Coitus interruptus als sichere Verhütungsmethode?

Montag, 07.03.2016

Paare, die keine Lust auf Kondome oder hormonelle Verhütungsmethoden haben, setzen mitunter auf den Coitus interruptus, den "unterbrochenen Geschlechtsverkehr", um eine Schwangerschaft zu verhindern. Aber eignet sich der Coitus interruptus wirklich zur Verhütung?

Immer wieder wird darüber debattiert, ob der Coitus interruptus überhaupt als Verhütungsmethode bezeichnet werden kann. Das sagt eigentlich schon alles: Auch wenn der Mann seinen Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide zieht, gibt es eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Frau schwanger werden kann.

Coitus interruptus: Der Lusttropfen reicht schon

Bereits vor der männlichen Ejakulation treten nämlich sogenannte Lusttropfen aus dem Penis aus, die Samenzellen enthalten. Der Pearl-Index des Coitus interruptus liegt - je nach Studie - zwischen vier und 30, seine Sicherheit ist also schwer definierbar. Das bedeutet: Von 100 Frauen, die ein Jahr lang ausschließlich mit dieser Methode verhüten, werden bis zu 30 schwanger. Zum Vergleich: Bei Paaren, die komplett auf Verhütung verzichten, liegt der Pearl-Index etwa zwischen 60 und 85.

Natürliche Verhütung mit langer Tradition

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Coitus interruptus die mit Abstand am weitesten verbreitete Verhütungsmethode - aus dem einfachen Grund, dass es kaum brauchbare Alternativen gab.

Schon in der Bibel wird der Coitus interruptus angedeutet: Im ersten Buch Mose lässt Onan seine Samen "auf die Erde fallen", weil er die Frau seines toten Bruders nicht schwängern möchte. Damals musste ein Mann, dessen kinderloser Bruder gestorben war, die Witwe heiraten und mit ihr Nachkommen zeugen. Das wollte Onan aber nicht - und musste sterben, weil er ungehorsam war. Unter streng gläubigen Katholiken ist der Coitus interruptus noch immer verpönt.

Für den Coitus interruptus braucht man(n) Körperbeherrschung

Zwar dürfte Onans Probleme mittlerweile niemand mehr haben, aber auch für den Mann von heute ist der Coitus interruptus keine allzu große Freude: Den Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Scheide zu ziehen, setzt eine gute Körperwahrnehmung und sehr viel Disziplin voraus - beides ist im Eifer des Gefechts nicht immer vorhanden, was die Methode zusätzlich unsicher macht. 

Kann man(n) sich sich tatsächlich beherrschen und will das Paar nach der Unterbrechung den Sex fortsetzen, sollte dies erst geschehen, nachdem der Mann Penis und Hände gründlich gewaschen und uriniert hat. Auch die Frau sollte sich von jeglicher Samenflüssigkeit befreien, bevor es weitergeht. Ein weiteres Argument gegen den Coitus interruptus: Vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis B oder HIV schützt der unterbrochene Geschlechtsverkehr selbstverständlich nicht.

Halbherzige Verhütung beim Sex

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Fazit: Wer in einer festen Beziehung lebt und nichts gegen ein Baby hätte, kann das Glück mit einer fadenscheinigen Verhütungsmethode wie dem Coitus interruptus heraufbeschwören. Käme ein Kind hingegen einer mittleren Katastrophe gleich, sollte man unbedingt auf zuverlässigere Kontrazeptiva zurückgreifen.

Sigmund Freud war übrigens der Ansicht, dass der Coitus interruptus bei Männern und Frauen zu Angstneurosen führen kann. Und auch wenn der Psychoanalytiker dafür als Grund die Verhinderung der vollen sexuellen Entfaltung nannte und dies bis heute nicht belegt ist: Ängste vor einer ungewollten Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten düften bei alleiniger Anwendung des Coitus interruptus häufig auftauchen... (ame)

Außerdem erschienen in der Serie "Mythos Verhütung":

>> "Während der Tage wird man nicht schwanger"
>> "Stillen wirkt wie ein Verhütungsmittel"
>> "Coca Cola verhindert eine Schwangerschaft"

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Verhütungs-Check: Coitus Interruptus

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07.03.2016 17:25
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