Natürliche Verhütung: Interview – "Ein regelmäßiger Zyklus ist Voraussetzung"

Montag, 03.05.2010

Immer mehr Frauen entscheiden sich gegen hormonelle Verhütungsmittel. fem.com hat mit der Gynäkologin Anita Schmidt-Jochheim über natürliche Verhütungsmethoden gesprochen.

Frau Dr. Schmidt-Jochheim, wie erklären Sie sich den Trend zur natürlichen Verhütung?

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Die Beziehung zum eigenen Körper, möglichst geringe Belastung durch Medikamente und eine gesunde Ernährung - das alles ist einfach wichtiger geworden. Besonders Frauen leben heutzutage diesen Trend - und der macht auch vor Fragen der Verhütungsmethode nicht halt.




Werden Sie als Gynäkologin heute auch häufiger mit Fragen zu natürlichen Verhütungsmitteln konfrontiert als noch vor fünf oder zehn Jahren?
Ja, in meiner Praxis mache ich seit einigen Jahren die Erfahrung, dass Frauen ab einem bestimmten Alter oder in bestimmten Lebenssituationen vermehrt nach alternativen Verhütungsmethoden fragen, da sie nach vielen Jahren der hormonellen Verhütung nach hormonfreien Alternativen suchen.
Welche Arten der natürlichen Verhütung gibt es?

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Gesundheitsbewussten Frauen steht eine Reihe von natürlichen Verhütungs- methoden zur Auswahl. Diese gehen allerdings in Fragen der Zuverlässigkeit, Anwender-freundlichkeit und des zeitlichen Aufwands sehr stark auseinander. Als relativ sicher bei richtiger Anwendung gilt die symptothermale Methode. Sie stellt eine Kombination aus der Basaltemperaturmethode (morgendliche Messung der Temperatur) mit der Billingsmethode (Analyse des Zervixschleims) dar. Die symptothermale Methode ist mit einem hohen Disziplin- und Zeitaufwand der Frau sowie einem regelmäßigen Tagesablauf verbunden, denn die Temperatur- messung sollte immer zum gleichen Zeitpunkt durchgeführt werden. Außerdem bedarf es einer gewissen Erfahrung, um den Zervixschleim sicher analysieren zu können. Eine Alternative dazu sind zum Beispiel Verhütungscomputer, die die Hormone im Urin messen, ein größeres Zeitfenster für die Messung bieten und vergleichsweise einfach in der Anwendung sind. Am unzuverlässigsten und nicht empfehlenswert bei den natürlichen Verhütungsmethoden sind die Knaus-Ogino-Methode (Kalendermethode) und der Coitus interruptus.
Es gibt den Spruch "Verhütungscomputer sind die Garantie zum Schwangerwerden". Was würden Sie darauf erwidern?
Keine Verhütungsmethode gewährleistet eine Sicherheit von 100 Prozent vor einer Schwangerschaft. Verhütungscomputer sind zu 94 Prozent zuverlässig, wenn sie anleitungsgemäß und als einzige Verhütungsmethode angewendet werden. Das bedeutet, dass von 100 Frauen, die den Verhütungscomputer ein Jahr anwenden, sechs schwanger werden können, weil der Computer die fruchtbare Phase nicht richtig identifiziert hat.
In welchen Lebens-Phasen raten Sie Frauen zu hormonellen, in welchen zu natürlichen Verhütungsmitteln?

Hormonelle Verhütungsmethoden eignen sich für Frauen, die eine Schwangerschaft möglichst sicher vermeiden möchten, also zum Beispiel jüngere Frauen, die noch in der Ausbildung sind. Es gibt aber auch gewisse Einschränkungen, die gegen das Verwenden von hormonellen Verhütungsmethoden sprechen, beispielsweise wenn eine Frau raucht und dadurch ein erhöhtes Thromboserisiko aufweist oder stark übergewichtig ist. Natürliche Verhütung ist für Frauen geeignet, die ein hohes Gesundheits-bewusstsein haben und mit deren Lebenskonzept eine mögliche Schwangerschaft vereinbar ist.


Welche Voraussetzungen müssen körperlich da sein, damit man sicher natürlich verhüten kann?
Frauen, die natürlich verhüten möchten, sollten einen regelmäßigen Zyklus zwischen 23 und 35 Tagen haben. Ein geregelter Alltag, ausreichend Schlaf sowie die Bereitschaft, sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen gehören aber ebenso dazu.
Ist es aus Ihrer Sicht bedenklich, wenn eine Frau ohne Unterbrechung 20 Jahre lang die Pille nimmt?

Wenn keinerlei Erkrankungen oder Besonderheiten vorliegen, die die Einnahme der Anti-Baby-Pille einschränken oder verbieten, hätte ich keine Bedenken gegen eine jahrelange Einnahme der Pille. Allerdings sollte jede Frau die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei ihrem Frauenarzt durchführen lassen.
Vielen Dank für das Interview!
Dr. med. Anita Schmidt-Jochheim, Jahrgang 1954, ist seit 1986 als Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig. Sie hat eine eigene Praxis in Göttingen, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

>> Zykluskalender zum Ausdrucken gibt es hier

Der Trend geht zu mehr Natürlichkeit: Immer mehr Frauen wollen alternative Verhütungsmethoden ausprobieren.

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