Sterilisation: Ein Kapitel wird geschlossen

Dienstag, 09.09.2014 Alexandra Kirschner

Wenn der Tag kommt, an dem völlig klar wird, dass kein oder kein weiterer Nachwuchs geplant ist, entscheiden sich nicht wenige Paare für eine Sterilisation. Was der Eingriff konkret für Sie bedeutet, erklären wir.

Zwei Kinder sollten es sein, mehr nicht. Wenn Träume wie dieser in Erfüllung gehen, stellt sich die Frage nach der künftigen Verhütung. Ewig die Pille nehmen? Immer ein Kondom griffbereit haben? Für rund 2 Millionen Männer und Frauen in Deutschland war das nicht die richtige Dauerlösung. Sie haben sich für eine Sterilisation entschieden und damit die Kapitel Kinderplanung und Verhütung endgültig geschlossen.

Sterilisation: Was bedeutet das konkret?

Eine Sterilisation ist ein operativer Eingriff, der eine Unfruchtbarkeit herbeiführen soll. Sie ist sowohl bei Männern (Vasektomie) als auch bei Frauen möglich. Während es sich bei Männern allerdings um einen äußerlichen Eingriff handelt, der meist unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird, ist die Sterilisation bei Frauen in der Regel mit einer Operation unter Vollnarkose und den entsprechenden Risiken verbunden. Trotzdem lassen sich in Deutschland bislang weit mehr Frauen sterilisieren: Laut der Unifrauenklinik Kiel stehen circa 1,45 Millionen Frauen nur rund 450.000 sterilisierten Männern gegenüber.

Was geschieht bei einer Sterilisation?

Die Sterilisation ist eine prinzipiell endgültige Verhütungsmethode und sollte daher wohl überlegt sein.

Während bei der Vasektomie in der Regel die Samenleiter des Mannes durchtrennt werden, wird bei Frauen der Weg durch die Eileiter unterbunden. "In den meisten Fällen wird die Sterilisation mittels Bauchspiegelung durchgeführt", erklärt die Unifrauenklinik Kiel dazu. Entweder würden hierbei die Eileiter durch Strom oder Hitze verschweißt und gegebenenfalls durchtrennt, sie würden mit einem Clip verschlossen oder sogar ganz entfernt. Die Folge: Künftige Eizellen werden von der Schleimhaut des Eileiters aufgenommen, weil sie nicht weiterwandern können.

Der Pearl-Index der Methode liegt laut Unifrauenklinik bei 0,2 bis 5,4 – je nach gewählter Methode. Das bedeutet 0,2 bis 5,4 von 100 Frauen werden trotz Sterilisation innerhalb eines Jahres schwanger. Auswirkungen auf den Hormonhaushalt, den Menstruationszyklus oder das Sexualverhalten seien nicht zu befürchten. Die Kosten für den meist ambulanten Eingriff liegen bei rund 800 Euro, für eine Vasektomie beim Mann bei circa 300 Euro. Liegt kein medizinischer Grund für die Sterilisation vor, müssen die Kosten in der Regel selbst getragen werden.

Wieder schwanger werden: Ist das möglich?

Anders als bei einer Vasektomie tritt die verhütende Wirkung nach einer Sterilisation der Frau sofort ein – und die Unfruchtbarkeit ist grundsätzlich endgültig. Daher ist es unbedingt ratsam, sich vorab umfassend vom Frauenarzt oder einer Beratungsstelle über den Eingriff aufklären zu lassen und die eigenen Beweggründe genau zu hinterfragen. Denn: "Etwa jede dritte Frau, die sich für eine Sterilisation entschieden hat, bedauert im weiteren Verlauf diese Entscheidung auf irgendeine Weise", schreibt das Gesundheitsportal des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) "Frauenärzte im Netz". Ein Grund hierfür kann zum Beispiel ein neuer Partner sein, mit dem man sich gemeinsame Kinder wünscht.

Tatsächlich rückgängig machen wollen laut BVF allerdings nur ein bis drei Prozent den Eingriff. Prinzipiell ist dies möglich, die Erfolgschancen hängen allerdings von der vorher gewählten Sterilisationsmethode ab. Zudem ist eine weitere Operation notwendig, um die Eileiter wieder durchgängig zu machen. Die Kosten müssen auch hier vom Patienten getragen werden. Eine andere Möglichkeit, um trotz Sterilisation wieder schwanger werden zu können, ist die künstliche Befruchtung.

Neue Sterilisationsmethode: Essure

Sie sind sich ihres Vorhabens ganz sicher, scheuen aber die Operation? Neben der operativen Sterilisation gibt es mittlerweile eine weitere Methode, die vom Frauenarzt unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden kann, die so genannte hysteroskopische Sterilisation mit dem Namen Essure. Laut dem Ärzteblatt werden hierbei zwei Mikrospiralen aus Polyesterfasern, Nickel-Titan und Edelstahl in die Öffnungen der Eileiter eingesetzt. Sie verursachen eine Narbenbildung, die die Eileiter undurchgängig macht. Der Hersteller der Spiralen verspreche eine Effektivität von 99,83 Prozent, so das Ärzteblatt, US-Experten würden dies allerdings für unrealistisch halten, weil dabei vorausgesetzt sei, dass weder Ärzten noch Patienten Fehler in der Durchführung unterlaufen würden. Langzeitstudien zum neuen Verfahren gibt es bislang nicht.

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09.09.2014 14:51
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