Männer verstehen: Seitensprung - "Er ist fremdgegangen"

Dienstag, 22.12.2009

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.

Thema heute: Er ist fremdgegangen

Die Frage:

"Mein Mann hatte vor drei Monaten mit einer Arbeitskollegin einen One-Night-Stand und hat mir vor Kurzem alles gestanden. Wir sind seit viereinhalb Jahren verheiratet und kennen uns seit neun Jahren - das ist das erste Mal, das einer von uns fremdgegangen ist. Ich bin tief verletzt, für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Außerdem sieht mein Mann die betreffende Kollegin weiterhin jeden Tag im Büro. Doch er beteuert, dass es ein einmaliger Ausrutscher war und dass er mich liebt. Soll ich ihm noch eine Chance geben? Wir haben eine vierjährige Tochter." Monika, 35, per E-Mail

Die Experten-Antwort:

"Hierbei handelt es sich um den klassischen Fall sexueller Untreue, welche sowohl in der Natur des Mannes als auch in der der Frau liegt. (Männer können aufgrund körperlicher Indikatoren ziemlich genau zwischen monogamen und polygamen Säugetieren eingeordnet werden, Frauen gehen bevorzugt fremd, wenn sie fruchtbar sind.) Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass Ihre Gefühle verletzt sind. Was aber für Ihrem Mann spricht, ist, dass er Ihnen von sich aus seinen Fehltritt offenbart hat. Das ist tendenziell kein Indikator für einen tieferen Ehekonflikt. Des Weiteren wäre es für Ihre Ehe bedeutend gefährlicher, wenn ihn mit dieser Kollegin eine innige und vertraute Freundschaft anstelle eines einmaligen sexuellen Abenteuers verbinden würde. Und letzteres ist kein Anzeichen für mangelnde Liebe oder Zuneigung. Geben Sie daher Ihrem Mann und somit auch Ihrer Familie eine Chance."

Dr. Stefan Wieczorek 

Dr. Stefan Wieczorek, 40, ist Diplom-Psychologe, hat über Partnerwahl promoviert und setzt seine Arbeit nun in der Forschungsabteilung der Online-Partneragentur eDarling.de fort.

Die Männer-Antwort:

"Liebe Monika, ich glaube, die Frage 'Soll ich ihm noch eine Chance geben?' haben Sie mit Ihrem letzten Satz schon selbst beantwortet. Wenn Sie eine vierjährige Tochter haben, dann KÖNNEN Sie ihm nicht nur eine Chance geben, sondern Sie MÜSSEN! Das sind Sie zumindest Ihrer kleinen Tochter schuldig. Es wäre ihr gegenüber nicht fair, ihr Leben mit einer Trennung zu belasten, die vermeidbar gewesen wäre.

Zu dem eigentlichen Vorfall: Wenn Männer und Frauen eng zusammen arbeiten, dann kommt es manchmal unweigerlich zu sexuellen Spannungen. Damit müssen reife Erwachsene einfach leben lernen. Manchmal (zum Glück eher selten) führen diese Spannungen dazu, dass zwei Menschen die Grenzen des Professionellen übertreten. Das genetische Programm des Mannes ist nun einmal auf Prokreation mit möglichst vielen Partnern ausgelegt, und auch Tausende von Jahren Zivilisation haben das noch nicht ändern können. Daher ist es nicht nur denkbar, sondern sogar sehr wahrscheinlich, dass der Grenzübertritt Ihres Mannes 'nichts' bedeutet hat und er dies auch wirklich und von ganzem Herzen bereut. Ich möchte sein Verhalten damit nicht in Schutz nehmen, aber wie es mir scheint, bedauert er den Vorfall zutiefst.

So schwer es auch sein mag, würde ich Ihnen hier empfehlen, über Ihren Schatten zu springen und ihm zu verzeihen. Dabei würde ich Ihnen aber dringend raten, das Thema richtig zu verarbeiten und nicht einfach tot zu schweigen. Nehmen Sie sich hier vielleicht sogar professionelle Hilfe und suchen Sie sich einen Coach oder Therapeuten, der die Gespräche begleiten kann. Unausgesprochenes gärt im Unterbewusstsein und kommt irgendwann - meist, wenn man es am wenigsten braucht - wieder zum Vorschein.

Reden Sie darüber: Meistens kann ein One-Night-Stand nur dann passieren, wenn in der Beziehung gewisse Defizite bestehen. Packen Sie die Gelegenheit beim Schopf, diese Defizite zu beseitigen und die Beziehung auf einer neuen, reiferen Basis wieder aufzubauen. Denn so, wie man auf Treibsand kein Haus bauen kann, können Sie nur auf einem soliden Fundament - ohne unverarbeitete Ressentiments - eine neue, glückliche Beziehung aufbauen und Ihrer Tochter ein Zuhause geben, in dem sie zu einer zentrierten, gefestigten und glücklichen Person heranreifen kann." Dennis Köhler

Dennis Köhler ist 38 Jahre alt und Unternehmer. Er befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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22.12.2009 11:50
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