Männer verstehen: Karriere oder Familie? – "Er will ins Ausland"

Mittwoch, 13.10.2010

In unserer Kolumne stellt eine Leserin eine Liebes-Frage - und erhält zwei Antworten: die eines Partnerschafts-Experten und die eines Mannes ohne psychologische Vorkenntnisse.


Thema heute:

"Er will nach Australien"
Die Frage:
"Hallo! Ich bin 32 Jahre alt und lebe seit vier Jahren mit meinem Freund (33) zusammen. Nun hat er beruflich das Angebot bekommen, für zwei Jahre nach Melbourne zu gehen. Das wäre super für seine Karriere - aber für unsere Beziehung eine heftige Bewährungsprobe, wie ich finde.

Meinen Beruf könnte ich in Australien nicht ausüben, das heißt, mitkommen wäre kaum möglich. Außerdem stünde meiner Meinung nach bei uns bald mal das Thema Familienplanung an. Der Zeitpunkt, dass er ins Ausland will, könnte also nicht ungünstiger sein.

Mein Freund sieht Melbourne aber als Riesen-Chance und versteht nicht, warum ich Probleme damit habe, ihn gehen zu lassen. Meine Argumente habe ich schon etliche Male vorgebracht, aber er meint, wir hätten doch noch ewig Zeit, Kinder zu bekommen - und eine vorübergehende Fernbeziehung sei doch nicht so tragisch. Das sehe ich ganz anders …

Ich bin ziemlich verzweifelt, denn im Weg stehen und für immer dafür verantwortlich zu sein, dass er seine Karriereträume nicht verwirklichen konnte, möchte ich natürlich auch nicht. Was kann ich tun? Danke im Voraus für eure Antworten!" Rebekka, 32, per E-Mail

Beziehungs-Mythen - Experten-Tipps – Gleich und gleich...

Die Experten-Antwort:

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"Liebe Rebekka, Ich kann verstehen, dass Sie sich in dieser Situation vorkommen müssen wie in einer Zwickmühle: Lassen Sie Ihren Partner gehen, liegt ihre Familienplanung auf Eis, halten Sie ihn zurück, sind Sie verantwortlich für seine verpasste Karrierechance.

Sie schreiben, dass Sie aus beruflichen Gründen nicht mitkommen können. Hier rate ich Ihnen, wirklich noch mal alle Möglichkeiten zu recherchieren, ob es nicht doch einen Weg gibt, der Ihre Mitreise erlaubt.

Aber wir gehen jetzt mal davon aus, dass Sie nicht mitkommen können/wollen. Eine stabile Beziehung, die ja auch schon mehrere Jahre besteht, kann auch eine vorübergehende Fernbeziehung aushalten - wichtig ist die gemeinsame Perspektive: Wie geht es danach weiter? Welche Vorstellungen haben beide Partner von der Beziehung?

Und da kommen wir zu dem aus meiner Sicht wichtigsten Punkt: Das Thema Familienplanung. Hier müssen sie beide einen gemeinsamen Weg finden - vielleicht helfen die folgenden Fragen bei einer Klärung:

  • Warum wäre es Ihnen wichtig, keine zwei Jahre damit zu warten?
  • Wo liegen konkret Ihre Bedenken?
  • Wie steht Ihr Freund generell zum Thema 'gemeinsame Kinder'?

Ich gehe davon aus, dass Ihnen und Ihrem Partner viel an Ihrer Beziehung liegt und sie beide auch ihre Zukunft zusammen planen. Deshalb werden Sie Kompromisse machen müssen - auf beiden Seiten. Ich wünsche Ihnen alles Gute." Markus Ernst

Markus Ernst, 40, ist Diplom-Psychologe, arbeitet als Coach bei der Online-Partneragentur Parship.de und hat eine eigene Praxis. Er verfügt  über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft.




 



Die Männer-Antwort:
"Liebe Rebekka, Ihre Situation klingt verfahren. Sie sagen, dass Sie Ihren Job in Australien nicht ausüben können. Haben Sie das wirklich genau überprüft? Gibt es dort nicht wenigstens etwas Vergleichbares?

Ihr Mann will die Chance, zwei Jahre im Ausland zu arbeiten, ergreifen und kann sich nicht vorstellen, sie ungenutzt zu lassen. Und um ehrlich zu sein, kann ich das sehr gut verstehen. Nicht nur aus Sicht eines erfolgsorientierten Mannes, wie Sie vielleicht denken. Sondern weil ich genug Menschen - Männer und Frauen - kenne, die eine solche Möglichkeit nicht einfach verwerfen würden.
Sie sind beide seit vier Jahren ein Paar und zumindest Sie, Rebekka, sehen es jetzt an der Zeit, Kinder zu bekommen. Ihr Mann aber hält dagegen und meint, dass sie beide noch zwei Jahre warten können. Könnte es sein, dass Sie Angst haben, Ihren Mann zu verlieren, wenn er zwei Jahre in Australien lebt und Sie wegen Ihres Jobs in Deutschland bleiben müssen?

Dem kann ich nur entgegnen, dass Sie seit vier Jahren zusammen sind und es zu jeder Zeit hätte passieren können, dass Ihr Freund sich nach einer neuen Partnerin umsieht, wenn er das Bedürfnis (gehabt) hätte. Vertrauen Sie auf das, was Sie haben - und das scheint sehr viel zu sein. Bauen Sie darauf auf und überlegen Sie gemeinsam, ob die zwei Jahre nicht doch zu bewältigen sind.
Reden Sie mit Ihrem Partner nicht über die Familienplanung, als würde es nur darum gehen. Seien Sie ehrlich zueinander: Erklären Sie Ihrem Freund, wovor Sie konkret Angst haben, finden Sie gemeinsam Lösungen und lassen Sie sich genauso erklären, wieviel Ihrem Freund dieser Job im Ausland bedeutet.

Vielleicht gelingt es ihm, Sie mit seiner Begeisterung anzustecken und möglicherweise gibt es doch eine Möglichkeit für Sie, einen Job in Melbourne zu finden. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und viel Mut. Den werden Sie brauchen." Agent Dexter

Unser zweiter Berater ist online unter dem Pseudonym Agent Dexter unterwegs, 28 Jahre alt und studierter Germanist sowie Journalist. Er liebt Musik, Sport und gutes Essen und befasst sich im Auftrag von fem.com zum ersten Mal professionell mit Beziehungsfragen.

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Foto: Miss X / photocase.com

Beruflich nach Australien

Der Freund der 32-jährigen Rebekka will für zwei Jahre beruflich nach Australien. Sie hatte da eher an eine baldige Familienplanung gedacht. Was tun?

 

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13.10.2010 18:19
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