, seinen Teil zum Familiendasein beizusteuern - sehr sachlich, sehr bestimmt, mit deutlichen Botschaften. Das bedeutet, dass Sie sich vorher gründlich selbst klären sollten. Was brauchen Sie wie dringend? Was könnten Sie ihm schrittweise "entziehen", wenn er sich weigert (kennen Sie Lysistrata)? Würden Sie sich notfalls trennen? Wie viel Freiheit gönnen Sie ihm? Wo könnten Kompromisse gefunden werden? Machen Sie Ihrem Partner klar, wie Sie die Situation empfinden, betonen Sie, wie sehr Sie sich allein gelassen fühlen und unglücklich darüber sind. Damit kann Ihr Partner erkennen, was er bei Ihnen durch sein Verhalten bewirkt.
Das erste Kind ist eine sehr große Herausforderung für Paare, denn es ändert sich das gesamte Paarleben - ich wünsche Ihnen Geduld, Liebe und Kraft dafür - und gute Gespräche!"
Lisa Fischbach

Lisa Fischbach ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Therapeutin und Paarberaterin in Hamburg. Sie ist zudem beratend für die Online-Partnervermittlung ElitePartner.de tätig.



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Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...



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13.11.2011 14:00
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