Vaterschaft: Männer verstehen – Plötzlich Vater

Dienstag, 01.02.2011

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.
Thema heute:
"Er ist überraschend Vater geworden"
Die Frage:
"Nach sechs Monaten Beziehung hat mein Freund (30) vor wenigen Wochen erfahren, dass er Vater einer kleinen Tochter geworden ist. Sie wurde in einer kurzen Affäre vor meiner Zeit gezeugt und die Mutter des Kindes hat ihm nichts von ihrer Schwangerschaft erzählt. Nun ist das Baby auf der Welt, wir wissen davon - und nichts ist mehr, wie es war. Zunächst war ich extrem entsetzt - er ist mein Traummann und mein großer Wunsch ist - auch wenn wir nach so einer kurzen Beziehungsdauer natürlich noch nicht konkret darüber gesprochen haben - mit ihm irgendwann eine Familie zu gründen.

Auch wenn sich mein erster Schock gelegt hat: Dass er jetzt mit einer anderen ein Kind hat, macht mich ehrlich gesagt rasend eifersüchtig. Obwohl sie die Schwangerschaft ja vor ihm geheim gehalten hat, möchte die Mutter seiner Tochter jetzt, dass er so richtig Vater spielt, seine Tochter regelmäßig sieht - ihr geht es also nicht 'nur' um die Alimente ...

Mein Freund ist vor allem wegen der finanziellen Geschichte ziemlich geschockt, aber auch sehr stolz. Er hat die Kleine schon mehrmals besucht und mir dann ausschweifend von diesen Treffen erzählt. Es ist so schwierig, dass ich mich überhaupt nicht mit ihm freuen kann. Er versteht das nicht und findet, dass all das doch gar nichts mit mir zu tun hat. Das finde ich allerdings schon! Wie finden wir wieder ein Gleichgewicht? Ich habe Angst, dass unsere Beziehung den Bach runtergeht. Außerdem habe ich Sorge, dass die Mutter seiner Tochter versucht, ihn mir wegzunehmen, um dann einen richtigen Papa für ihre Kleine zu haben ..."
Jackie, 28

Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Jackie, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass diese neue Situation Sie erst einmal schockiert hat und Ihre noch junge Beziehung auf die Probe stellt. Mit Sicherheit würde es den meisten Frauen ähnlich wie Ihnen gehen. Auch Ihr Freund muss die für ihn überraschende Nachricht, dass er Vater geworden ist, und die damit verbundene große Verantwortung realisieren und in sein Leben integrieren.

Eigentlich zeigt er mit seinem Verhalten, dass er sich der Verantwortung stellt und seiner kleinen Tochter gerne ein guter Vater sein möchte. Es wäre sicherlich falsch, wenn Sie versuchen würden, ihn davon zurückzuhalten. Ihre Hauptangst scheint zu sein, dass Sie Ihren Freund an die Mutter der Tochter verlieren könnten und dass parallel zu Ihrer bestehenden Beziehung so etwas wie eine 'kleine Familie' entsteht - ohne Sie.

Diese Befürchtungen sollten Sie Ihrem Freund mitteilen, damit er die neue Lebenssituation auch aus Ihrer Perspektive sehen kann. Eine Idee wäre, Sie mit in das neu entstandene System einzubeziehen, das heißt, Ihnen die Möglichkeit zu geben, an diesem wichtigen, neuen Bereich seines Lebens teilzuhaben.

Konkret könnte das bedeuten, gemeinsame Treffen zu arrangieren - so hätten auch Sie die Möglichkeit, eine Verbindung zur Tochter Ihres Freundes und deren Mutter zu entwickeln. Grundsätzlich sehe ich keinen Grund, warum diese neue Situation Ihrer eigenen Familienplanung entgegenstehen sollte. Ich wünsche Ihnen alles Gute." Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.

Die Männer-Antwort:
"Liebe Jackie, einerseits kann ich Ihre Angst verstehen, andererseits bin ich mir sicher, dass die Situation, in die Sie geraten sind, gar nicht so ungewöhnlich ist.

Nehmen wir mal an, Sie hätten Ihren Partner mit dem Wissen kennengelernt, dass er zwar Single, aber bereits Vater ist. Hätten Sie sich dann nicht trotzdem in ihn verlieben können?

Sie haben Ihren Traummann gefunden und er wird genauso in Sie verliebt sein. Einer gemeinsamen Familienplanung steht, so Sie beide sich einig sind, also nichts im Wege.

Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Sie jetzt befürchten, die Exfreundin Ihres Freundes könnte ihn sich wieder angeln. Da kann ich nur raten: Sagen Sie ihm das! Machen Sie ihm klar, wovor Sie Angst haben. Wenn er Sie liebt, wird er Ihre Zukunftsängste ernst nehmen und sie aus der Welt schaffen.

Dass Ihr Partner aber seine Tochter aus der vorherigen Beziehung sehen und für sie da sein will, ist doch eine gute Eigenschaft. Immerhin drückt er sich nicht vor der Verantwortung, wie es viele andere Männer in der Situation tun würden! Dieses Verhalten sollten Sie ihm hoch anrechnen.

Noch etwas: Fragen Sie Ihren Freund, ob Sie ihn bei gemeinsamen Unternehmungen mit seiner Tochter begleiten können. So können Sie erleben, wie glücklich er ist und sich vielleicht doch mit ihm und für ihn freuen. Vertrauen Sie auf die Beziehung und Ihren Freund. Das ist schließlich die Basis für eine gemeinsame Zukunft, die Sie sich so sehr wünschen." Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Foto: Miss X / photocase.com

Vaterschaft

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