Partnersuche der Zukunft: Interview – "Die Qual der Wahl"

Mittwoch, 09.02.2011

Wohin entwickelt sich die Liebe? Wie angesagt ist die Partnersuche per Mausklick? Werden wir zur Single-Gesellschaft? Die Soziologin Christiane Schnabel schaut in die Zukunft.

Den Partner fürs Leben finden - das war schon immer Ziel der meisten Menschen. Verändert hat sich allerdings das "Wie".

fem.com hat mit der Diplom-Soziologin Christiane Schnabel von Parship.de über Trends bei der Partnersuche und steigende Ansprüche an die Liebe gesprochen. Die Online-Partnerbörse ging am Valentinstag 2001 online, feiert also zurzeit zehnjähriges Jubiläum.
Frau Schnabel, wie hat sich die Partnersuche in den letzten zehn Jahren verändert?

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Eine wesentliche Veränderung ist die gesellschaftliche Akzeptanz des Mediums Internet für die Partnersuche. Früher waren die Möglichkeiten, einen Partner zu finden, auf Freundeskreis, Arbeitsplatz oder Lieblingslokal begrenzt. Heute gibt es eine selbstverständliche Suchoption mehr: das Internet. Laut aktueller Studien haben sich bereits 16 Prozent der deutschen Paare online kennengelernt. Das entspricht rund 6,1 Millionen Menschen - mit steigender Tendenz.

Welche Vorteile bietet die wissenschaftliche Online-Partnersuche im Internet?

Zunächst helfen wir Menschen, einen Partner und damit einen wichtigen Teil für ein glückliches Leben zu finden. Unser Service ist jederzeit und an fast jedem Ort verfügbar. Das macht diese Art der Suche auch für Singles attraktiv, die beruflich oder privat sehr eingespannt sind. Außerdem treffen bei uns Menschen aufeinander, die den gleichen Wunsch nach einer festen Partnerschaft haben. Das ist anders in einer Bar oder am Arbeitsplatz, wo ich erst einmal herausfinden muss, was mein Gegenüber möchte. Man erfährt durch unseren Persönlichkeitstest, wie man in einer Partnerschaft tickt. Man lernt, warum Dinge in vergangenen Beziehungen nicht funktioniert haben oder versteht, was für ein "Gegenstück" zu einem passt. Das hilft enorm. 

Woher kommt der Trend, den perfekten Partner online gezielt nach bestimmten Kriterien zu suchen? Warum schenken wir dem Zufall heute so wenig Vertrauen?

Es ist in unserem westlichen Kulturkreis in der Regel nicht mehr so, dass wir nehmen müssen, was unsere Eltern für uns vorgesehen haben oder was pragmatisch sinnvoll erscheint. Wir haben die Wahl und damit auch die "Qual der Wahl". Wenn wir selbst wählen, dann tragen wir auch die Verantwortung für unsere Wahl. Daher steigen Sorgfalt und Ansprüche. Wir suchen einen Partner, der intelligent, witzig, schön, sexy, romantisch und trotzdem alltagstauglich ist. Und diesen Partner suchen wir aktiv und selbstbestimmt. Wir wollen nicht mehr ewig auf den unwahrscheinlichen Zufall hoffen.

Wird Online-Partnersuche in Zukunft die Regel werden?

Ja, ich denke schon. Das entspricht unserer modernen Lebensweise. Heute hat bereits jeder Zweite schon einmal im Internet nach einem Partner gesucht - in zehn Jahren wir es fast jeder Single sein. Das romantische Ideal von einer lebenslangen Liebe bis zum Tod wird auch künftig das Ideal sein. Für die Erfüllung dieses Wunsches werden wir uns aber noch gezielter und bestimmter auf die Suche machen, insbesondere im Internet.

Wie werden sich die Bedürfnisse der Singles verändern?

Die Ansprüche an eine Partnerschaft sind heute extrem hoch und individuell sehr unterschiedlich. Man begegnet beispielsweise zwei Männern im gleichen Alter mit einem ähnlichen Einkommens- und Bildungshintergrund: Der eine wünscht sich eine Partnerschaft, in der die Frau zu Hause bleibt und die Kinder erzieht. Der andere Mann möchte eine finanziell unabhängige Partnerin, die ihr eigenes Leben lebt - im besten Fall noch in ihrer eigenen Wohnung. Diese Vielzahl an individuellen Wünschen, wie man seine Partnerschaft gestalten möchte, war in den 1950er- und selbst in den 1980er-Jahren noch nicht die Regel. Die Soziologie spricht hier von der Pluralisierung familiärer Lebensformen.

In den letzten Jahren haben sich so genannte "Seitensprung-Agenturen" stark verbreitet, bei denen statt des Partners fürs Leben nur Affären und Sex vermittelt werden. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung?

Seitensprünge sind kein neues Phänomen, nur werden sie jetzt durch entsprechende Online-Angebote institutionalisiert. Menschen wird es mit Casual-Dating-Services leichter gemacht, fremd zu gehen. Wir haben heute die Freiheit, unseren Partner zu wählen. Aber woher wissen wir, dass es die richtige Wahl ist? Also hält man Ausschau, ob nicht noch "etwas Besseres" vorbeikommt. Der Seitensprung ist ein erster Schritt in diese Richtung. Ich glaube jedoch nicht daran, dass Menschen "ungeschoren" mit solchen Affären davon kommen. Untreue ist der Trennungsgrund Nummer eins - man setzt also sehr viel aufs Spiel, wenn man das Vertrauen seines Partners missbraucht.

Welche Bedeutung hat Partnerschaft in unserer modernen Gesellschaft? Werden wir tatsächlich zu einer Single-Gesellschaft?

Ich hoffe nicht, dass Single-Sein die Regel wird. Wir bei Parship.de versuchen jeden Tag, diesem Trend entgegenzuwirken. Partnerschaft, Familie und generationenübergreifende Solidarität sind wesentlich für eine Gesellschaft. Und sie sind wichtig für eine Gesellschaft, die immer älter wird. Zugegeben, die Scheidungsrate hat sich bei 40 Prozent eingependelt und wir zählen immer mehr Single-Haushalte. Aber wir können auch feststellen, dass die "Paar-Lebenszeit", also die Zeit des Lebens, die ein Mensch in einer festen Beziehung lebt, konstant geblieben ist. Das zeigt, dass der Wunsch nach einer festen Partnerschaft nach wie vor ungebrochen ist.

Christiane Schnabel, 36,  ist "Head of Scientific Development and Matchmaking" bei Parship.de und führt damit die wissenschaftliche Abteilung der Online-Partnerbörse. Sie verantwortet den wissenschaftlichen Persönlichkeitstest und das Matching-Verfahren.

Partnersuche

Partnersuche ist und bleibt ein großes Thema. Nur das "Wie" verändert sich.

 

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