Trennung verarbeiten: So überwinden Sie den Trennungsschmerz

Eine Trennung ist immer äußerst schmerzhaft, sie zu verarbeiten ein langwieriger Prozess. Psychologe Markus Ernst beantwortet Fragen rund um Trennungsschmerz und das Beziehungsaus.

Egal, ob frisch getrennt oder schon wieder auf dem Weg in eine neue Beziehung: Das Thema Trennung beschäftigt jeden Single für lange Zeit. Zu schwer treffen uns häufig Trennungsschmerz und Perspektivlosigkeit in dieser Zeit.

Markus Ernst, Single-Coach der Online-Partneragentur Parship.de, gibt auf fem.com Tipps, wie man eine Trennung gut verarbeiten kann und es vermeidet, alte Beziehungsmuster in eine neue Partnerschaft "mitzunehmen".

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Herr Ernst, was sind die klassischen Phasen nach einer Trennung, die jeder Mensch mit Liebeskummer durchläuft?

Verschiedene Menschen erleben den Prozess der Trennung vom Partner hinsichtlich Dauer und Intensität sehr unterschiedlich. Ganz pauschal lassen sich aber vier Phasen unterscheiden:

  • Der Schock: Wir sind erschüttert und können gar nicht so richtig fassen, was passiert ist. Dieses Stadium geht häufig mit dem Gefühl der inneren Leere einher.
  • Aufbrechende Gefühle: Wir realisieren das Geschehene, sind sehr traurig, enttäuscht, verletzt und fühlen uns der Situation ausgeliefert.
  • Neuorientierung: Eine wichtige Phase, in der wir wieder langsam Licht am Ende des Tunnels sehen und es uns gelingt, den Blick nach vorne zu richten.
  • Entwicklung eines neuen Lebensplanes: Wir haben akzeptiert und verarbeitet, was passiert ist und können unser Leben bewusst und aktiv auf neue Inhalte ausrichten.

Mit Phase Nummer zwei haben viele besonders lang zu kämpfen. Gibt es ein paar Tricks, um den akuten Trennungsschmerz in dieser Zeit zu lindern?

Langfristig betrachtet ist eine Auseinandersetzung mit der Trennung wichtig und unumgänglich. Unmittelbar nach dem Ende einer Beziehung steht aber zunächst im Vordergrund, alles dafür zu tun, mit dieser Ausnahmesituation aktuell möglichst gut klarzukommen. Hilfreich ist dabei zum Beispiel, die Dinge, die an den Ex-Partner erinnern (Bilder, Zahnbürste im Badezimmer…) aus dem Blickfeld zu nehmen und in einer Kiste zu verstauen. Auf diese Weise werden Sie nicht immer wieder zwangsläufig an den/die Ex erinnert.

Nach einer Trennung neigen wir zum Grübeln und suchen nach Erklärungen für das Scheitern der Beziehung. Nutzen Sie in diesen Fällen die "Gedanken-Stopp-Technik": wenn Sie merken, dass Sie damit beginnen, über die Beziehungsvergangenheit nachzudenken, dann stellen Sie sich ein Stopp-Schild aus dem Straßenverkehr vor und lenken Ihre Gedanken auf ein anderes Thema. Mit Übung kann Ihnen das immer besser gelingen.

Nutzen Sie darüber hinaus jede Chance, sich abzulenken und mit anderen Menschen zu kommunizieren. Soziale Kontakte sind in dieser Phase extrem wichtig und helfen, den Blick wieder nach vorne zu richten und die Situation zu relativieren.

Haben Sie auch ein paar Tipps parat, welche Verhaltensweisen und -muster man bei einer Trennung und deren Verarbeitung um jeden Preis vermeiden sollte?

Sich von einem geliebten Menschen zu trennen, tut natürlich weh und ist schmerzhaft – sich permanent zu betäuben und zu verdrängen, macht die Situation aber auf Dauer eher schwieriger und verhindert den positiven Bewältigungsprozess. Daher sollten Sie sich bewusst mit der Trennung auseinandersetzen.

Eine Trennung ist ein Frontalangriff auf unser Selbstwertgefühl. Versuchen Sie deshalb, sich nicht in Selbstzweifeln zu ergehen, sondern sich Ihre Stärken bewusst zu machen. Zu schnell "gute Freunde" werden sollten Sie vermeiden, denn jeder braucht erst einmal seine eigene Zeit. Erst wenn Sie die Trennung verarbeitet haben, sollten Sie über eine Freundschaft mit Ihrem Ex nachdenken.

Sich zu schnell in die nächste Beziehung zu stürzen sollten Sie ebenfalls vermeiden. Denn so sind eine bewusste Verarbeitung der Trennung und die Identifizierung der eigenen Beziehungsmuster fast unmöglich und eine persönliche Weiterentwicklung wird erschwert.

Wenn alles beiden gehört: Wie vermeidet man Konflikte um gemeinsame Besitztümer?

Es ist nicht einfach, weil man gezwungen ist, sich in einer emotionalen Extremsituation rationale und klare Gedanken zu machen. Handelt es sich nur um die Einrichtung der gemeinsamen Küche, mag es Sinn machen, einfach darauf zu verzichten und sich den Psychostress zu ersparen. Geht es um wirklichen Besitz, wird man nicht herumkommen, sich zu einigen. Eine Möglichkeit kann sein, die Verhandlungen über gute Freunde zu regeln. Grundsätzlich sollten sich beide Partner ein wenig Zeit damit lassen und nicht in der ersten Schockphase der Trennung damit beginnen.

Wann weiß man, dass man nach dem Trennungsschmerz wieder bereit für eine neue Beziehung ist?

Man wird deutlich spüren, wenn sich der Blick wieder nach vorne richtet und das Interesse an anderen Menschen wieder ansteigt. Wichtig für die nächste Partnerschaft ist es, dass man verstanden hat, warum die Beziehung gescheitert ist. Und man sollte sich im Klaren darüber sein, was man sich von einer neuen Beziehung wünscht und was nicht.

Wie schaffe ich es, in meiner nächsten Beziehung nicht wieder in alte Muster zurückzufallen?

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Um nicht in wiederkehrende Verhaltensmuster zu verfallen, müssen Sie diese erkennen und wissen, welche Motive diesen Verhaltensweisen zugrunde liegen. Scheitern Ihre Beziehungen beispielsweise immer an einer extremen Eifersucht, sollten Sie hinterfragen, was der Grund für diese Eifersucht ist? Könnte es sein, dass Sie das Gefühl haben, in einer Partnerschaft nicht genug Wert zu besitzen? Möglicherweise haben Sie immer Angst, dass der Partner Sie verlässt. Finden Sie heraus, wo der Grund für dieses geringe Selbstwertgefühl liegt und was Sie tun können, um unabhängig von einer Partnerschaft daran zu arbeiten.

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18.06.2015 13:41
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