Schlechter Sex - Kolumne: Brainfuck – McDreamy und McSexy

Samstag, 20.06.2009

fem.com-Kolumnistin Anne Probst versucht zu glauben, dass Sex in einer Beziehung nicht so wichtig ist.

Wie viel schlechten Sex kann eine gute Beziehung vertragen? Ich will mich auf ein populärwissenschaftliches Modell einlassen. Demzufolge steht eine Partnerschaft auf drei Säulen: gemeinsamen Interessen, Kommunikation und Sex - ein überraschend überschaubares Gebiet. Zu wackelig sei das Beziehungsgerüst mit nur einer tragenden Säule. Dafür brauche ich kein Modell, das merke ich selbst. Nicht jeder Autor passt zwingend zu einer Autorin.

Zwei aus Drei

Gibt es allerdings zwei Säulen, so hat das Pärchen angeblich prima Chancen: "Wir können super reden und am Wochenende gemeinsam in die Kletterhalle!" Er sichert sie liebevoll am Seil und hievt sie - zärtlich ihr Hinterteil stützend - auf den ersten Plastik-Felsvorsprung. Alles ist einfach nur zum Abheben! Nur im Bett werden noch keine Höhen erreicht. Bei den ersten Malen kann das passieren. Man lernt sich ja gerade erst kennen.

Nach einigen Monaten geht es in punkto Sex immer noch nicht bergauf. Beziehungssäule eins und zwei stehen fester - wie in Zement gegossen. Nur Nummer drei will einfach nicht Kurs gen Siebter Himmel nehmen: "Verdammt noch mal, man ist so verliebt, aber im Bett klappt es einfach nicht!" Laut Drei-Säulen-Modell könnte das Pärchen den sexuellen Dissonanzen trotzdem standhalten. Sie haben ja zwei Säulen.

Salz in der Suppe

Viele Paare deklarieren auch offen, dass Sex überbewertet ist. Für sie ist Sex wie das Salz in der Beziehungs-Suppe. Zur Not geht es auch ohne - oder mit wenig. Die Suppe ist trotzdem nahrhaft und macht satt. Andere Aromen entfalten sich besser - eben das, was in Säule eins und zwei steckt: Reden, Lachen, Klettern, Kochen usw. 

Es geht noch vernünftiger: Rein statistisch gesehen schlafen Partner mit fortschreitender Beziehungsdauer immer seltener miteinander. Betritt das Paar also Phase II der Beziehungs-Vita, in der Sex nicht mehr so dominant ist, zählen wieder die Inhalte von Säule eins und zwei: eben Reden, Lachen, Klettern und Kochen ... Phase I könnte man also überbrücken, indem sexuelle Beschäftigungen auf ein Minimum runtergefahren werden. Oder man sitzt die Bett-Flaute einfach aus.

Das Bootcamp

Man kann aber auch hoffen. Hoffen, dass sich das sexuelle Missverständnis auflöst. Das frische Paar tritt in die Übungsphase ein. Denn wenn alles passt, abgesehen vom Sex, ist die Beziehung auf jeden Fall ein Work-Out wert. Falls Chemie und Timing im Bett dann noch nicht stimmen, kommt die Kommunikations-Säule auf den Prüfstand. Das gegenseitige Verständnis ist so hoch, man redet über alles, warum dann nicht die Sex-Misere besprechen?!
Um dabei aber nicht die Kommunikations-Säule zu planieren, muss man sich gut überlegen, wie viel Wahrheit er verträgt. Wie sagt man - ohne seine Würde anzukratzen - dass man orgasmuslos und sexuell unerfüllt ist?

McDreamy und McSexy

Das Drei-Säulen-Modell will uns zeigen: es kann Liebesglück geben - auch ohne sexuelle Erfüllung. Mit einem Wink lässt sich das sicher nicht abtun. Sex ist schließlich nicht alles. Aber die brüchige Sex-Säule ist definitiv eine Einsturzgefahr. Soll man ein Leben lang verstohlen McSexy hinterhergucken und sich vorbeten, dass das langfristige Glück mit dem Versorger-Typen mehr wert ist als der kurze Thrill im Bett?

Über schlechten Sex in guten Beziehungen wird erstaunlich wenig geredet. Aber in Internetforen schreiben viele Frauen: "Ich liebe meinen Mann, nur haben wir schlechten Sex." Ein Dilemma, mit dem sich die Frage aufdrängt, ob ein erfülltes Sexleben nicht genauso zu einer intakten Beziehung gehört wie die Liebe. Und vielleicht noch mehr, ob die wahre Liebe nicht automatisch guten Sex mit sich bringt. Dann wäre auf jeden Fall etwas faul, wenn in McDreamy partout kein McSexy schlummern will.

DIE AUTORIN VON BRAINFUCK:

Anne Probst ist ein mediales Multi-Talent. Sie arbeitet als Regisseurin, Fernsehkolumnistin und Autorin. Die studierte Philosophin hat lange in London gelebt und trägt nach eigenen Angaben ihr "Herz im Kopf". Klingt kompliziert? Ist es nicht: Annes journalistische Spezialgebiete sind Emo-Themen. "Eins plus eins ist nicht gleich zwei" sagt sie und geht dieser Ungleichung von Berufswegen auf den Grund. Wo sie ihr Wissen sammelt werden wir nie erfahren, dafür teilt sie ihre Erkenntnisse als Autorin mit fem.com.

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