Nullter Sex: Buchtipp – Ein Jahr ohne Sex

Montag, 25.06.2012

Mit ihrem Romandebüt machte Clara Ott Furore. Auch, weil sie für ihr Buch ein Jahr auf Sex verzichtete.

In ihrem Romandebüt "Aufrüschbar" erzählt Autorin Clara Ott (Foto: Moritz Thau, facebook.com/autorinclaraott) die Geschichte der jungen Hamburgerin Lotte, die zwar viele Männer kennt, aber trotzdem Single bleibt. Dabei wären einige durchaus Traumtypen zum Verlieben. Doch Lotte hält sich an ihre "Theorie vom nullten Sex". Das bedeutet im Klartext: beide liegen nebeneinander im Bett, aber es passiert besser nichts. Wie und ob das funktioniert? Die Autorin hat es selbst ausprobiert, und uns berichtet, wie es ihr dabei ging.

Single seit fünf Jahren
Ich bin seit fünf Jahre Single. In dieser Zeit habe ich viele attraktive und meistens durchaus liebenswerte Männer getroffen. Mit einigen hatte ich Affären, mit anderen One-Night-Stands, mit anderen gescheiterte Beziehungsversuche. Unter allen gab es jedoch nur einen, der mich nachhaltig beeindruckt hat.
Letztes Jahr im Frühling habe ich mich in ihn verliebt. Er hat die Messlatte für alle Nachfolger sehr hoch gelegt. Wir wurden leider kein Paar, aber ich fühlte, dass ich niemanden mehr küssen will, der mich nicht eben so geistig berührt, wie dieser Mann. Dann lieber keinen Sex, schwor ich mir. Vor allem keinen Kompensationssex mehr.
Es half, dass ich eigentlich keinen Mann kennenlernte, der auch nur ansatzweise ähnliche Emotionen in mir auslöste. Ich war zwar im Sommer acht Wochen in Italien, aber auch die italienischen Männer dort konnten mich nicht überzeugen. Es wäre doch nur Sex mit schönen Gigolos gewesen. Und solche Männer hatte ich bisher genug gehabt. Ich flirtete, schäkerte, diskutierte über meine Abstinenz, mit der ich offen umging. Ein super Diskussionsthema.
Sex konsumieren, um etwas Gescheiteres zu konsumieren?

"Nullter Sex"

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Doch nach vier Jahren als Single hatte ich erstmal genug von One-Night-Stands oder Affären. Natürlich mochte ich Sex, es war aufregend, aber oftmals vermeintlich intim und dann wieder sehr oberflächlich. Ein Jahr kompletter Entzug, ein Sex-Sabbatical, eine bewusste Auszeit. Das war genau das richtige und so schritt das Jahr voran. Ich zog von Hamburg nach Berlin. Doch auch dort blieb ich dabei und knutschte trotz zahlreicher Optionen nicht.
Meine Freundinnen staunten, meine männlichen Freunde reagierten mit großem Unverständnis. Ein Jahr lang diskutierte ich mit Fremden und Freunden über "nullten Sex". Meine Theorie besagte, dass man mit manchen Menschen, die man attraktiv findet, lieber nur darüber redet, dass was läuft. Aber brav bleibt. Und ja, das geht auch, wenn man im gleichen Bett schläft.
In dem einen Jahr habe ich tatsächlich mit einigen Männern, auch sehr hübschen, in einem Bett gelegen. Aber nichts passierte. Vor allem neben vermeintlichen Frauenhelden wacht es sich sehr entspannt auf, wenn man weiß: sein Jagdinstinkt wurde eben noch nicht befriedigt und ich kann testen, ob er mehr Interesse als nur an meinem Hintern hat.

Sex ist vollkommen überbewertet - bis man ihn vermisst

Während dieses sehr intensiven Jahres habe ich gelernt, dass ich jahrelang dachte, dass Sex für ein gestärktes Selbstbewusstsein und kräftiges Pushen des Egos sorgt. Was sicher auch der Fall war, aber am übernächsten Tag erlag ich doch immer nicht dem Mann, sondern einem Phänomen: dem sogenannten "Post-One-Night-Stand-Trauma". Was bedeutete, dass er trotz ausgetauschter Intimitäten leider nicht mehr anrief. Groß meine Enttäuschung, dass er nach meinem Körper nicht an meinem Inneren interessiert war. Nicht immer, aber doch in vielen Fällen.
In dem Jahr ganz ohne Sex ging es mir trotz scheinbar fehlender Bestätigung super. Ich fühlte mich wohl in meinem Körper und wachte gern alleine auf. Und die Männer flirteten, gaben sich Mühe, interessierten sich, kämpften – typischer Jagdinstinkt eben. Ich war stolz und habe zu vielen immer noch Kontakt. Denn viele sind Freunde geworden, statt wie ihre Vorgänger nur reine Ex-Lover.

Nach einem Jahr ohne Sex reichte es

Und dann, zwei Tage, ehe das Jahr rum war, lag ein sehr attraktiver Bekannter in meinem Bett. "Nullter Sex", war meine deutliche Ansage. Doch es fühlte sich dann zu richtig an und wir uns zu sehr zu einander hingezogen. Sehr lange hatte ich bewusst auf Sex verzichtet und jetzt spürte ich, dass ich Leidenschaft wieder erleben und genießen wollte. Ich wertschätzte Sex endlich wieder. Sex war durch den Verzicht wieder besonders geworden. Und ganz ehrlich: ähnlich wie Radfahren verlernt man Sex natürlich nicht...
Künftig will ich mich weiter daran halten, dass Sex für Singles oft nur reiner Konsum oder eine Kompensation darstellt. Ich möchte nur noch mit Männern schlafen, die ich wirklich mag und die mich geistig und körperlich berühren. Und die es schätzen, neben mir aufzuwachen. Ob daraus Liebe wird oder ob es dann doch guter Sex war, das ist ein anderes Thema. Aber die Basis fühlt sich einfach richtiger an, als nur schnelle und nebenbei konsumierte Leidenschaft.

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Über das Buch: Der Roman "Aufrüschbar" erzählt die Geschichte der Endzwanzigerin Lotte, die mit ihrer Freundin Cosima ein Kreativatelier in Hamburg eröffnet. Beruflich läuft es zwar gut, aber mit den Männern eher im Zick-Zack-Kurs. Die einen wollen nur eine Affäre mit Lotte - und von den anderen Exemplaren will Lotte nicht mehr als Sex. In diesem halben Jahr voller Trubel und Liebeskummer merkt Lotte immer mehr, dass sie mit manchen Männern besser nur über Sex geredet hätte...
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Clara Ott verzichtete ein Jahr auf Sex

"Sex ist vollkommen überbewertet - bis man ihn vermisst." Die Journalistin und Romanautorin Clara Ott verzichtete für ihr Buch ein Jahr auf Sex.

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Nullter Sex: Buchtipp
Ein Jahr ohne Sex
Mit ihrem Romandebüt machte Clara Ott Furore. Auch, weil sie für ihr Buch ein Jahr auf Sex verzichtete.
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