Trennung verarbeiten: So überwindest du den Trennungsschmerz

Donnerstag, 17.03.2016

Eine Trennung verarbeiten - das ist immer äußerst schmerzhaft und ein langwieriger Prozess. Psychologe Markus Ernst beantwortet Fragen rund um Trennungsschmerz und das Beziehungsaus.

Egal, ob frisch getrennt oder schon wieder auf dem Weg in eine neue Beziehung: Das Thema Trennung beschäftigt jeden Single für lange Zeit. Zu schwer treffen uns häufig Trennungsschmerz und Perspektivlosigkeit in dieser Zeit.

Markus Ernst, Single-Coach der Online-Partneragentur Parship.de, gibt auf fem.com Tipps, wie man eine Trennung gut verarbeiten kann und es vermeidet, alte Beziehungsmuster in eine neue Partnerschaft "mitzunehmen".

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Herr Ernst, was sind die klassischen Phasen nach einer Trennung, die jeder Mensch mit Liebeskummer durchläuft?

Verschiedene Menschen erleben den Prozess der Trennung vom Partner hinsichtlich Dauer und Intensität sehr unterschiedlich. Ganz pauschal lassen sich aber vier Phasen unterscheiden:

  • Der Schock: Wir sind erschüttert und können gar nicht so richtig fassen, was passiert ist. Dieses Stadium des Trennungsschmerz geht häufig mit dem Gefühl der inneren Leere einher.
  • Aufbrechende Gefühle: Wir realisieren das Geschehene, sind sehr traurig, enttäuscht, verletzt und fühlen uns der Situation ausgeliefert.
  • Neuorientierung: Eine wichtige Phase, in der wir wieder langsam Licht am Ende des Tunnels sehen und es uns gelingt, den Blick nach vorne zu richten.
  • Entwicklung eines neuen Lebensplanes: Wir haben akzeptiert und verarbeitet, was passiert ist und können unser Leben bewusst und aktiv auf neue Inhalte ausrichten.

Mit Phase Nummer zwei einer Trennung haben viele besonders lang zu kämpfen. Gibt es ein paar Tricks, um den akuten Trennungsschmerz in dieser Zeit zu lindern?

Langfristig betrachtet ist eine Auseinandersetzung mit der Trennung wichtig und unumgänglich. Unmittelbar nach dem Ende einer Beziehung steht aber zunächst im Vordergrund, alles dafür zu tun, mit dieser Ausnahmesituation aktuell möglichst gut klarzukommen. Hilfreich ist dabei zum Beispiel, die Dinge, die an den Ex-Partner erinnern (Bilder, Zahnbürste im Badezimmer…) aus dem Blickfeld zu nehmen und in einer Kiste zu verstauen. Auf diese Weise wirst du nicht immer wieder zwangsläufig an den/die Ex erinnert.

Nach einer Trennung neigen wir zum Grübeln und suchen nach Erklärungen für das Scheitern der Beziehung. Nutze in diesen Fällen die "Gedanken-Stopp-Technik": Wenn du merkst, dass du damit beginnst, über die Beziehungsvergangenheit nachzudenken, dann stell dir ein Stopp-Schild aus dem Straßenverkehr vor und lenke deine Gedanken auf ein anderes Thema. Mit Übung kann dir das immer besser gelingen.

Nutze darüber hinaus jede Chance, dich abzulenken und mit anderen Menschen zu kommunizieren. Soziale Kontakte sind in dieser Phase des Trennungsschmerz extrem wichtig und helfen, den Blick wieder nach vorne zu richten und die Situation zu relativieren.

Haben Sie auch ein paar Tipps parat, welche Verhaltensweisen und -muster man bei einer Trennung und deren Verarbeitung um jeden Preis vermeiden sollte?

Sich von einem geliebten Menschen zu trennen, tut natürlich weh und ist schmerzhaft – sich permanent zu betäuben und zu verdrängen, macht die Situation aber auf Dauer eher schwieriger und verhindert den positiven Bewältigungsprozess. Daher solltest du dich bewusst mit der Trennung auseinandersetzen, um sie erfolgreich zu verarbeiten.

Eine Trennung ist ein Frontalangriff auf unser Selbstwertgefühl. Versuchen Sie deshalb, sich nicht in Selbstzweifeln zu ergehen, sondern sich Ihre Stärken bewusst zu machen. Zu schnell "gute Freunde" werden sollten Sie vermeiden, denn jeder braucht erst einmal seine eigene Zeit. Erst wenn du die Trennung verarbeitet hast, solltest du über eine Freundschaft mit deinem / deiner Ex nachdenken.

Sich zu schnell in die nächste Beziehung zu stürzen, solltest du ebenfalls vermeiden. Denn so sind eine bewusste Verarbeitung der Trennung und die Identifizierung der eigenen Beziehungsmuster fast unmöglich und eine persönliche Weiterentwicklung wird erschwert.

Wenn alles beiden gehört: Wie vermeidet man Konflikte um gemeinsame Besitztümer?

Es ist nicht einfach, weil man gezwungen ist, sich in einer emotionalen Extremsituation rationale und klare Gedanken zu machen. Handelt es sich nur um die Einrichtung der gemeinsamen Küche, mag es Sinn machen, einfach darauf zu verzichten und sich den Psychostress zu ersparen. Geht es um wirklichen Besitz, wird man nicht herumkommen, sich nach der Trennung zu einigen. Eine Möglichkeit kann sein, die Verhandlungen über gute Freunde zu regeln. Grundsätzlich sollten sich beide Partner ein wenig Zeit damit lassen und nicht in der ersten Schockphase der Trennung damit beginnen.

Wann weiß man, dass man nach dem Trennungsschmerz wieder bereit für eine neue Beziehung ist?

Man wird deutlich spüren, wenn sich der Blick wieder nach vorne richtet und das Interesse an anderen Menschen wieder ansteigt. Wichtig für die nächste Partnerschaft ist es, dass man verstanden hat, warum die Beziehung gescheitert ist. Und man sollte sich im Klaren darüber sein, was man sich von einer neuen Beziehung wünscht und was nicht.

Wie schaffe ich es, in meiner nächsten Beziehung nicht wieder in alte Muster zurückzufallen?

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Um nicht in wiederkehrende Verhaltensmuster zu verfallen, musst du diese erkennen und wissen, welche Motive diesen Verhaltensweisen zugrunde liegen. Scheitern deine Beziehungen beispielsweise immer an einer extremen Eifersucht, solltst du hinterfragen, was der Grund für diese Eifersucht ist? Könnte es sein, dass du das Gefühl hast, in einer Partnerschaft nicht genug Wert zu besitzen? Möglicherweise hast du immer Angst, dass der Partner dich verlässt. Finde heraus, wo der Grund für dieses geringe Selbstwertgefühl liegt und was du tun kannst, um unabhängig von einer Partnerschaft daran zu arbeiten.

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